Weiße Hosen während der Menstruation? Eine ziemlich unangenehme Sache …
Foto: Maren Schlenker
Weiße Hosen während der Menstruation? Eine ziemlich unangenehme Sache …

Pflege als Beruf

Arbeiten mit Menstruation: So wird’s erträglicher

Arbeitgeber könnten beispielsweise eine Menstruationsbeauftragte einstellen … Gynäkologin und Medical Influencerin Dr. Judith Bildau gibt Tipps, wie Pflegekräfte Menstruationsbeschwerden besser überstehen

„Obwohl schon viel mehr über die Menstruation gesprochen wird, fehlt es an vielen Stellen noch immer an Aufklärung“, sagt die Gynäkologin Dr. Judith Bildau, die sich seit Jahren öffentlich (als „Medical Influencerin“) für Frauengesundheit einsetzt. „Das Thema ist nach wie vor schambehaftet – wie übrigens so vieles rund um den Frauenkörper.“ Umso wichtiger sei eine frühe und umfassende Aufklärung sowohl von Frauen als auch von Männern zu den Vorgängen im weiblichen Körper.

Das gilt besonders für männliche Führungskräfte in Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten. „Während sich weibliche Kolleginnen dann doch mal untereinander darüber unterhalten, traut sich kaum eine Frau zu ihrem männlichen Chef zu sagen, dass sie Periodenbeschwerden hat“, meint Judith Bildau. Dabei sollte eigentlich ein Arbeitsklima herrschen, in dem solche Äußerungen nicht peinlich berührte Blicke und Unverständnis hervorrufen. „Leider gelten Frauen, die über Regelbeschwerden klagen, immer noch häufig als wehleidig.“ Und dass, obwohl laut einer Umfrage des Periodenartikel-Shops Erdbeerwoche bis zu 98 Prozent der Mädchen und Frauen unter Menstruationsbeschwerden leiden.

Vorschlag 1: weniger belastende Dienste während der Menstruation

Vor allem in Pflegeberufen kann die Periode Schwierigkeiten mit sich bringen. Krämpfe, starke Blutungen oder sonstige Beschwerden sind bei Schichtdiensten, körperlicher Arbeit und Stress besonders schwer zu ertragen. Dazu kommt der Druck, auch bei eigenem körperlichem Unwohlsein die volle Verantwortung für die Patienten zu haben. „Auch hier sollte eine offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber möglich sein. Vielleicht kann man eine Kollegin, die bekanntermaßen zu dieser Zeit weniger belastbar ist, zu nicht so fordernden Diensten einteilen. Oder die Kolleginnen können die Schichten so tauschen, dass jede etwas entlastet wird“, schlägt Dr. Judith Bildau vor.

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Vorschlag 2: Menstruationsbeauftragte einstellen

Leichter könnten solche Absprachen mit einer Menstruationsbeauftragten fallen, über die bereits in einigen großen Unternehmen diskutiert wird. Die Menstruationsbeauftragten würden unter anderem zwischen Arbeitgeber und Pflegekräften vermitteln, Krankmeldungen entgegennehmen, aber auch beratend zur Seite stehen, wenn es um Fragen rund um Ablauf und Beschwerden der Periode geht.

Vorschlag 3: Weg mit weißen Hosen!

„In einigen Sportarten wie Tennis haben Spielerinnen durchgesetzt, dass sie nicht mehr ausschließlich weiße Hosen tragen müssen“, erzählt Dr. Judith Bildau. In der Pflege sei das Tragen von weißen, hellgrünen oder hellblauen Uniformen jedoch häufig noch Vorschrift.

Vorschlag 4: Periodenunterwäsche

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man da schon mal nervös werden kann, wenn beispielsweise eine OP länger dauert und man sich fragt, ob gleich ein roter Fleck zu sehen sein wird.“ Ihr Tipp in diesem Fall: „Periodenunterwäsche kann ein gewisses Back-up bieten, falls Tampon, Binde und Co. an ihre Grenzen kommen.“ Die dezenten Periodenslips gibt es in verschiedenen Größen und mittlerweile sogar als Badebekleidung.

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Extremen Menstruationsbeschwerden auf den Grund gehen

„Wer bei jeder Periode unter starken Schmerzen oder übermäßigen Blutungen leidet, sollte das auf jeden Fall bei seinem Gynäkologen ansprechen“, rät Dr. Judith Bildau. Unterschiedliche Erkrankungen können die Gründe sein:

  • So könnten quälende Bauch- und Rückenschmerzen sowie Verdauungsbeschwerden und ein hoher Blutverlust ein Anzeichen für eine Endometriose sein.
  • Pochende Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen können auf eine menstruelle Migräne hindeuten.
  • Aber auch andere Erkrankungen wie Myome, Hormonstörungen oder Nährstoffmangel können sich hinter ausgeprägten Periodenbeschwerden verbergen.

„Ich empfehle das Führen eines Zyklustagebuchs“, rät Dr. Judith Bildau. „Darin kann man nicht nur die Regelmäßigkeit des Zyklus festhalten, sondern sich auch Stärke, Zeitpunkt und Dauer bestimmter Symptome notieren.“ Dies gibt Aufschluss über mögliche Ursachen der Beschwerden.

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Info: typische Menstruationsbeschwerden – nicht nur Blut

Was immer noch hinter vorgehaltener Hand als „Frauenbeschwerden“ bezeichnet wird, geht oft weit über Bauchschmerzen hinaus. Während der Periode leiden viele Frauen außerdem unter

  • Erschöpfung
  • depressiven Verstimmungen
  • Migräne
  • Rückenschmerzen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Wassereinlagerungen
  • Schlafstörungen

Info: Punkten bei der Periode – 7 Tipps für Arbeitgeber

Bei der Gewinnung von Fachkräften kann auch der Umgang mit der Menstruation der Mitarbeiterinnen eine Rolle spielen. Arbeitgeber sollten sich daher Gedanken über spezielle Angebote und Zugeständnisse machen:

  • kostenlose Periodenartikel (Binden, Tampons, Slipeinlagen etc.) bereitstellen
  • Fachärzte bei Periodenbeschwerden vermitteln
  • Stelle schaffen für eine Menstruationsbeauftragte
  • Flexibilität zeigen bei der Schichtplanung oder den Einsatzgebieten
  • Verständnis für Krankmeldungen wegen Periodenbeschwerden zeigen
  • freie Farbwahl bei Hosen erlauben
  • für Wärmekissen und bequeme Sitzmöglichkeiten sorgen.

Autorin: Melanie Thalheim

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Die Gynäkologin Dr. Judith Bildau ist „Medical Influencerin“ und hat eine Reihe von Ratgebern geschrieben, unter anderem
Foto: privat
Die Gynäkologin Dr. Judith Bildau ist „Medical Influencerin“ und hat eine Reihe von Ratgebern geschrieben, unter anderem „Deine Mädchensprechstunde“.

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