Dermatologie-Studie

Corona: Immer mehr Pflegekräfte haben Hand-Ekzeme

Die ausgeprägte Hygiene wegen Corona führt oft zu Hautentzündungen. Dies belegt eine aktuelle US-Studie. Deutsche Dermatologen kommen zu ähnlichen Erkenntnissen und geben Tipps, wie sich vorbeugen lässt

Inhaltsverzeichnis

Achten Sie auf Händehygiene! Das ist seit der Corona-Pandemie an jeder Straßenecke zu lesen - und ganz besondern in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Das ist auch gut so: Viele beherzigen den Ratschlag inzwischen. Doch die überaus gründliche Händehygiene bringt auch gesundheitliche Gefahren mit sich, wie Wissenschadftler einer aktuellen US-Studie herausgefunden haben. Die Dermatologinnen Margaret MacGibeny und Cindy Wassef haben im Fachjournal „Archives of Dermatological Research“ (Ausgabe 09-05-2020) einen massiven Anstieg von Hauterkrankungen dokumentiert.

Stark reizende Mittel können schon schon bei Erstkontakt zu Dermatitis führen

Das Ergebnis ihrer Studie: Die weltweiten Hygiene-Hautschutzpläne, die den vermehrtem Einsatz von Desinfektionsmitteln und antimikrobiellen Substanzen empfehlen, haben bei vielen Pflegekräften vermehrt zu Hautreizungen bis hin zu Ekzemen geführt. Und: Besonders stark reizende Bestandteile in manchen Desinfektionsmitteln können schon bei einem ersten Kontakt eine akute Dermatitis auslösen.

Hälfte von Studien-Teilnehmer in Wuhan berichtet über Hautschäden

Die Dermatologinnen bezogen sich bei ihren Erkenntnissen unter anderen auf eine chinesische Studie mit medizinischen Mitarbeitern, die während des Corona-Ausbruchs im Epidemie-Zentrum Wuhan befragt wurden. Dabei berichteten von den 434 befragten Mitarbeitern 246, also mehr als die Hälfte der Teilnehmer, von Hautschäden an der Hand.

84 Prozent der Dermatologen beobachten deutlich mehr Hand-Ekzeme

Zu noch dramatischeren Ergebnissen kam der Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD) mit einer Online-Umfrage unter ihren Mitgliedern. Dabei bestätigten 84 Prozent der teilnehmenden Hautärzte eine deutliche Zunahme an Handekzemen bei ihren Patienten infolge der Corona-Hygiene-Maßnahmen.

Pflegekräfte leiden besonders häufig unter trockenen, rissigen Händen

Diese Umfrageergebnisse kann auch Hautarzt Dr. Christoph Liebich von der Gemeinschaftspraxis Dermazent in München bestätigen: „Wir haben vermehrt Patienten, deren Hände vom übermäßigen Einsatz von Desinfektionsmitteln gezeichnet sind.“ Die Hauterkrankungen reichen dabei von trockenen, rissigen Händen bis hin zu Ekzemen.

Dr. Michaela Schmidt-Lauber, Fachärztin für Dermatologie am Dermatologikum Hamburg, hat dies besonders bei Pflegekräften diagnostiziert: „Auch in unserer Praxis haben sich in letzter Zeit vermehrt Patienten aufgrund von Handekzemen vorgestellt. Dies betrifft insbesondere Patienten mit hautbelastenden Tätigkeiten, also auch verstärkt Mitarbeiter aus dem medizinischen Bereich“.

Hand-Ekzeme vorbeugen: die 5 Tipps der US-Dermatologinnen

  • Hautfreundliches Händewaschen geht am besten mit Seife und mit warmem oder kaltem Wasser – zu heißes Wasser schadet der Haut. Anschließend sollen die Hände getrocknet werden.
  • Antibakterielle Seifen sollten vermieden werden, da hier bisher keine Vorteile zur Infektionsvermeidung bekannt sind. Und: Mit nur geringen Einsatz von antibakteriellen Chemikalien, also Desinfektionsmitteln, wird auch das Risiko für Reizungen und allergische Hautreaktionen reduziert – ohne den Hygiene-Schutz dabei zu beeinträchtigen.
  • Wenn Seife und Wasser nicht erreichbar sind, können alkohol-basierte Handdesinfektionsmittel (mit mindestens 60 Prozent Alkohol) in die Hände eingerieben werden. Das Risiko allergischer Hautreaktionen kann hierbei mit Mitteln ohne Duftstoffe reduziert werden.
  • Oberflächen sollten mit nur registrierten und zugelassenen Produkten desinfiziert werden, um die Inaktivierung des Corona-Virus sicherzustellen. Diese Substanzen sind aber auch Hautallergene. Der direkte Hautkontakt mit diesen Mitteln sollte durch Handschuhe während der Anwendung vermieden werden. Anschließend die Hände mit Seife reinigen.
  • Ölhaltige Pflegeprodukte sollten regelmäßig nach jedem(!) Händewaschen genutzt werden, um die Hautbarriere zu stärken.

Dermatologin Schmidt-Lauber: Mehr desinfizieren, weniger waschen

Die deutschen Dermatologen setzen bei Hygiene und Pflege dagegen weiterhin auf Desinfektion, allerdings auch eindringlich auf Hautpflege. Dr. Michaela Schmidt-Lauber: „Wir empfehlen unseren Patienten bei häufigem Waschen und häufigen Händedesinfektionen auf jeden Fall eine Basistherapie mit Hautpflegeprodukten, um die Hautbarriere zu unterstützen und den Lipidgehalt der Haut aufrecht zu erhalten.“

„15-Mal waschen pro Schicht ist nicht zumutbar“

Speziell für Pflegekräfte lautet ihre Empfehlung: „Im Pflegeberuf sollten die Hände nur nach der Pause, nach jedem Toilettengang oder nach grober Verschmutzung gewaschen werden, sonst sollte immer die Desinfektion dem Waschen vorgezogen werden. Denn 10 bis 15-Mal pro Schicht Hände waschen ist auf Dauer und insbesondere unter diesen speziellen Bedingungen der Corona-Pandemie der Haut nicht zumutbar!“

Warum die Händedesinfektion für Pflegekräfte meistens besser ist als Händewaschen, erfahren Sie im Artikel Hände weg von Wasser und Seife

Baumwollhandschuhe unter Einmalhandschuhen tragen

Außerdem empfiehlt die Dermatologin Pflegekräften bei Tragen von Schutzhandschuhen zu beachten, „dass beim Tragen von Handschuhen über zehn Minuten Baumwollhandschuhe unter die normalen Arbeitshandschuhe gezogen werden und dass keine harnstoffhaltigen Cremes unter den Handschuhen verwendet werden sollten“. Harnstoffhaltige Cremes könnten bei bereits stark beanspruchter und verletzter Haut schmerzhafte Hautreizungen hervorrufen. Ansonsten seien Urea-haltige Cremes durchaus empfehlenswert, weil sie die Haut sehr gut mit Feuchtigkeit versorgen.

Das Wichtigste: cremen, cremen, cremen!

Der Münchner Dermatologe Dr. Christoph Liebich fasst seine Empfehlungen kurz und knapp zusammen: „Nach jedem Händewaschen, nach jeder Desinfektion – Hände cremen, cremen, cremen. Und über Nacht Baumwollhandschuhe benutzen.“ Dann können die pflegenden Substanzen noch besser einziehen.

Autor: Hans-Georg Sausse

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