Tattoos

Arschgeweih, ade! 14 Fragen zur Tattoo-Entfernung

So viel steht fest: Tattoo-Entfernungen sind aufwendig und teuer, in seltenen seltenen Fällen reagiert der Körper gefährlich. So Dr. Stephan Große-Büning (Uniklinik Mainz) im Interview.

Was tun, wenn das einst so geliebte „Arschgeweih“ plötzlich nervt? Oder der coole Spruch, den man sich in jungen Jahren auf den Arm stechen ließ? Wir sprachen darüber mit Dr. Stephan Große-Büning (Foto unten) von der Haut- und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. Dort bietet er seit Februar Tattoo-Entfernungen mittels Neodym-dotiertem Yttrium-Aluminium-Granat-Laser (YAG) an.

pflegen-online: Sind Tattoos bei Pflegekräften eigentlich besonders beliebt?

Stephan Große-Büning: Es liegen mir dazu keine Zahlen vor, aber ich habe diesen Eindruck nicht. Man weiß hingegen, dass circa 30 Prozent der 18-bis 40-Jährigen in unserer Bevölkerung tätowiert sind. Vielleicht fällt es in der Pflege nur deshalb besonders auf, weil man dort eher ärmellose Kleidung trägt und einen persönlichen Kontakt zu Menschen hat?

Mit welchen Begründungen wollen sich die Menschen denn ihre Tattoos wieder entfernen lassen?

Das „Arschgeweih“ ist zum Beispiel nicht mehr „in“. Dann gibt es auch Arbeitgeber, die die Tätowierung weghaben wollen. So verlangt die Polizei - außer in Berlin - vor Beginn einer Ausbildung die Entfernung vorhandener Tattoos. Arbeitgeber dürfen Tattoos zwar niemandem verbieten, aber man vermittelt dem Mitarbeiter klar, dass es nicht erwünscht ist und bittet zumindest darum, es zu verdecken. Viele empfinden ein Tattoo als „Jugendsünde“. Menschen verändern sich eben.

Sind Tattoos eigentlich harmlos?

Zwar laufen in Deutschland Millionen tätowierte Menschen herum, die eine gesunde Haut und auch sonst keine offensichtlichen gesundheitlichen Probleme haben. Aber Tattoo-Farben sind oft belastet, was auf den Farbcontainern manchmal nicht ausgewiesen ist: mit Quecksilber, Blei, Cadmium, Azofarbstoffen und Kohlenwasserstoffen. Das alles kann krebserregend sein.

Deshalb müsste man antworten: Tätowierungen sind prinzipiell nicht harmlos. Vielschichtige Komplikationen sind möglich, von der Allergie über eine Infektion bis hin zum Hautkrebs. Man ist sich heute zwar noch nicht einig, ob eine Tätowierung Hautkrebs auslösen kann, aber es ist theoretisch möglich. Außerdem kann man beim Hautkrebs-Screening besonders in großen Tätowierungen Muttermale schlechter beurteilen. Selbst für sehr erfahrene Hautärzte ist das schwierig. Das macht es natürlich gefährlich für die Haut.

Was ist mit der Hepatitis-Gefahr?

Wenn die Farben aus Übersee kommen, wo andere hygienische Bedingungen herrschen, würde ich die nicht ausschließen. Man kann dann natürlich auch HIV nicht ausschließen. Aber das sind Ausnahmen, keine alltäglichen Komplikationen.

Welche Risiken entstehen bei der Entfernung von Tattoos? Ist es ähnlich riskant wie bei der Entfernung von Amalgam-Füllungen im Mund?

Nein, das Risiko kann man nicht auf die Tätowierung übertragen, sie ist ja schon mit all ihren potenziell gefährlichen Stoffen im Körper drin. Trotzdem kann man beim Lasern die Entstehung von potenziell krebserregenden Stoffen nicht ausschließen. Die Risiken bei der Entfernung sind die möglichen Nebenwirkungen der Laserbehandlung: Rötungen, Schwellungen, Krusten, Blasen. Es kann auch zu Narben und Pigmentverschiebungen der Haut kommen, allerdings passiert das einem erfahrenen Arzt nur äußerst selten.

Was genau passiert beim Lasern von Tattoos?

Bei der Laserbehandlung werden die Partikel zersprengt, so dass das Immunsystem sie dann „wegfressen“ kann. Dabei werden sich natürlich auch Partikel über den Lymphstrom im Körper verteilen, erste Station sind die Lymphknoten. Der Rest an Pigment verlässt den Körper über die Haut nach außen.

Birgt die Entfernung eines großflächigen Tattoos ein höheres Risiko als die eines kleinen?

Einen ganzen Rücken zu lasern wäre eine sehr schwierige Aufgabe. Kleinere Tattoos sind einfacher zu entfernen. Letztlich weiß man nicht, was die Entfernungsbehandlung mit dem Körper macht. Das weiß man bei einer Tätowierung aber auch nicht.

Ist es angesichts der möglichen Risiken bei der Entfernung dann doch besser, das Tattoo am Körper zu belassen?

Das ist eine berechtigte Frage, denn jede Laserbehandlung hat Risiken. Dies muss individuell abgewogen werden und bedarf einer genauen Kenntnis der Haut und Hauterkrankungen. Immerhin wird schon seit Jahrzehnten gelasert, aber es wurde bislang nicht beobachtet, dass Patienten dadurch mehr Krebs, Hautveränderungen oder psychische Störungen haben.

Bisher könnte es nur bei sehr großen Tätowierungen eventuell problematisch sein, aber auch das ist Teil unserer Forschung zum Thema Tätowierung und Hautgesundheit.

Gibt es dazu schon Studien, die entsprechende Zusammenhänge belegen?

Ja, es gibt dazu schon einige Studien. Eine generelle Aussage kann man aber zu dem derzeitigen Zeitpunkt noch nicht treffen. Bekannt ist, dass besonders gelbe Tätowierungen Probleme machen können.

Wie gut lassen sich Tätowierungen entfernen?

Sie lassen sich recht gut entfernen, solange man nicht mit falschen Erwartungen daran geht. Je nach Tattoo – etwa für ein schwarzes „Arschgeweih“ - sind rund zehn Sitzungen erforderlich. Die jeweils maximal zehnminütige Behandlung erfolgt dann im Sechs-Wochen-Rhythmus. Das ist schon recht aufwendig, eine echte Prozedur. In seltenen Fällen bleibt auch mal ein Schatten auf der Haut, man bekommt nicht vollständig alles weg.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Die Krankenkasse bezahlt das normalerweise nicht. Der Preis für die Entfernung ist abhängig von der Größe, der Farbvielfalt – bei mehreren Farben benötigt man verschiedene Laser, der Arzt braucht dann mehr Zeit dafür und es wird teurer. Ein einfaches kleines schwarzes Tattoo – kleiner als das „Arschgeweih“ – kostet je Sitzung 100 Euro. Auch hierfür muss man für ein professionelles Tattoo mindestens zehn Sitzungen einplanen. Es ist also nicht preiswert und zudem zeitintensiv. Bei einer Laientätowierung mit ein bisschen Tusche oder Asche reichen bisweilen auch schon mal zwei bis fünf Sitzungen.

Was ist im Anschluss an die Laserbehandlung zu beachten?

Wichtig ist, die behandelte Hautstelle zu pflegen. Wir geben individuelle Pflegeempfehlungen und es gilt immer mindestens vier Wochen vor und nach der Behandlung: Sonnenschutz. Viele kleben daher ihr Tattoo ab, gerade im Sommer. Bei einer kleinen Tätowierung ist das möglich, bei einem ganzen Arm wird es schwieriger.

Wie sieht die Haut anschließend aus?

Sie ist gereizt, gerötet, mindestens geschwollen, es kann kleine Einblutungen und auch Krusten geben. Das ist alles noch normal. Größere Blasen und Narben sollte man aber unbedingt vermeiden, das geht gar nicht und wird bei einem erfahrenen Arzt auch nicht passieren.

Dürfen Tattoo-Entfernungen denn nur Ärzte machen?

Nein, grundsätzlich dürfen bis 2020 auch noch Nicht-Ärzte eine Laserbehandlung anbieten. Danach dann nur noch Ärzte und Zahnärzte. Dazu folgendes Beispiel: Eine Kundin wollte bei einem medizinischen Laien ihr Tattoo entfernen lassen, hatte derweil aber eine minimale Allergie, die nicht erkannt wurde. Die Allergie ist dann beim Lasern förmlich explodiert. Ein Arzt ist natürlich trainiert, auch solche minimalen Veränderungen zu erkennen.

Die niedergelassenen Kollegen können das selbstverständlich genauso gut wie wir an der Uniklinik. Der Unterschied ist, dass wir an der Uni versuchen können, durch Forschung Licht in das Dunkel zu bringen, was die Risiken der Tattoos und ihrer Entfernung betrifft. Es bleibt also nicht bei einer reinen Dienstleistung, die erbracht wird, sondern es werden Informationen gesammelt und für die Zukunft erforscht. Bislang gibt es dazu nämlich noch viel wissenschaftlich zu entdecken.

Autorin: Birgitta vom Lehn

Illustration: Jana Mayer

Foto (Porträt): UK Mainz

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