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Interview

Corona-Impfung: Keine Angst vor Unfruchtbarkeit!   

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer erklärt im Kurzinterview, warum die Corona-Impfung das Erbgut nicht verändert und auch die Placenta nicht schädigt

pflegen-online: Welche Personen- beziehungsweise Patientengruppen sollten sich nach aktuellem Kenntnisstand nicht gegen Covid-19 impfen lassen?

Andreas Dotzauer: Im Allgemeinen ist für alle Personen- und Patientengruppen die Gefahr für eine schwere Impfkomplikation wie Thrombosen, Entzündungen des Herzens oder Blutbildungsstörungen signifikant geringer als die Gefahr, einen schweren Infektionsverlauf zu erleiden oder Langzeitbeschwerden nach einer Infektion zu entwickeln. Auch die Behandlungsoptionen sind bei Implikationen im Vergleich zu schweren Covid-Verläufen deutlich besser.

Personen jedoch, bei denen Allergien gegen Bestandteile der Impfstoffe bestehen oder Autoimmunerkrankungen vorliegen, müssen wegen des individuellen Charakters dieser Krankheiten die Impfmöglichkeit zuvor mit ihrem Arzt besprechen. Auch während der Durchführung einer Chemotherapie und bei Rheumatikern ist vor der Impfung ein Arztgespräch nötig, um die Behandlung eventuell anzupassen und einen guten Impferfolg zu erzielen. Schwangere werden während des ersten Trimesters nicht geimpft, um die in dieser Phase stattfindende Organbildung bei Kind nicht zu stören.

Ist die Sorge vor Erbgutschäden und Konsequenzen für die Fortpflanzungsorgane legitim?

Es besteht keine Gefahr, dass die Impfstoffe unser Erbgut verändern. Die RNA der RNA-Impfstoffe gelangt nicht in den Zellkern, in dem sich unser DNA-Genom befindet, und durch die chemische Verschiedenartigkeit von RNA und DNA kann RNA nicht in DNA-Moleküle eingebaut werden. Die DNA der Vektorimpfstoffe weist keinerlei Sequenzen auf, die einen Einbau dieser DNA in unser Genom gestatten würden. Unfruchtbarkeit durch die Impfung tritt nicht auf. Es werden durch die Impfung auch keine Autoantikörper gegen Syncytin, das an der Ausbildung der Plazenta beteiligt ist, gebildet.

Wie sollten Arbeitgeber im Gesundheitsdienst Ihrer Ansicht nach mit Mitarbeitern umgehen, die sich nicht impfen lassen wollen oder können/dürfen?

Juristische Empfehlungen kann ich natürlich nicht geben. Die Impfung von Beschäftigten im Gesundheitsdienst ist enorm wichtig, da die Patienten oft, auch im Fall einer bereits erfolgten vollständigen Impfung, einen vergleichsweise schwachen Impfschutz aufgebaut oder aus anderen Gründen keinen Immunschutz haben. Aus virologischer Sicht sollten impfunwillige Mitarbeiter für eine Impfung überzeugt werden oder, wie auch im Fall, dass eine Impfung nicht möglich ist, auf Arbeitsplätze ohne Patientenkontakt versetzt werden.                                                                                                 

Text: Brigitta von Lehn

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Foto: Kai-Uwe Bohn / Uni Bremen Der Virologe Andreas Dotzauer leitet das Laboratorium für Virusforschung an der Universität Bremen.

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