Bisher haben sie nur 200 Euro  Springer-Zulage bekommen, jetzt sind es für besonders Flexible in Vollzeit 600 Euro.
Foto: Gesundheit Nord
Bisher haben sie nur 200 Euro  Springer-Zulage bekommen, jetzt sind es für besonders Flexible in Vollzeit 600 Euro.

Beruf und Karriere

Bis zu 600 Euro mehr für Pflegekräfte im Springer-Pool

Der Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) möchte mit seinem eigenen Springer-Pool die Zeitarbeit überflüssig machen. Auch andere  Verbünde setzen auf Pool-Kräfte   

Antje Gaede hat aus finanziellen Gründen gut zwei Jahre bei einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Seit Juni 2020 ist sie im Pool der Gesundheit Nord (Geno) in Bremen angestellt. Für sie steht fest: Hier hat sie es besser getroffen. „Man muss bei Zeitarbeitsfirmen auch auf das Kleingedruckte schauen: Nach meiner Erfahrung gibt dort keine Zusatzurlaubstage, die Einsätze können recht weit entfernt liegen, es gibt kein wirkliches 13. Monatsgehalt, nur um die 300 Euro“, sagt die 56-jahrige Anästhesiepflegerin. Es fällt ihr nicht schwer, weitere Nachteile aufzuzählen: „Man muss schon ordentlich Stunden machen, um beispielsweise als Teilzeitkraft gerade im Dezember auf sein Gehalt zu kommen. Und wird man krank, wird oft ein niedriger Stundensatz gezahlt.“

Bei 70-Prozent-Stelle: 420 Euro Flexpauschale statt 140 Euro

Nun sind es häufig die Gesunden und Fitten, die es zur Zeitarbeit zieht, geringer bezahlte Krankheitstage sind für sie vielleicht kein Problem. Aber auch ihnen kann Antje Gaede jetzt Wasser in den Wein schenken: Seit ein paar Monaten erhalt sie 280 Euro mehr Flexpauschale. Da sie auch noch höher eingestuft wurde, bekommt sie jetzt für ihre 70-Prozent-Stelle  130 Euro mehr brutto im Monat, inklusive Inflationsprämie sind es insgesamt 580 Euro mehr brutto.

Mit Top-Pauschalen für Pool-Kräfte gegen Zeitarbeit

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Die Rechnung der Geno scheint aufzugehen: Der kommunale Klinikverbund hat in einer Betriebsvereinbarung die Flexpauschale für die Pool-Pflegekräfte drastisch erhöht, um „möglichst wenig von Zeitarbeitsfirmen abhängig zu sein“, sagt Unternehmenssprecherin Karen Matiszick.

„Drastisch“ ist in diesem Fall keine gewohnheitsmäßige Übertreibung, sondern heißt tatsächlich drastisch: Zuvor erhielten Poolkräfte mit einer 100-Prozent-Stelle 200 Euro Flexpauschale können es bis zu 600 Euro sein.

Je flexibler, desto höher die Flexpauschale in der Geno

Es handelt sich um ein abgestuftes System. „Vereinfacht gesagt: Je flexibler der oder die Beschäftigte ist, umso höher die Zulage“, erklärt Karen Matiszick. Die Höhe der Zulagen reicht von 300 Euro für die niedrigste Flexibilitätsstufe bis zum 600 Euro für die höchste Flexibilitätsstufe. Insgesamt gibt es vier Stufen. Die Beträge gelten für Vollzeitbeschäftigte – Teilzeitbeschäftigte erhalten eine entsprechend ihrer niedrigeren Arbeitszeit reduzierte Zulage.

Unternehmenssprecherin Matiszick gibt ein Beispiel: „Besonders flexibel sind diejenigen, die sich bereit erklären, im so genannten Speed-Team zu arbeiten. Die Kolleginnen und Kolleginnen des Speed-Teams erfahren am Vortag bis 16 Uhr, wo sie am kommenden Tag eingesetzt werden. Dafür sind sie in der höchsten Stufe, was die Zulagen angeht.“ Auch Antje Gaede ist Teil des Speed-Teams, sie erhält jetzt also 420 Euro Flexpauschale für ihre 70-Prozent-Stelle, zuvor waren es nur 140 Euro.

Vier Tage Extra-Frei im Jahr bei Vivantes

Selbstverständlich ist eine so hohe Flexzulage nicht. Immerhin bringt die Arbeit im Pool auch ohne Zulage schon den großen Vorteil mit sich, die Einsatzzeiten selbst wählen zu können – oder wie manche sagen: den eigenen Dienstplan selbst schreiben zu können. Einen kleinen zusätzlichen Vorteil gewährt Vivantes seinen Pool-Kräften: Sie erhalten eine Zeitgutschrift von 2,6 Stunden pro Monat, das bedeutet alle drei Monate einen zusätzlichen freien Tag (vier Tage im Jahr!).

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Bis zu 500 Euro Sonderzuschlag für Pool-Kräfte beim KRH

Eine ebenfalls hohe Zulage gibt es auch in den Krankenhäusern des Klinikums Region Hannover (KRH), ebenfalls – wie Vivantes und die Geno - ein kommunaler Verbund. Bis zu 500 Euro gibt es dort. hier. Sonderzuschlag wird die Pauschale im KRH genannt – oder auch Aufwandsentschädigung. Denn die Dienstplansicherheit bedinge eine hohe Mobilität.  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MobilTeams wechseln nicht nur zwischen den Stationen innerhalb eines Hauses, sondern auch zwischen den über die Region Hannover verteilten KRH Kliniken.

Das macht auch das Speed-Team der Geno – da erstaunt es vielleicht nicht, dass auch die Kolleginnen auf Stationen die zuvor gezahlte Pauschale für zu niedrig hielten. „Das haben mir zumindest viele bei meinen Einsätzen gesagt“, erzählt Antje Gaede. Keine Neidgefühle auf Station – wenn das nicht auch ein sehr entscheidender Vorteil gegenüber der Zeitarbeit ist.      

Autorin: kig

 

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