Foto: Johannes W/Unsplash

Private Altenpflege-Unternehmen

Bis zu 30 Prozent mehr Gehalt durch Tarifpflicht

Seit gut einem Monat gilt in der Altenpflege das Tariftreuegesetz. Da stellt sich die Frage: Haben sich die Gehälter bei den privaten Trägern für Pflegekräfte erhöht? Olav Sehlbach, Mitgesellschafter von medi terra, gibt darauf in einem Gastbeitrag eine klare Antwort

Für viele bisher nicht tarifgebundene Träger ist die seit dem 1. September geltende Tariftreue eine große Chance, einen Nachteil gegenüber Wettbewerbern auszugleichen. So hat die in Hannover ansässige, privat geführte medi terra gGmbH die Löhne für Pflegekräfte um bis zu 30 Prozent erhöht. Die medi terra betreibt sechs Pflegeheime mit rund 600 Plätzen, außerdem eine Pflegeschule und ein Eltern-Kind-Therapiezentrum.

Manch examinierte Pflegekraft kann über 4.000 Euro erreichen 

Eine dreijährig-examinierte Pflegefachkraft (QN4) hat jetzt ein Einstiegsgehalt von 20,20 Euro die Stunde, was einem monatlichen Grundlohn von 3.381,48 Euro entspricht. In der höchsten Erfahrungsstufe steigert sich dies auf 22,40 Euro (3.749,76 Euro). Zählt man die Zuschläge für Sonn- und Feiertage sowie Nachtarbeit hinzu ist ein Gehalt von über 4.000 Euro im Monat erreichbar.

Zu beachten ist, dass medi terra bei der Tarifsteigerung das zusätzliche Weihnachtsgeld von einem halben Monatsgehalt, die betriebliche Altersvorsorge sowie die besonderen Arbeitsbedingungen (zum Beispiel jedes zweite Wochenende garantiert frei, 30 Tage Urlaub) beibehalten hat.

Fast 3.000 Euro brutto für Assistenzkräfte 

Auch für die anderen Tarifstufen brauchen die Gehälter keinen Vergleich scheuen. Ein- bis zweijährig ausgebildete Assistenzkräfte in der Pflege (QN3) erhalten je nach Erfahrungsstufe Stundenlöhne von 15,40 bis 17,10 Euro  – also 2.577,96 bis 2.862,54 Euro brutto im Monat – auch bei Ihnen kommen noch Zuschläge für Sonn- und Feiertage sowie Nachtarbeit hinzu.

Über 4.000 Euro Grundlohn für Managerinnen

Wohnbereichsleitungen und Pflege-Prozess-Managerinnen und -manager erhalten von 24,80 bis 26,00 Euro Grundlohn die Stunde, das entspricht einem Monatsgehalt von 4.151,52 bis 4.352,40 Euro – Zuschläge kommen auch hier noch hinzu.

Um eine zu große Spreizung zwischen den Löhnen in der Pflege und den anderen Bereichen abzumildern, hat sich medi terra entschlossen, die Gehälter für Hauswirtschaft und Verwaltung jeweils zum September diesen Jahres und in 2023 um pauschal um fünf Prozent zu erhöhen.

Die Tarifverhandlungen hat medi terra in Eigenregie mit Unterstützung von Olav Sehlbach vom Beratungsunternehmen Attraktiven Arbeitgeber Pflege (aap) geführt. Das traditionell gute Verhältnis von Gesamtbetriebsrat und Geschäftsleitung erlaubte eine intensive halbjährige Verhandlung, in der auch alle Regelungen redaktionell und – wo im Sinne der Mitarbeitenden sinnvoll – inhaltlich den zukünftigen Erfordernissen angepasst wurden. 

[Sie wollen mehr exklusive Nachrichten lesen? sie schätzen Artikel, die zur Sache kommen? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter und verpassen sie keinen neuen Beitrag mehr auf pflegen-online!]  

 

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.

5 häufige Fragen

Tarifpflicht in der Altenpflege: Gibt’s nun mehr Gehalt?

Einige Pflegekräfte können mit Gehaltssteigerung rechnen, andere nicht, weil sie längst nach Tarif bezahlt werden oder ihr Gehalt ein Niveau hat, das den Anforderungen des Tariftreuegesetzes entspricht. Kompliziert? 5 FAQs für mehr Durchblick 

    • Pflege als Beruf, Pflegeeinrichtung, Pflege und Politik

Altenpflege

Die neue Personalbemessung in der Altenpflege – 12 FAQs

Ab Juli 2023 startet die neue Personalbemessung für vollstationäre Pflegeheime. Wie funktioniert es? Wo kommt das zusätzlich benötigte Personal her? Wir haben häufige Fragen und Antworten (FAQs) für Sie zusammengefasst

    • Personalbemessung, Pflegehilfskraft, Pflegegrad, Pflegefachkraft, Pflegeeinrichtung, Pflegeassistent

Gehalt in der Pflege

Tarifpflicht – von wegen 100-prozentige Refinanzierung!

Ab 1. September gilt für die Altenpflege die Tarifpflicht. Doch noch verhandeln (mehrheitlich private) Betreiber und Kassen um jeden Cent. Viele Heime und Pflegedienste fürchten Insolvenz, denn jetzt kommen auch noch die hohen Energiekosten hinzu

    • Pflegedienst, Pflegeeinrichtung, Pflege und Politik, Ambulante Pflege, Altenpflege

Pflege und Politik

Fragwürdige neue Pflegeassistenz-Ausbildung

Die bundesweite Einführung einer zweijährigen generalistischen Ausbildung von Pflegeassistenzen ab 2019, die der Kompromiss der Regierungsfraktionen zum Pflegeberufereformgesetz vorsieht, stößt auf Bedenken maßgeblicher Berufs- und Trägerorganisationen.

    • Pflege und Politik