Foto: Maren Schlenker
In fast allen Branchen wird gerade die Inflationsprämie diskutiert – natürlich auch in der Pflegebranche. 

Gehalt

Caritas plant 3.000 Euro Inflationsprämie  

Ob andere Träger nachziehen werden, ist allerdings fraglich, wie eine Anfrage bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Asklepios, Helios und den kommunalen Arbeitgebern ergeben hat      

Die Caritas-Dienstgeber (DGS) planen zum Auftakt der Tarifrunde 2023 mit einem aufsehenerregenden Antrag vorzupreschen: Sie möchten eine steuer- und abgabenfreien Inflationsprämie in Höhe von insgesamt 3.000 Euro für die Jahre 2023 und 2024 anbieten (1.000 Euro für Auszubildende). Sie werden den Antrag in die Sitzung der Arbeitsrechtlichen Kommission am 8. Dezember 2022 einbringen. In dieser Kommission sitzen zu gleichen Teilen Vertreterinnen und Vertreter der Mitarbeiterseite und der Dienstgeberseite (Dienstgeber ist hier als Arbeitgeber zu verstehen), die unter anderem die Gehälter aushandeln.

Das Angebot ist ungewöhnlich, weil Altenpflege- und Klinikträger gerade selbst unter der Inflation ächzen, insbesondere unter den gestiegenen Energiekosten. So sagt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf Anfrage, nach ihrem Kenntnisstand plane sonst kein weiterer Klinikträger einen solchen Schritt. „Die Krankenhäuser kämpfen gerade selbst um einen Inflationsausgleich, allein das Weihnachtsgeld ist jetzt eine Herausforderung. Auch wenn es Bundeshilfen geben wird: Deren Umsetzung befindet sich auch noch in Verhandlung“,  sagt Rieke Stähler aus der DKG-Pressestelle.   

Nein, heißt es bei Asklepios und bei kommunalen Kliniken 

Die Antwort des privaten Klinikunternehmens Asklepios auf die Frage nach einer möglichen Inflationsprämie lautet deshalb auch schlicht: „Nein“. Der Helios-Konzern gibt sich nicht so entschieden ablehnend, dort heißt es: „Wir erörtern Entgeltbestandteile und deren mögliche Entwicklung gemeinsam mit der Gewerkschaft innerhalb der nächsten Entgeltrunden.“ Ähnlich ist der Tenor beim Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) – die Inflationsprämie werde diskutiert, sagt eine Sprecherin. 

Und wie sieht es bei den kommunalen Krankenhäusern aus? Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) verweist darauf, dass die Lohnforderungen der Gewerkschaften für die anstehenden Tarifverhandlungen ohnehin schon sehr hoch seien. Bei den Kommunalen Arbeitgebern würden durch die geforderten Lohnerhöhungen Mehrkosten von rund 15,4 Milliarden Euro entstehen.

„Es ist nicht Arbeitgeber-Aufgabe, die Inflation auszugleichen“ 

Es sei grundsätzlich nicht Aufgabe der Arbeitgeber, die Inflation auszugleichen, argumentiert der VKA. „Die Gewerkschaften begründen ihre momentanen Forderungen mit der hohen Inflation. Allerdings lassen sie dabei zum einen außer Acht, dass die Tariflöhne innerhalb der letzten zehn Jahre (2012-2021) so gestiegen sind, dass sich daraus eine Reallohnsteigerung von knapp 11 Prozent ergibt“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme auf die Anfrage von pflegen-online. Auch würden die Gewerkschaften nicht die bisherigen Entlastungspakete berücksichtigen. Diese hätten aber nach einer Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung schon „deutliche Kostenkompensation gebracht“. 

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Caritas: „Wir wollen mit der Inflationsprämie ein Zeichen setzen“ 

Warum die Caritas Dienstgeber eine so hohe Inflationsprämie planen, während der Großteil der Arbeitgeber in der Klinik- und Pflegebranche davon absieht, beantworten die Dienstgeber in erster Linie karitativ: „Die Caritas-Dienstgeber sehen die besonderen Belastungen für ihre Mitarbeitenden und wollen deshalb mit dem jetzt veröffentlichten Angebot einer Inflationsprämie ein Zeichen setzen“ sagt Norbert Altmann, Sprecher der Caritas-Dienstgeber. Wie die Träger ihre Großzügigkeit wirtschaftlich kompensieren, ist nicht zu erfahren. 

Autorin: Kirsten Gaede

 

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