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Integration passiert nicht nebenbei, sie muss gut vorbereitet sein.

Fachkräftemangel

Ausländische Pflegekräfte: In 4 Schritten zur Integration

Bevor ausländische Pflegekräfte deutsche entlasten können, muss Integration gelingen – und das macht erst mal Arbeit. Die Firma Amesol begleitet Teams und Neuankömmlinge dabei zusammenzufinden – auch dann, wenn es knirscht.

Neuer Kontinent, neue Sprache, neue Kultur, neue Stadt, neues Team, neues Berufsverständnis – aber noch keine Berufsanerkennung, keine Freunde, keine Familie: Für Pflegefachkräfte, die im Ausland angeworben werden, um den Personalmangel in Deutschland zu lindern, sind die ersten Monate oft ein harter Aufschlag. Aber auch die Teams, in die die ausländischen Pflegekräfte kommen, und die sich Arbeitsentlastung erhoffen, müssen für die Integrationsarbeit fit gemacht und begleitet werden.

Seit Anfang des Jahres gibt es in Hamburg die exakt auf dieses Feld spezialisierte Amesol-Akademie. Pflegepädagogen, Psychologen und Sprachdozenten haben unter anderem ein Trainee-Programm entwickelt, damit die internationalen Pflegefachkräfte nicht nur in Deutschland offiziell anerkannt werden, sondern auch im Team wie im Land Wurzeln schlagen können.

1. Trainee-Programm: Der Weg zur offiziellen Anerkennung

In vielen Ländern der Erde interessieren sich Pflegekräfte für eine Arbeit in Deutschland. So vielfältig die Länder, so vielfältig sind auch die Ausbildungen, die die Bewerberinnen und Bewerber durchlaufen haben. Die einen haben lediglich eine Art Lehrgang oder eine Weiterbildung hinter sich. Die anderen haben ein Studium absolviert und sind es gewohnt, medizinisch und arztnah zu arbeiten, und dass Tätigkeiten (etwa die Unterstützung bei der Körperpflege) von Angehörigen übernommen werden.

Mit seinem rund acht Monate dauernden Trainee-Programm in der hauseigenen Akademie führt Amesol die ausländischen Pflegefachkräfte zur Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger. Grundlage ist der sogenannte Defizitbescheid der Gesundheitsbehörde. Pflegepädagogen und -pädagoginnen begleiten die neuen Mitarbeiter bei der Arbeit in ihrer Einrichtung, reflektieren den gemeinsam durchlaufenen Pflegeprozess und ermitteln individuelle Entwicklungsbedarfe. An einem Workshop-Tag pro Woche werden die pflegerischen Kompetenzen praxisnah weiterentwickelt.

Einen besonderen Stellenwert hat dabei die „Generalistik“, das ganzheitliche Tätigkeitsverständnis nach dem neuen Pflegeberufegesetz. „Vom Pädagogischen her ist es sehr wichtig, die Kolleginnen und Kollegen in das deutsche Pflegeverständnis zu holen“, sagt Silke Helfrich, examinierte Krankenschwester und Diplom-Berufspädagogin. Sie war vor ihrer Zeit bei Amesol schon fünf Jahre in der Pflegeausbildung und Anpassungsqualifizierung für ausländische Gesundheitsfachkräfte am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. „Das neue Pflegeberufegesetz befähigt die Pflegefachkräfte erstmals, eigenverantwortlich den Pflegeprozess zu durchlaufen. Hierfür müssen auch die Kompetenzen der internationalen Fachkräfte ermittelt und weiterentwickelt werden.“

In Video-Interviews – noch im Herkunftsland – ergründen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Amesol die Kompetenzen, Motivation und Wünsche der Bewerber und versuchen ihnen transparent zu vermitteln, was sie in Deutschland erwartet, um Illusionen und Missverständnissen vorzubeugen. „Die Erfahrung zeigt: Wenn wir internationale Pflegekräfte nach Deutschland holen und sagen: Wir brauchen beispielsweise akut jemanden in der Kardiologie oder der Intensivmedizin und die Kolleginnen und Kollegen dann dort einsetzen, führt das in den meisten Fällen zu Schwierigkeiten“, sagt Melanie Schwarzbach, examinierte Kinderkrankenschwester, Psychologin und Systemische Therapeutin bei Amesol.

Umgekehrt sei es schon passiert, dass internationale Fachkräfte mit der Vorstellung, auf einer Intensivstation arbeiten zu wollen, nach Deutschland kommen – sie dann jedoch in einer Langzeitpflege-Einrichtung eingesetzt werden. „Es bringt nichts, die internationalen Fachkräfte einfach irgendwo einzusetzen und zu sagen: ‚Mach‘ mal!‘ Dann verlassen sie Deutschland oder den Bereich schnell wieder – das ist ein Drehtüreffekt.“

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Seminar bei Amesol
Foto: Annegret Hultsch Damit die Zusammenarbeit auf Station klappt, coacht Amesol die Kollegen vor Ort.

2. Die „Geling-Brille“ aufsetzen: Coaching der Arbeitskollegen

„Wenn dann die Einreise in Deutschland absehbar ist, starten wir mit dem Coaching des Teams“, sagt Pädagogin Helfrich, die bei Amesol das Curriculum entwickelt. „Das heißt: Noch bevor die Fachkraft in Anerkennung überhaupt physisch im Team startet, gehen wir schon in die Teams rein.“ Die Amesol-Experten begleiten einen Frühdienst: um das Haus, die Station, die künftigen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen. Dann folgt ein Halb-Tages-Workshop, im dem das Team bei ihren Erfahrungen, Befürchtungen und Erwartungen abgeholt wird: Ängsten vorm Kümmern müssen; vor zusätzlichem Stress, obwohl schon am Limit gearbeitet wird; offenes Ansprechen von Vorurteilen, von Erfahrungen mit einem früheren – vielleicht gescheiterten – Versuch, es mit ausländischen Fachkräften zu probieren.

„Wir versuchen dann gemeinsam mit den Teams, die Geling-Brille aufzusetzen“, erzählt Psychologin Schwarzbach – und Fragen wie diese zu beantworten: Wie kann es unter den gegebenen Bedingungen trotzdem funktionieren? Welche Unterstützung brauchen sie von uns? „Und in diesem Zuge suchen wir eine Person im Team, die bereit ist, die oder den neuen Kollegen im Integrationsprozess als ‚Qualifizierungspaten‘ zu begleiten.“ Die Patinnen und Paten bekommen in einem Tagesworkshop Werkzeug an die Hand, um als Mentoren wirksam agieren zu können: als Ansprechpartner, wenn Sand im Getriebe oder jemand überfordert ist; und idealerweise als Begleiterin oder Begleiter auf Zeit für ein besseres Ankommen, und um den Prozess der „Akkulturation“ in Deutschland erfolgreich zu gestalten. „Dieses kann gelingen, wenn sich jemand für die Begleitung verantwortlich fühlt“, sagt Amesol-Expertin Helfrich. „Wir hatten Kollegen von den Philippinen, die mit einer deutschen Kollegin den Hamburger Hafengeburtstag und den Weihnachtsmarkt besucht haben, was für alle ein schönes Erlebnis war.“

[Lesen Sie zum Thema Akkulturation auch unseren Artikel: Warum sich ausländische Pflegekräfte oft unwohl fühlen]

3. Resilienz: Kommunikative Kompetenz ausländischer Pflegekräfte stärken

Gemeinsam mit seinen ausländischen Partnern akquiriert Amesol internationale Pflegekräfte: innerhalb Europas, in Südamerika und Südostasien. Dabei erleben die Pflegeexperten, Psychologinnen und Sprachdozenten unterschiedliche kulturbedingte Ausprägungen von Selbstbewusstsein, Temperament, Geselligkeit, Offenheit und Höflichkeit – und von Konfliktbewältigungsstrategien. Der „Amesol-Resilienzkompass“ ist eine Workshop-Reihe, in der es darum geht, die mentale Widerstandskraft der neuen Kolleginnen und Kollegen zu stärken, um mit Stress und emotional schwierigen Situationen im Pflegealltag besser umgehen zu können.

Die ausländischen Pflegekräfte lernen, ihre Analyse- und Reflektionsfähigkeit zu verbessern, sozial kompetent zu kommunizieren und Beziehungen zu gestalten. So zum Beispiel sich zu trauen, Fragen zu stellen, wenn sie etwas nicht wissen oder verstanden haben oder einen für sie erträglichen Weg zu finden, Konflikte überhaupt offen anzusprechen. Melanie Schwarzbach erzählt von einer Kollegin von den Philippinen, die sich im Team ausgegrenzt fühlte – durch moderierende Konfliktgespräche konnte ein veränderter Umgang miteinander erarbeitet werden.

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Foto: Annegret Hultsch Ein C1-Level sollte Standard sein, fordert die Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung.

4. Sprache: Training beginnt für ausländische Pflegekräfte noch im Herkunftsland

Ein neuralgischer Punkt beim Erfolg von Integration ist die Sprache. Je nach Bundesland genügt für ausländische Pflegekräfte das Level B2 oder sogar nur B1. Im Interesse der Patientensicherheit müsse die Anerkennung als Pflegefachkraft künftig an das Sprachniveau C1 gekoppelt werden, fordert die „Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung“ (GQMG) „C1“ bedeutet: „fachkundige Sprachkenntnisse“. Hier setzt das Amesol-Sprachmentoring an. Um keine Zeit zu verlieren, startet schon im Herkunftsland ein sprachliches und fachliches Vorentlastungsprogramm. In Deutschland werden die internationalen Pflegefachkräfte dann auf Station begleitet – um direkt am Arbeitsplatz den Sprachbedarf festzustellen. Ziel ist es, in Gruppen- und Einzelunterricht die Sprachkompetenz auf das im Pflegealltag notwendige Niveau zu heben. Dafür beschäftigt Amesol eigene Sprachdozentinnen und -dozenten. „Sprache ist ganz, ganz wichtig“, sagt Amesol-Geschäftsführer Moritz Büning. „Wir kümmern uns darum, dass diese Kolleginnen und Kollegen nicht nur einen Stempel ,bestanden’ erhalten, sondern dass sie in der Lage sind, im Berufsalltag patienten- und zielgruppenorientiert zu kommunizieren. Und dass sie mitarbeiten können – und auch wirklich die PS auf die Straße bringen, die in ihnen stecken.“

Dieser Artikel ist mit freundlicher Unterstützung von Amesol entstanden

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Foto: Maren Schlenker

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