Teambuilding

Ausländische Kollegen – 7 Tipps für die Kommunikation

Viele Pflegekräfte klagen über die oft holprige Kommunikation mit ausländischen Kollegen. Das lässt sich ändern – wir fragten eine Expertin für „Deutsch für Ausländer“

Inhaltsverzeichnis

Sicherlich kann man darüber diskutieren, ob die sprachlichen Anforderungen an Pflegekräfte und Ärzte aus dem Ausland nicht höher sein müssten. So fordert die Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung (GQMG), die Berufsanerkennung als Pflegefachkraft künftig an das Sprachniveau C1 zu knüpfen und sich nicht mit Level B2 oder B1 zufrieden zu geben.

Doch niemand weiß, ob und wann sich die GQMG mit ihrer Forderung durchsetzt. Außerdem, selbst wenn eine ausländische Pflegekraft wie gefordert mehr „fachkundige Sprachkenntnisse“ besitzt: Dies heißt noch lange nicht, dass sie schnell und vielleicht auch undeutlich gesprochene Sätze auf Anhieb versteht. Es schadet deshalb als Muttersprachler in keinem Fall, Initiative zu ergreifen und eigene Kommunikationsgewohnheiten zu überdenken.

Petra Rahn, Lehrerin für „Deutsch als Fremdsprache“ und Geschäftsführerin der Bildungsprofis, die Deutschkurse speziell für Pflegekräfte anbieten, fasst die wichtigsten Tipps zusammen:

1. Tipp: Seien Sie aufmerksam, beobachten Sie sich selbst

Achten Sie darauf, langsam und deutlich zu sprechen und schauen Sie Ihr Gegenüber beim Sprechen an. So erkennen Sie auch, ob Sie verstanden wurden.

  • Teilen Sie wichtige Informationen nicht im Vorbeigehen mit
  • Verschlucken Sie keine Silben
  • Beobachten Sie sich selbst und überlegen Sie, ob sie sich selbst verstehen würden, wenn Sie Ausländerin wären.
  • Achten Sie auch in der Gruppe darauf, deutlich zu sprechen. Verstehen Sie es als Herausforderung – auch die Patienten werden es Ihnen danken.

2. Tipp: Sprechen Sie langsamer, nicht lauter

Hat ein Muttersprachler das Gefühl, dass sein Gegenüber ihn nicht versteht, neigt er dazu lauter zu sprechen. Doch besser ist, langsamer zu sprechen, denn es geht für das Gegenüber darum, den Sinn des Gesagten zu erfassen.

3. Tipp: Klare Sätze formulieren

  • Vermeiden Sie passive Sätze. Statt: „Der Blutdruck muss zweimal täglich gemessen werden“, besser: „Miss den Blutdruck zweimal täglich.“
  • Bitte Verben nicht nominalisieren, das erschwert das Verständnis enorm. Also nicht: „Ich kümmere mich jetzt um das Stellen der Medikamente“, sondern: „Ich stelle jetzt die Medikamente“. Nicht: „Hat sich schon jemand um die Wundversorgung gekümmert?“ Sondern: „Hat schon jemand die Wende versorgt?“.
  • Ganz wichtig ist auch, versteckte (doppelte) Verneinungen wegzulassen. Her Müller zählt nicht zu den Patienten, bei denen nicht dreimal täglich Blutdruck gemessen werden muss.“
  • Vermeiden Sie lange Schachtelsätze (Der Arzt, der voriges Jahr erst zu uns kam, sagte mir gestern, als ich mit ihm in der Kantine saß, dass …) , wählen Sie einfache und klare Satzkonstruktionen.

4. Tipp: Seien Sie geduldig

  • Wiederholen Sie Ihre Aussage, wenn immer Ihr Gegenüber fragend oder unsicher schaut.
  • Planen Sie Zeit für Fragen ein.

5. Tipp: Effektiv verbessern

Wenn Sie Ihr Gegenüber korrigieren: Wiederholen Sie den Fehler nicht, sagen Sie, wie es richtig heißt.

6. Tipp: Verknappung vermeiden

Bitte nicht die Sätze verkürzen! Sagen Sie „Wenn Patienten verlegt werden, dann bleiben die Betten auf Station“. Und nicht: „Werden Patienten verlegt, bleiben die Betten auf Station.“ Lassen Sie in Ihren Sätzen wenig (am besten keinen) Interpretationsspielraum. Nennen Sie zum Beispiel immer die handelnden Personen, verzichten Sie auf Pronomen (sie, er, es), machen Sie die Bezüge deutlich, vermeiden Sie unklare Ortsangaben (da, dort).

7. Tipp: Setzen Sie auf Read-back

Gewöhnen Sie sich am besten mit allen Ihren Kollegen das Read-back an. Das bedeutet: Alle Informationen, die Behandlung und Medikation et cetera betreffen werden von demjenigen, der sie empfängt (mit eigenen Worten) wiederholt. So vermeidet man Missverständnisse, die die Patientensicherheit gefährden.

Das Read-back stammt aus der Luftfahrt, wird aber auch in immer mehr Krankenhäusern praktiziert, etwa dem Vinzentius-Krankenhaus Landau in Rheinland-Pfalz.

Text: Kirsten Gaede

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