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Corona-Impfung

Corona: Druck auf ungeimpfte Pflegekräfte steigt   

Geimpft oder nicht geimpft? Mit dieser Frage müssen Bewerber in Vorstellungsgesprächen inzwischen rechnen. Ein Klinikum will Impfverweigerer außerdem nicht in Führungspositionen aufsteigen lassen          

Anfangs lag die Impfquote unter Pflegekräften in vielen Pflegeheimen, aber auch in Krankenhäusern, bei 50 bis 60 Prozent, in einigen Heimen sogar nur bei 30 bis 40 Prozent. Das hat sich sechs Monate nach dem Start der Impfkampagne geändert: „Das Vertrauen ist gewachsen, der Impfstoff von Biontech, mit dem fast alle in den Pflegeheimen geimpft werden, ist nicht mehr der große Unbekannte“, sagt Lübbo Roever, Sprecher des DRK-Landesverbands Bremen, Betreiber des mobilen Impfteams Bremen. Die Impfquote unter Pflegekräften ist deutlich gestiegen: So berichtet der Klinikkonzern Helios von einer Impfquote von 70 Prozent (nicht berücksichtigt sind die Mitarbeiter, die sich in Impfzentren oder in Arztpraxen haben impfen lassen), der Verbund Regiomed (Region Coburg) von einer Quote um die 80 Prozent und der kommunale Berliner Klinikverbund Vivantes von – je nach Standort - 80 bis 95 Prozent geimpften Pflegekräften.

Klinikum Ludwigshafen: Impfquote von 83 Prozent reicht nicht 

Auch im Klinikum Ludwigshafen sind Impfverweigerer deutlich seltener geworden: Nur knapp jeder Fünfte hat sich noch nicht impfen lassen. Trotzdem will das Klinikum die Quote weiter erhöhen. In einer aktuellen Mitteilung des Klinikums vom 22. Juni heißt es: „Die Impfquote von mehr als 83 Prozent klingt in der allgemeinen Betrachtung sehr hoch. Da es sich bei einem Krankenhaus jedoch nicht um einen x-beliebigen Betrieb im herkömmlichen Sinne handelt, sondern um einen Gesundheitsdienstleister mit hoch vulnerablem Kundenklientel, strebt das Haus eine noch höhere Quote an geimpften Mitarbeitenden an.“

„Wer nicht geimpft ist, wird sich früher oder später infizieren“

Die Klinikleitung ist überzeugt: Wer nicht geimpft ist, wird sich früher oder später infizieren und andere anstecken – „mit fatalen Folgen“, wie es in der Mitteilung heißt. Tatsächlich gibt es auch jetzt noch, da viele Pflegekräfte und fast alle Bewohner geimpft sind, gerade in den Pflegeheimen gelegentlich Fälle, in denen eine einzige Nicht-Geimpfte einen Corona-Ausbruch verursacht. So etwa in einem Düsseldorfer Pflegeheim, über das die Süddeutsche Zeitung berichtete. Dort wurden 24 Bewohner und Mitarbeiter positiv getestet, sie waren allerdings schon immunisiert und hatten  kaum Symptome. Im Krankenhaus aber gibt es häufiger Patienten, für die eine Impfung wegen ihrer schweren Erkrankung nicht infrage kommt.

Auch deshalb wohl schalten viele Krankenhäuser jetzt noch mal einen Gang höher. So hat Vivantes gerade eine zentrale Corona-Personalimpfstelle eingerichtet, in der  Mitarbeiter online oder über die Telefonhotline Impftermine buchen können. Damit möchte das Unternehmen „Neueinstellungen und Spätentschlossenen auch weiterhin ein Impfangebot unterbreiten“, wie eine Vivantes-Sprecherin sagt. 

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Gutes Zureden reicht dem Klinikum Ludwigshafen nicht mehr

Das Klinikum Ludwigshafen hat seit Dezember 2020 wie so viele Krankenhäuser über Erklärvideos, virtuelle Informationsveranstaltungen und schriftliche Informationen über die Impfkampagne aufgeklärt. „Ergänzt wird dies seit Beginn durch die Möglichkeit, sich vertrauensvoll durch unseren Betriebsärztlichen Dienst in medizinischen Impf-Fragen individuell beraten zu lassen. Nur so ist es überhaupt erklärbar, dass unser Klinikum eine erfreulich hohe Impfquote hat“, sagt Sprecherin Yasemin Böhnke. Doch möchte sich das Klinikum nicht mehr allein auf gutes Zureden verlassen.         

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 In der Mitteilung vom 22. Juni wird die Klinikleitung sehr deutlich. Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther wird mit den Worten zitiert: „Sicherheit ist nicht verhandelbar. Die Patienten dürfen zu Recht von uns erwarten, dass wir als Beschäftigte im Gesundheitswesen alles erdenklich Mögliche dafür tun, größtmögliche Sicherheit anbieten zu können. Dass sich alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch wir in den Führungsgremien uns impfen lassen, gehört zweifelsohne dazu.“ Das bedeutet im Klartext, den Yasemin Böhnke auf Anfrage bestätigt: Impfverweigerer dürfen nicht auf „höherwertige (Führungs-)Positionen“ im Unternehmen hoffen. In Einstellungsgesprächen wird die Impffrage gestellt und wer sich in der Probezeit befindet und keine Impf-Bereitschaft zeigt, muss damit rechnen, bald wieder das Haus zu verlassen.

Im Klinikum Ludwigshafen wird es ungemütlich für Impfverweigerer

Bereits eingestellte Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen haben hingegen nichts zu befürchten – auch wenn sie mit starkem Druck leben müssen. Denn am Ende der Mitteilung heißt es: „Wir führen zurzeit sehr viele Gespräche. Schlussendlich muss sich ein Mitarbeiter, der Corona-Leugner ist oder die Impfung für überflüssig hält, ernsthaft überlegen, ob ein Krankenhaus, wie wir es sind - mit einer sehr großen Verantwortung für die Menschen dieser Region –, der passende Arbeitsplatz ist.“

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Andere Krankenhaus-Unternehmen wie Helios, Vivantes und Regiomed erwähnen auf Nachfrage keine harten Konsequenzen. Das heißt aber nicht, dass Impfverweigerer aufatmen können: „Wir wissen aus Einstellungsgesprächen mit externen Kandidaten, dass andere Häuser durchaus auch die Impffrage thematisieren und die Kandidaten auf deren Impfbereitschaft abklopfen“, sagt Yasmin Böhnke. „Mir ist jedoch kein anderes Haus bekannt, dass dies bisher so klar und transparent formuliert hat.“   

Autorin: Kirsten Gaede

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