Palliativ

Begehrt: Pflegekräfte mit Palliativ-Weiterbildung

Nicht nur Hospize und Palliativ-Stationen brauchen spezialisierte Pflegekräfte. Auch in Pflegeheimen steigt die Nachfrage. 7 FAQs zur Palliativ-Weiterbildung

Inhaltsverzeichnis

Die Palliativpflege müsste eigentlich boomen. Schließlich werden die Menschen immer älter und sind dann oft umso kränker. Und tatsächlich: „Der Bedarf an weitergebildeten Pflegenden in Palliative Care ist sehr hoch“, sagt denn auch Christiane Klimsch, Pflegerische Leitung der Weiterbildung Pflegefachkraft in der Palliativversorgung am Uniklinikum Jena. Trotzdem gehe „der Trend nicht dahin, dass ansteigende Zahlen von Weiterbildungsteilnehmern in diesem Feld zu verzeichnen sind.“ Mehrere Anbieter beichten allerdings, die Kurse seien gut ausgebucht, teilweise müssten sogar zusätzliche Kurse eingerichtet werden. Es fehle aber an Zahlen zu Absolventen der Weiterbildungen (WB), da es keine Registrierung von Pflegekräften mit Weiterbildung in Palliative Care gebe.

1. Frage: Wie viel verdienen Palliativ-Pflegekräfte?

Eines steht fest: Finanzielle Gründe dürften es kaum sein, die Pflegekräfte zur Palliativ-Weiterbildung bewegen. Denn die abgeschlossene Ausbildung in Palliative Care ist tariflich nicht abgebildet. Es liegt im Ermessen des Arbeitgebers, ob er die Weiterbildung mit einer Höherstufung in der Gehaltsgruppe honoriert oder nicht.

Ugur Cetinkaya: „Wir zahlen Leistungszulage“

„Pekuniär lohnt sich nur die Ausbildung zur Pflegedienstleitung. Drüber und drunter sind die Sprünge so gering, dass dahinter andere Gründe im Vordergrund stehen, etwa die persönliche Entwicklung“, sagt Ugur Cetinkaya. Der Residenzleiter der Senvital Senioren- und Pflegezentrums Ruhpolding betont aber: „Wir würden in jedem Fall für diese Ausbildung eine Leistungszulage zahlen.“

Palliativ-Pflegekräfte treten selbstbewusst auf

Ohne Leistungszulage geht es wohl auch kaum mehr. Veronika Schönhofer-Nellessen, Leiterin der Servicestelle Hospiz und Geschäftsführerin des Vereins Palliativnetzwerk (Region Aachen) betont, dass examinierte Pflegekräfte mit der Zusatzausbildung „schon pokern und sehr selbstbewusst auftreten können“. In der Regel würden sie besser bezahlt. „Die Palliativfortbildung ist ein dickes Pfund, mit dem Pflegekräfte wuchern können“, so die Fachreferentin für Sterbe- und Trauerbegleitung,

Rückendeckung erhalten die Palliativ-Pflegekräfte durch das Sozialgesetzbuch V. Darauf weist David Fitzpatrick hin, Leiter der Fachweiterbildung für Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin am Schulzentrum St. Hildegard in Saarbrücken. In den Paragrafen 37b und 39a ist festgehalten, dass der Palliative Care Kurs die Voraussetzung zur Qualifikation von Fachkräften erfülle und den Teilnehmern „neue berufliche Entwicklungschancen“ eröffne.

2. Frage: Was bringt mir die Palliativ-WB?

„In jedem Fall lohnt sich die Palliativ-Weiterbildung für die persönliche und professionelle Entwicklung von Pflegenden“, meint Christiane Klimsch. So wie für Gaby Heinrichs, die am Klinikum Links der Weser in Bremen die Pflege auf der Palliativstation leitet – nach ihren Angaben „eine der fünf besten Palliativstationen in Deutschland“. Nach 25 Jahren beruflicher Tätigkeit als examinierte Krankenschwester in der Onkologie sehnte sie sich nach einer Veränderung. Ausschlaggebend für ihren Richtungswechsel seien vor 15 Jahren zudem persönliche Einschnitte gewesen – damals erkrankte ihre Mutter schwer, sie selbst ebenfalls.

Allerdings hatte Heinrichs da noch in einer anderen Klinik gearbeitet und die Palliativ-Fortbildung auch selbst bezahlen müssen. „Persönlich hat sie sich für mich aber sehr gelohnt“, schwärmt die zierliche blonde Frau. Sie mag „den anderen Fokus auf den Patienten“ in der Palliativpflege: dort stehe nicht mehr die kurative Behandlung im Vordergrund, sondern die Linderung der Symptome. „Es gibt da so viele tolle Möglichkeiten.“ Auch die Kommunikation mit den Angehörigen und Sterbebegleitung seien wichtige Aufgaben.

„Hier wird die Pflegearbeit wertgeschätzt“

Im Umgang mit schwierigen Pflegesituationen stehen bei vielen Teilnehmern – zu denen auch Personen zählen können, die „nur“ ihre Angehörigen pflegen wollen - im Vordergrund, hat Veronika Schönhofer-Nellessen beobachtet. „Palliativpflege hat noch sehr viel mit originärer Pflege zu tun. Die Pflegearbeit wird in diesem Bereich noch anders wertgeschätzt, und das motiviert viele zu der Fortbildung.“

Gut für alle, die viel Tod und Trauer sehen

Das Attraktive an der Weiterbildung sei tatsächlich die persönliche und berufliche Weiterentwicklung, ergänzt Christiane Klimsch. „Die spezielle Ausbildung kann pflegerisches Handeln erleichtern, Zusammenhänge werden besser erkannt. Professionalität gibt Sicherheit und Freiraum für Entscheidungen und Handlungen.“ Denn wenn man ständig mit Sterben, Tod und Trauer konfrontiert werde, ohne entsprechende Handlungskompetenzen und -sicherheit zu haben, könne der Umgang zur Belastung werden, warnt die Expertin. Ihr Fazit: „Eine Weiterbildung in Palliative Care ist in jedem Fall empfehlenswert.“

Altenpflege bucht immer häufiger Palliative Care

Und selbstverständlich ist die Weiterbildung sinnvoll „für alle Pflegepersonen, die mit onkologischen Patienten oder Schmerzpatienten arbeiten oder in der Palliativversorgung tätig sind“, sagt David Fitzpatrick, der neben seiner Tätigkeit als Fachweiterbildungsleiter auch stellvertretender Heimleiter des Caritas Seniorenzentrums Haus am See in Neunkirchen/Nahe ist. Die erhöhten Anforderungen einer palliativen Geriatrie – vor allem in Altenhilfeeinrichtungen – zeigten ebenfalls, dass eine Weiterqualifizierung auch in diesem Bereich sinnvoll sei. „Wir beobachten, dass viele Altenhilfeeinrichtungen gerade die Module Palliative Care und Schmerztherapie wahrnehmen und diese einzeln buchen“, so Fitzpatrick.

3. Frage: Was brauche ich für die Weiterbildung?

Zulassungsvoraussetzungen für einen von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zertifizierten Palliative Care Kurs Pflege nach dem Curriculum von M. Kern, M. Müller und K. Aurnhammer ist eine dreijährige Ausbildung mit einem staatlichen Examen in Gesundheits- und Krankenpflege beziehungsweise eine dreijährige Ausbildung mit einem staatlichen Examen in Altenpflege. Empfohlen ist eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. In Einzelfällen können auch Angehörige anderer Berufsgruppen (etwa Altenpflegehelfer mit Erfahrung im Feld) zum Kurs zugelassen werden.

4. Frage: Wie lange dauern Palliative Care Kurse?

DGP-zertifizierte Palliativ Care Kurse erstrecken sich ungefähr auf ein Jahr. Der Kurs umfasst 160 Unterrichtseinheiten (à 45 Minuten). Er ist in der Regel aufgeteilt in vier Blockwochen à 40 Stunden. Zwischen den Blockwochen ist genügend Zeit, das Gelernte im Alltag anzuwenden und zu festigen. Zu kurze (weniger als drei Monate) oder zu lange (mehr als sechs Monate) Abstände behindern entweder die Umsetzungsmöglichkeiten oder unterbrechen den Lernprozess der Einzelnen und der Gruppe. Bei Fehlzeiten von über zehn Prozent im Verlauf der Weiterbildung muss die versäumte Zeit nachgearbeitet werden, um das Zertifikat zu erlangen.

Den Abschluss der Weiterbildung stellt ein Kolloquium dar. Die Teilnehmer erhalten nach Abschluss ein Zertifikat, das den gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen entspricht.

Sehr ambitioniert: zweijährige Fachweiterbildung

Im Saarland gibt es zusätzlich eine staatlich anerkannte Fachweiterbildung für Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin. Diese zweijährige Fachweiterbildung umfasst nach den Worten von David Fitzpatrick 720 Stunden Theorie und 1.800 Stunden Praxis (analog der Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivpflege). Diese Fachweiterbildung besteht aus vier Modulen, die jeweils auch einzeln gebucht werden können, und kostet 5.100 Euro.

5. Frage: Was steht auf dem Lehrplan?

  • Inhalte der Weiterbildung:

  • Grundlagen und Anwendungsbereiche der Palliativmedizin und Hospizarbeit

  • medizinisch-pflegerische, psychische, soziale, ethische, spirituelle, kulturelle Aspekte

  • Aspekte der Teamarbeit und Selbstpflege

  • Qualitätssicherung

  • Lernkontrolle und Reflexion

6. Frage: Wo gibt es Kurse? Was kosten sie?

Für einen DGP-zertifizierten Weiterbildungskurs Palliative Care betragen die Kosten rund 1.500 Euro und werden von verschiedenen Trägern in vielen Städten bundesweit angeboten. Eine Liste mit Anbietern hält die DGP bereit: https://www.dgpalliativmedizin.de/allgemein/weiterbildung-fuer-pflegekraefte.html

7. Frage: Was tun, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt?

Sofern der Arbeitgeber die Kosten nicht erstattet, muss man sie selbst tragen; man kann sich aber eventuell um eine „Bildungsprämie“ bemühen. Dieses vom Bund aufgelegte Programm beträgt 50 Prozent der Veranstaltungsgebühren, maximal jedoch 500 Euro. Seit dem 1. Juli 2017 sind die Bedingungen für diese Prämie gelockert worden: Die Gutscheine werden nicht mehr nur alle zwei Jahre ausgegeben, sondern jährlich. Die Altersgrenzen fallen weg. Damit können auch Personen unter 25 Jahren und erwerbstätige Rentner einen Gutschein bekommen. Vorausgesetzt, sie sind mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig und verfügen über ein zu versteuerndes Einkommen von maximal 20.000 Euro (als gemeinsam Veranlagte 40.000 Euro).

Bisher gab es die Bildungsprämie auch nur, wenn die Kursgebühren nicht mehr als 1.000 Euro betragen. Diese 1.000-Euro-Grenze fällt jetzt weg. Das ist in Bezug auf den Palliative Care Kurs wichtig ist: Prämiengutscheine können nun in den meisten Bundesländern unabhängig von der Höhe der Veranstaltungsgebühren eingesetzt werden. Ausnahmen bilden weiterhin Fortbildungen in Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein: Hier gilt nach wie vor die 1000-Euro-Grenze.

Autorin: Birgitta vom Lehn

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