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Pflege und Praxis

Blasenkatheter legen: Die 5 größten Fehler

Vor dem Katheterisieren haben viele Pflegekräfte Respekt. Dabei können sie diese Aufgabe sehr gut übernehmen, oft auch bei Männern – sofern ihnen der korrekte Ablauf und mögliche Fehler bewusst sind        

„Dürfen wir das überhaupt, gerade bei Männern?“ – Diese Frage hört Christine Keller häufig, wenn es um das Legen von Blasenkathetern geht. Dabei sei die rechtliche Lage eindeutig, sagt die Lehrerin für Pflegeberufe, Krankenschwester und Fachbuchautorin. „Das Legen eines Blasenkatheters darf vom Arzt an eine Pflegefachperson delegiert werden. Diese muss für sich entscheiden: Habe ich die entsprechende Fachkompetenz, oder lehne ich die Aufgabe ab?“, sagt Keller. Auch Auszubildende dürften unter Anleitung einen Blasenkatheter legen. Allerdings sei es dann sinnvoll, das Handling nicht sofort beim Patienten, sondern zunächst an einer Puppe zu üben.

„Bei den meisten Menschen ist das Legen eines Blasenkatheters relativ einfach, auch bei Männern“, bestätigt der niedergelassene Urologe Fabian Mersmann aus Menden (Sauerland). Schwieriger sei es, wenn ein Mann eine vergrößerte Prostata oder eine verengte Harnröhre habe. In diesen Fällen mache es Sinn, das Katheterisieren dem Arzt zu überlassen. „In allen anderen Fällen können Pflegende diese Aufgabe problemlos übernehmen“, sagt Mersmann. Trotzdem ist beim Legen eines Blasenkatheters Vorsicht angebracht. Ein falsches Vorgehen kann leicht zu gefährlichen Komplikationen führen.

Fehler 1: Mangelnde Hygiene

„Der wohl häufigste Fehler ist eine unzureichende Hygiene“, sagt die Pflegeexpertin Christine Keller. Das Legen eines Katheters durch die Harnröhre (transurethral) in die Blase erfordert ein streng aseptisches Vorgehen. Leicht können pathogene Keime von der Harnröhrenmündung in die Blase eingeschleppt werden und zu einer Infektion der Harnwege oder Nieren führen. Für das Katheterisieren sollten daher immer sterile Kathetersets genutzt werden, die alle Materialien für das Legen umfassen – inklusive zweier steriler Katheter, einer davon als Reserve, und einem sterilen Urinauffangsystem. „Im Idealfall sollte ein Blasenkatheter zu zweit gelegt werden, da ein aseptisches Vorgehen dann leichter einzuhalten ist“, empfiehlt Keller. Auch rät sie zu regelmäßigen Auffrisch-Schulungen der Pflegenden, speziell in Bereichen, in denen das Legen eines Katheters nicht so häufig vorkommt.

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Fehler 2: Zu früh oder zu stark geblockt

Ein weiterer Fehler kann beim Befüllen des Blockungsballons auftreten. „Befindet sich der Ballon noch in der Harnröhre und wird bereits geblockt, kann es zu Blutungen kommen“, sagt der Urologe Fabian Mersmann. Um das zu vermeiden, sollte der Dauerkatheter beim Vorschieben – nachdem der Urin fließt – noch etwas weitergeschoben werden. Erst dann wird der Ballon mit 5 bis 10 Milliliter Aqua destillata befüllt und anschließend etwas zurückgezogen, sodass der Blockungsballon vor der Harnröhre liegt. Auch sollte die Position des Katheters bis zur vollständigen Blockung mit einer Hand fixiert werden, damit dieser nicht versehentlich herausrutscht, zum Beispiel beim Husten. „Wichtig ist, bei der Blockungsmenge die Herstellerangabe einzuhalten und nicht vorsichtshalber mit etwas mehr Flüssigkeit zu blocken“, sagt Mersmann. Damit lasse sich nicht verhindern, dass eine Person sich den Katheter zieht, nur die Verletzungen können dann deutlich schlimmer sein.

Fehler 3: Falsche Anwendung des anästhesierenden Gleitgels

Sehr schmerzhaft kann das Legen des Katheters bei Männern sein, wenn die Einwirkzeit des anästhesierenden Gleitgels nicht eingehalten wird. „Das Gel braucht etwa 5 bis 10 Minuten, bis es Wirkung zeigt“, sagt Keller. Oft werde diese Zeit aber nicht abgewartet und der Dauerkatheter direkt gelegt. „Bei Frauen wird das Gleitgel vor dem Legen auf die Katheterspitze, bei Männern mit einer Spritze auf die Harnröhrenmündung und in die Harnröhre gegeben.“ Das Gleitgel erleichtert das Einführen des Katheters, reduziert das Verletzungsrisiko und betäubt – wenn es ein Lokalanästhetikum wie Lidocain enthält – die empfindliche Harnröhre. Gegebenenfalls ist auch Chlorhexidin, ein Schleimhautantiseptikum, im Gleitgel enthalten, zum Beispiel in dem Produkt Instillagel.

Fehler 4: Wechselintervalle nicht im Blick

Welcher Katheter gelegt wird, hängt vor allem von der voraussichtlichen Liegedauer ab. Es gibt Katheter aus Silikon (Liegedauer max. 4-6 Wochen) und Katheter aus einem Silikon-Latex-Gemisch (max. 1-2 Wochen), die deutlich kostengünstiger sind. „Wenn jemand keine Latexallergie hat, sind diese Katheter eine gute Option, zum Beispiel bei größeren Operationen“, sagt Mersmann. Wichtig sei, auf die jeweiligen Herstellerangaben zu achten und den Katheter rechtzeitig zu ziehen oder – wenn erforderlich – zu wechseln. Das werde im Alltag schnell vergessen. „Oft kommen Bewohner nach einem Klinikaufenthalt zurück ins Pflegeheim und niemand weiß, wann und warum der Katheter gelegt wurde“, sagt Mersmann. Häufig bleibe er dann liegen, oft ohne nachvollziehbaren Grund.

Fehler 5: Indikation nicht hinterfragt

Bei jedem Blasenkatheter sollte regelmäßig die Indikation überprüft werden. „Ein Dauerkatheter sollte nicht länger als nötig verbleiben, er geht immer mit einem Infektionsrisiko einher“, sagt Mersmann. Eine absolute Indikation seien Blasenentleerungsstörungen, zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata, oder große Operationen. Eine relative Indikation könne eine schwere Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, kurz IAD, sein. „Hier kann vorübergehend ein Katheter indiziert sein, damit die Haut im Intimbereich nicht ständig feucht ist und abheilen kann“, sagt der Urologe.

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Auch Pflegeexpertin Keller rät, die Indikation täglich zu hinterfragen – auch von pflegerischer Seite. Ihre Erfahrung: „Noch zu häufig wird ein Dauerkatheter unreflektiert bei Harninkontinenz eingesetzt, einfach weil eine Katheterversorgung vermeintlich einfacher ist als eine gute Kontinenzförderung und Inkontinenzversorgung“, sagt sie. Dabei seien die Folgen für die Betroffenen schwerwiegend, sowohl was die Lebensqualität und Mobilität betreffe als auch das Risiko von Harnwegsinfekten. „Es gibt Alternativen zum Dauerkatheter, zum Beispiel Kondomurinale für den Mann oder Urinkollektoren für Frau“, sagt Keller. „Diese sollten in der Pflege immer mitbedacht werden.“

Autorin: Brigitte Teigeler

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