Pflege und Management

Bewegung beim Gehalt: Erhalten Sie auch mehr Geld?

Bei der Bezahlung und den Tarifverträgen für Pflegekräfte bewegt sich was. Die Diakonie zahlt jetzt bundesweit 2,7 Prozent mehr, das Gehalt in der Uni-Klinik Leipzig steigt um7,3 Prozent, der Pflegemindestlohn wird 2018 auf 10,55 Euro im Westen und 10,05 Euro im Osten angehoben. Und Bremen wertet die Altenpflege mit einem trägerübergreifenden Tarifvertrag auf.

Der Pflegemindestlohn für Hilfskräfte soll ab 1. Januar 2018 im Westen von derzeit 10,20 auf 10,55 Euro und im Osten von 9,50 auf 10,05 Euro steigen. Darauf hat sich die vom Bundesarbeitsministerium eingesetzte Pflegekommission jetzt geeinigt.

Zum Jahresbeginn 2019 soll der Mindestlohn im Westen auf 11,05 € und im Osten auf 10,55 € steigen, ab 1. Januar 2020 auf 11,35 € im Westen und 10,85 € im Osten. Mit der beabsichtigten Verordnung des Ministeriums wird der Pflegemindestlohn rechtswirksam.

Mindestlohn soll Qualität sichern

Der der angepeilten Anhebung erhöhe sich der Mindestlohn ab 2018 um 3,4 Prozent im Westen und um 5,8 Prozent im Osten und trage zur Angleichung der Bezahlung in beiden Landesteilen, kommentierte das Arbeitsministerium die einstimmige Empfehlung. „Der Bedarf an guter, qualifizierter und motivierter Arbeit wächst in allen Pflegebereichen“, sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Auch der Mindestlohn helfe, die Qualität in diesem Berufsfeld zu sichern und faire Wettbewerbsbedingungen für die Einrichtungen zu schaffen.

Rund 900.000 Beschäftigte arbeiten in Einrichtungen, für die der Pflegemindestlohn gilt. Wo der spezielle Pflegemindestlohn nicht greift, zum Beispiel in Privathaushalten, gilt der allgemeine gesetzliche Mindestlohn von aktuell 8,84 Euro.

Der Pflegekommission nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz gehören zu gleichen Teilen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter der privaten, öffentlich-rechtlichen und kirchlichen Pflegeeinrichtungen an.

Schlichtungsausschuss: Diakonie zahlt ab Juli 2,7 Prozent mehr

Nach monatelangem Streit hat der Schlichtungsausschuss der Arbeitsrechtlichen Kommission der Diakonie Deutschland (ARK DD) jetzt über die künftigen Entgelte für die 150.000 Mitarbeitenden der Diakonie entschieden.

Ein Teil der Diakonie-Kräfte erhält ab 1. Juli 2017 2,7 Prozent mehr Geld. Für die Beschäftigten in Altenhilfe, Rehabilitation, Jugendhilfe, ambulante Diensten und Beratungsstellen greift diese Erhöhung aufgrund der „kritischen Refinanzierungssituation“ erst zum 1. September, so der Verband diakonischer Dienstgeber Deutschland (VDD). Die Zeitzuschläge für die Diakonie-Beschäftigten steigen ebenfalls um 2,7 Prozent zu den genannten Terminen.

Bereits zum 1. August 2016 hatten alle Diakonie-Beschäftigten 2,6 Prozent mehr Geld erhalten. Durch die neuerliche Anhebung um 2,7 Prozent ab Juli kommen sie auf Entgelterhöhungen von 5,3 Prozent für beide Jahre.

„In Nord- und Ostdeutschland geraten Einrichtungen der Altenhilfe und Beratungsstellen stärker unter wirtschaftlichen Druck. Für die diakonischen Unternehmen bedeutet der Schlichterspruch im Vergleich zum Dienstgeberantrag zusätzliche finanzielle Belastungen“, hob der amtierende Vorsitzende der ARK DD, Matthias Bitzmann, hervor. Zugleich verhelfe der Abschluss den Einrichtungen zu Planungssicherheit und diene als Basis für Verhandlungen mit den Kostenträgern.

Insgesamt hofft die Arbeitgeberseite, zwei „gordische Knoten“ gelöst zu haben - den seit Monaten schwelenden Konflikt um Entgelte, Attraktivität und Planungssicherheit sowie die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Arbeitsrechtlichen Kommission. Mit der Veröffentlichung durch die ARK DD-Geschäftsstelle wird der Schlichterspruch wirksam.

Bremer Altenpflege erhält trägerübergreifenden Tarifvertrag

Die rund 3.200 Beschäftigen in der stationären und ambulanten Altenpflege in Bremen erhalten erstmals einen trägerübergreifenden Tarifvertrag für AWO, DRK, Paritätischen, Diakonie und Caritas. Mit dem Vertragswerk kamen die Gewerkschaft Verdi und die Tarifgemeinschaft Pflege in Bremen ihrem Ziel näher, die Altenpflege spürbar aufzuwerten.

Der Tarifvertrag regelt Entgelt, Eingruppierung, Urlaub, Zuschläge und die Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld). Die Regelungen zu Urlaub, Jahressonderzahlung und Zulagen treten rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft. In der stationären Pflege gelten die neuen Entgelte ab 1. Juni, in der ambulanten Pflege ab 1. Oktober 2017 und erhöhen sich alljährlich bis zum Ende der Vertragslaufzeit 2019 deutlich.

  • Urlaubsanspruch und Weihnachtsgeld: Urlaub 2017 - 29 Tage, ab 2018 - 30 Tage; Jahressonderzahlung 2017 - 45 Prozent, 2018 - 50 Prozent, mindestens 900 Euro bei Vollzeitbeschäftigung.
  • Pflegefachkräfte: Einstiegsgehalt 2017 - 14,50 Euro/Stunde, bei 39-Stunden-Woche 2.458,79 Euro/Monat; 2019 - 15,30 Euro/Stunde, bei 39-Stunden-Woche 2.594,45 Euro/Monat.
  • Pflegehilfskräfte: Einstiegsgehalt 2017 - 11 Euro/Stunde, bei 39-Stunden-Woche 1.865,29 Euro/Monat. 2019 - 11,97 Euro/Stunde, bei 39-Stunden-Wochen 2.029,78 Euro/Monat.

Zudem vereinbarten Arbeitgeber und Gewerkschaft in einer Sozialpartnerschaftserklärung vereinbart, dass schon bis 2019 weitere Tarifregelungen wie zusätzliche freie Tage, weitere Zuschüsse und Zulagen oder zusätzliche Arbeitszeitregelungen verhandelt werden. Das Entgeltniveau des Tarifvertrages Pflege in Bremen (TV PfliB) soll schrittweise auf das Niveau des Tarifs für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) angehoben werden.

Uni-Klinikum Leipzig: 7,3 Prozent in vier Stufen

Die 3.900 Beschäftigten und Azubis in der Krankenpflege am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erhalten nun schrittweise mehr Geld. Nach der Tarifeinigung zwischen Gewerkschaft Verdi und dem UKL-Vorstand steigen die Einkommen in vier Stufen um insgesamt 7,3 Prozent.

Ab April greift die erste Erhöhung um 2,3 Prozent. Ab dem 1. Oktober steigen die Einkommen um weitere 1,7 Prozent. Damit erhöhen sich die Einkommen in 2017 um insgesamt vier Prozent. Am 1. Februar 2018 sollen dann weitere zwei Prozent und ab 1. September 2018 nochmals 1,3 Prozent folgen.

Für die Auszubildenden steigen die Entgelte jeweils am 1. Februar um jeweils 40 Euro, für angehende Krankenpflegekräfte um 55 bzw. 50 Euro. Außerdem wurden mehr Urlaubstage durchgesetzt. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 23 Monaten bis zum 31. Dezember 2018.