Auf Transfertuch & Co. kommt es an!

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Foto: nordiska

Ergonomisches Arbeiten im OP

Auf Transfertuch & Co. kommt es an!

Personalnot, hohe OP-Zahlen, adipöse Patienten – kein Wunder, dass Rückenschmerzen bei OP-Kräften zunehmen. Doch kleine Hilfsmittel sorgen für Linderung.

500 Kilogramm, eine halbe Tonne – das ist das Gewicht, mit dem Pflegekräfte rund ein Dutzend Mal täglich im OP zu kämpfen haben. Genauer gesagt: Es ist das Gewicht, das auf den Bandscheiben im Lendenwirbelbereich (L5/S1) der Kollegen lastet, wenn sie einen Patienten umlagern. Dies hat die viel zitierte Dortmunder Lumbalbelastungsstudie von 2007 gezeigt.

Adipositas: Schwerstarbeit für die Pflege

Inzwischen dürfte die Belastung noch höher liegen, denn immer mehr Patienten leiden unter starker Adipositas. Während vor 20 Jahren noch 120 Kilogramm als ein extrem hohes Gewicht galt, sind heute 180 Kilogramm schwere Patienten keine Seltenheit mehr.

Adipöse Patienten und deren Umlagern von der Trage auf den OP-Tisch sind nicht die einzigen Belastungen für das Muskel-Skelettsystem der Pflegekräfte: Hinzu kommen Positionswechsel der Patienten während der OP sowie langes Stehen ohne größere Bewegungsmöglichkeit und Verharren in ungünstiger Haltung.

Studie: OP-Pflegekräfte sehr häufig krank

Die vielen Belastungen im OP können laut Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) zu Schulter-, Nacken- und Rückenbeschwerden führen. In einer Studie der BGW stellte sich heraus, dass von 1.390 befragten Pflegekräften die Hälfte Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäulen hatte (in den zurückliegenden vier Wochen).

Das Risiko für Erkrankungen des Muskelskelettsystems (MSE) – wie bandscheibenbedingte Erkrankungen – ist in der Bevölkerung insgesamt schon sehr hoch: MSE sind deutschlandweit Ursache für 23 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage. In der Pflege ist die Gefahr einer MSE laut BGW noch einmal deutlich höher als in anderen Branchen. Hier sind auch mehr Mitarbeiter im Jahr arbeitsunfähig – und das dazu noch häufiger und länger. Es ist zu vermuten, dass innerhalb der Pflege die OP-Mitarbeiter besonders betroffen sind: Im OP-Barometer 2017 der Frankfurt University of Applied Sciences haben fast 65 Prozent der teilnehmenden OP- und Anästhesiepflegekräfte (sowie OTA) bestätigt, dass ihre Berufsgruppe unter einem hohen Krankenstand leide.

Erleichtern die Arbeit: Transfertuch und Tischauflage

Allerdings: Die Arbeit im OP muss nicht zwangsweise zu Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall und anderen Muskelskeletterkrankungen führen. Die Mitarbeiter selbst können etwas tun, indem sie Sport (Schwimmen etwa, Gymnastik oder Krafttraining) treiben und so für eine kräftige Rückenmuskulatur sorgen. Vor allem aber ist der Arbeitgeber gefragt. Für ihn heißt es: Mitarbeiter immer wieder in rückengerechter Arbeitsweise schulen lassen, eventuell Kinästhetik anbieten und vor allem: Hilfsmittel für den Transfer bereithalten. Dazu gehören beispielsweise eine Tischauflage, die sich idealerweise auch gleich als Transfertuch bis 200 Kilogramm nutzen lässt, und ein spezielles Transfertuch mit Laschen, welches erlaubt, den Patienten in die Bauchlage zu drehen.

Auch die BGW empfiehlt Hilfsmittel wie diese eindringlich. „Nutzen Sie sie konsequent, um die Belastungen für Ihren Rücken und Ihre Wirbelsäule im richtigen Maß zu halten“, heißt es bei der Berufsgenossenschaft. Dass sich die richtige Hebetechnik und die kleinen Hilfsmittel lohnen, zeigt auch die Dortmunder Lumbalbelastungsstudie: Die Druckkraft von knapp 5 Kilonewton (entsprechen 500 Kilogramm) reduziert sich um mehr als die Hälfte auf 1,9 Kilonewton. Damit liegt die Druckkraft sogar ein wenig unter dem Dortmunder Richtwert für Frauen im Alter von 50 Jahren. Er beträgt 2,5 Kilonewton, für Männer liegt er etwas höher, bei 2,7 Kilonewton.

Sogar die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut rät zu Umbetthilfen wie Einweg Transfertüchern in ihrer aktuellen Empfehlung aus April 2018 zur „Prävention postoperativer Wundinfektionen vor allem bei der Patientenübergabe. Es kommt so zu weniger Kontakten mit unterschiedlichen Oberflächen, was das Risiko für Kreuzkontaminationen mindert.“

Krankenhauskeime: mit Einweg gegen MRSA & Co.

Gerade im Operationsgebiet sind nosokomiale Infektionen  ein Problem. Diese sind mit einem Anteil von circa. 24 Prozent die häufigsten nosokomialen Infektionen in deutschen Akutkrankenhäusern. Besonders Multiresistente Erreger sind auf dem Vormarsch. Dazu gehören etwa MRSA, aber auch Clostridium deficile und der Vancomycin-resistente Enterococcus faecium, welcher Sepsis und Peritonitis auslösen kann.

Diese Erreger sind eine Gefahr für Patienten, aber auch für Mitarbeiter. Deshalb ist es von Vorteil, wenn Pflegekräfte so wenig wie möglich mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen und z. B. die OP-Tischauflage oder andere Lagerungshilfen Einwegprodukt sind, die sich schnell entsorgen lassen. Zwar tragen Mitarbeiter im OP Schutzkleidung und Einmalhandschuhe – trotzdem bleiben sie laut BGW einem besonderen Infektionsrisiko durch Blut- und Körperflüssigkeiten ausgesetzt. Gerade im OP geht es oft um große Flüssigkeitsmengen, die austreten können. Übersteigt dies die Saugkraft der Unterlage, führt dies zur Sturzgefahr. Hochabsorbierende Auflagen können dieses Risiko minimieren (auch um beim Kautern Hautläsionen oder gar Verbrennungen vorzubeugen). Die Unfall- und insbesondere die Sturzgefahr im OP nehmen auch durch die allgemeine Hektik und Enge im OP zu. Die Zahl der Operationen ist in Deutschland zwischen 2005 und 2015 um über 30% von 12,1 Millionen um 4,3 Millionen auf 16,4 Millionen gestiegen. Die Zahl des nicht-ärztlichen Personals hat sich zwischen 1995 und 2015 um 2 Prozent verringert.

Kranke Pflegekräfte: Immer mehr OPs müssen schließen

So erstaunt es nicht, dass viele Pflegekräfte den OP verlassen: Im OP-Barometer beklagten 46 Prozent der Befragten eine hohe Fluktuation. Die Geschäftsführungen in den Krankenhäusern müssen handeln. Der OP ist das wirtschaftliche Herzstück der Klinik und ausgerechnet hier muss die Leistung immer häufiger gedrosselt werden, weil OP-Fachkräfte fehlen. Im Krankenhaus Barometer des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI) gab rund ein Drittel der Kliniken an, in einigen, ausgewählten OP-Sälen die Anzahl der Operationen gesenkt und zeitweise einige OP-Säle geschlossen zu haben.

Mehr kleine Hilfsmittel: weniger Rückenschmerzen.

Was können die Geschäftsführungen tun? Ein Blick ins OP Barometer gibt Aufschluss. Eine zu bewertende Aussage lautet dort: „Meine Arbeit wird von der Krankenhausleitung anerkannt“. Die Hälfte aller Befragten stimmte dem nicht zu! Hier lohnt es sich anzusetzen. Sicherlich, Personalknappheit und Hektik lassen sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht so schnell beheben. Aber den Mitarbeitern im OP die Arbeit durch Schulungen im richtigen Heben und Tragen und die Anschaffung kleiner Hilfsmittel zu erleichtern – so wie es BGW und KRINKO ohnehin empfehlen – das ist sofort möglich. Und überaus sinnvoll für den gesamten Betrieb – und wenn nur einige Mitarbeiter weniger wegen Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall und anderen Erkrankungen des Muskelskelettsystems ausfallen.

Korrekte Lagerung, geringeres Dekubitusrisiko

Patienten müssen während einer OP häufig in eine spezifische Position gebracht werden, um einen optimalen Zugang zum Operationsgebiet zu gewährleisten. Dabei ist die korrekte Lagerung wegen erhöhter Dekubitus-Gefahr extrem wichtig. Grundsätzlich steigt während einer OP das Risiko für einen Dekubitus, weil der Patient absolut relaxiert ist. Kleinere Bewegungen, wie wir sie selbst während des Schlafens noch ausführen, werden durch die Narkose unterbunden. Besonders hoch ist das Risiko für einen Dekubitus, wenn:

  • der Patient viele Vorerkrankungen hat, etwa: Diabetes, Adipositas, Durchblutungsstörungen
  • die OP über 6 Stunden dauert
  • der Blutverlust hoch ist
  • der Patient lange auf der Seite liegt
  • bei der Lagerung viele mechanische Kräfte wirken und einzelne Körperteile wie das Gesicht ungewöhnlich hohem Druck ausgesetzt sind
  • der Patient großer Feuchtigkeit ausgesetzt ist

Kliniken müssen das Risiko sehr ernst nehmen. Nachlässige oder unsachgemäße Lagerung begünstigt nicht nur Druckgeschwüre der Haut und Weichteile: Auch Gelenke und Bandapparate, Nerven und Gefäßen können irreversibel geschädigt werden.

Gefahr der Erblindung

Nervenschäden sind vor allem bei der Bauchlagerung während einer Wirbelsäulen-OP eine Gefahr. Druckschäden an den Augen bis hin zur Erblindung sind möglich, wenn der Kopf nicht richtig gelagert wird.

Strenge Gerichtsurteile

Durch verschiedene Lagerungshilfen, etwa spezielle Kopflagerungskissen, lassen sich solche Lagerungsschäden vermeiden oder zumindest reduzieren. Auch absorbierende Tischauflagen sind empfehlenswert, um den Patienten vor Feuchtigkeit zu schützen. Diese kleinen Hilfsmittel einzusetzen, ist Kliniken dringend zu raten: Im kürzlich überarbeiteten Expertenstandard Dekubitusprophylaxe von 2017 wird die Verantwortung der Einrichtungen stärker als zuvor betont, die Anforderungen an die Pflegekräfte sind nun noch klarer formuliert. Auch die juristische Beurteilung von Dekubitus-Schadensfällen ist streng – oft gilt die Beweisumkehr: Das heißt, die Klinik muss nachweisen, dass sie alles in ihrer Möglichkeit stehende unternommen hat, um einen Dekubitus zu verhindern.

Die Lagerungshilfen von nordiska im Überblick:

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