Foto: Dorothea Homann

Impfkampagne

Corona-Impfung: „Unsere Bewohner sind fast alle dabei“

Die Corona-Impfkampagne ist gestartet. Das Seniorenzentrum Unterföhring in Bayern hat erste Erfahrungen gesammelt. Interview mit Heimleiterin Dorothea Homann

pflegen-online: Frau Homann, Ihr Seniorenzentrum hat gleich am ersten Tag, am 27. Dezember, Besuch von zwei Impfteams bekommen. Wie aufwendig war das für Sie?

Dorothea Homann: Es war im Vorfeld viel Aufwand: Wir bekamen die Zustimmungserklärungen erst am 18. Dezember vom Landratsamt. Die mussten wir dann schnell an alle Mitarbeiter, Betreuer und Angehörige verteilen oder auch verschicken, weil viele kurz vor Weihnachten gar nicht anwesend waren. Am 25. Dezember haben wir sogar noch mal eine aktualisierten Aufklärungsbogen mit Stand 22. Dezember erhalten – nun, letztlich hat alles geklappt.

Wir haben es auch noch geschafft, mit den Hausärzten abzuklären, ob die Bewohner alle gesundheitlichen Voraussetzungen für die Impfung erfüllen. Als die beiden Impfteams mit jeweils einem Arzt, einem Rettungssanitäter und einer Medizinischen Fachangestellten eintrafen, hatten wir alles gut vorbereitet: Für alle Wohnbereiche hatten wir alphabetisch sortiert die Liste mit den Namen der Bewohner und Mitarbeiter rausgelegt, dazu die Impfpässe und die Diagnosen sowie die Medikation der Bewohner.

Wie genau lief das Impfen ab?

Die Impfteams haben sich Zeit genommen und jedem einzelnen noch einmal alles erklärt und auch anschließend die Geimpften beobachtet. Wir haben sie nach der Impfung außerdem alle eine gewisse Zeit im Gemeinschaftswohnzimmer – natürlich mit Abstand und Maske – untergebracht, um sie besser beobachten zu können. Auch danach haben wir zu allen regelmäßig in die Zimmer geschaut, um sicher zu gehen, dass alles gut verlaufen ist. Wir hatten aber keine Zwischenfälle, selbst eine 100-jährige Bewohnerin hat die Impfung gut verkraftet. Darüber sind wir sehr froh, denn wir hatten natürlich schon Sorge, ob alle unsere Bewohner die Impfung gut vertragen.

Wo haben die Impfungen stattgefunden?

Am Sonntag zum Teil im Wohnzimmer der einzelnen Bereiche und bei einigen bettlägerigen Bewohnern auch im Zimmer. Am Dienstag, beim zweiten Teil der Impfung, haben wir dann alle Bewohner im Zimmer impfen lassen – das hat sich aus unserer Sicht als besser erwiesen, da aufgrund der vielen Mitarbeiter des Testteams die Bewohner, besonders dementiell Erkrankte, sehr unruhig wurden.

Haben sich alle Bewohner impfen lassen?

Wir haben insgesamt 68 Bewohner, 85 Prozent von ihnen lassen sich impfen. Von den 15 Prozent, die nicht geimpft werden, sind teils die Angehörigen dagegen, teils gibt es Kontraindikationen wie eine Palliativbehandlung und eine Antibiose-Therapie. Am Sonntag sind die ersten 21 Bewohner und neun Mitarbeiter geimpft worden, die anderen wurden am Dienstag, den 29. Dezember, geimpft – wie auch die Mitarbeiter.

Wie sieht es mit der Impfbereitschaft der Mitarbeiter aus?

Von unseren 65 Mitarbeitern lassen sich circa 50 Prozent impfen. Zwei Mitarbeiter haben sich am Sonntag noch kurzfristig entschieden, sich doch impfen zu lassen. Es ist nicht so, dass die Pflegekräfte es kategorisch ablehnen, aber viele sagen, sie wollen lieber noch abwarten, bis man in Deutschland mehr Erfahrung gesammelt hat. Es ist schon schade, dass es so wenige sind, denn die Chance kommt so schnell nicht wieder.

Ich habe mich am Dienstag impfen lassen, als das Team noch einmal vorbeigekommen ist, um weitere Bewohner und Mitarbeiter zu impfen. Ich habe als Heimleitung zwar nicht so viel direkten Kontakt zu den Bewohnern, aber ich sehe es als meine Verantwortung mit gutem Beispiel voranzugehen.

Wie geht es jetzt weiter? Wann kommt die zweite Impfdosis?

Am 17. Januar kommen die Impfteams für die zweite Runde, sieben bis acht Tage danach tritt dann der Impfschutz ein. Das ist wirklich ein Licht am Horizont, das Leben hier bei uns im Heim wird dann hoffentlich bald wieder etwas normaler. Das sieht übrigens auch die 100-Jährige, die am Sonntag geimpft wurde so: „Wenn mich die Impfung dahinrafft soll es so sein“, sagte sie. „Aber wenn es gut geht, habe ich endlich wieder mehr Normalität.“

Interview: Kirsten Gaede

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