Arbeitgeberattraktivität

Arbeiten in der Schweiz – ein Mythos bröckelt

Warum die Hospitäler in Sachen Arbeitgeberattraktivität nicht mehr die große Konkurrenz für deutsche Krankenhäuser sind – ein Anruf im Uniklinikum Freiburg und im Klinikum Hochrhein

Inhaltsverzeichnis

Die Schweiz sei zwar nach wie vor für Pflegende aus der Region Südbaden ein attraktiver Arbeitgeber, gibt Benjamin Waschow, Pressesprecher des Uniklinikums Freiburg, zu: „Leben in Deutschland und arbeiten in der Schweiz.“ Allerdings sei dieser Trend eher rückläufig und man erhalte zunehmend, wenn auch nicht in großem Umfang, Bewerbungen von „Rückkehrern“, sprich: Pflegekräften, die es vormals zu den Eidgenossen gezogen hat, die denselben nun aber den Rücken kehren.

Relativ viele Bewerbungen von Rückkehrern

Das kann Luisa Denz, Pressesprecherin der Klinikum Hochrhein GmbH in Waldshut-Tiengen bestätigen: Man erlebe zwar, dass sich Pflegekräfte für eine Tätigkeit in der Schweiz entscheiden. Genauso häufig erhalte man jedoch Bewerbungen von Pflegekräften, die bislang in der Schweiz gearbeitet haben.

Auch in der Schweiz gibt es jetzt DRG

Als Gründe für diesen Trend nennt Waschow „die langen oder zeitaufwendigen Arbeitswege“. Außerdem hätten sich in der Schweiz seit Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen auch dort die Arbeitsbedingungen verändert. „Der Mythos ‚Arbeiten in der Schweiz‘ ist längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor Jahren. Auch drüben kämpfen Kliniken mit dem Fachkräftemangel, so dass die Arbeitsbelastung entsprechend hoch ist“, sagt Luisa Denz.

Weniger strenger Kündigungsschutz

Außerdem entspreche der Kündigungsschutz in der Schweiz nicht dem deutschen Standard, so dass sich viele auch aufgrund von Planbarkeit und Sicherheit lieber für eine Stelle im hiesigen öffentlichen Dienst entscheiden.

UK Freiburg mit großem Attraktivitätsprogramm

Offenbar sind Krankenhäuser an der Grenze zur Schweiz aber besonders gefordert, sich mit dem Thema Arbeitgeberattraktivität zu beschäftigen. In Freiburg, so Klinikum-Sprecher Benjamin Waschow punkte man mit:

  • sehr flexiblen Arbeitszeitmodellen
  • umfangreichen Aus-, Fort- und Weiterbildungen
  • einem Krippen- und Kindergartenangebot
  • einer eigenen Familienservicestelle
  • einem Programm für pflegebedürftige Angehörige

Daneben spielen eine übertarifliche Bezahlung und die „recht erfolgreiche Maßnahme ‚Mitarbeiter werben Mitarbeiter‘“ eine wichtige Rolle, glaubt der Sprecher: dabei erhalten Beschäftigte, die einen neuen Mitarbeiter anwerben, eine Geldprämie von 1.000 Euro.

Mit dem Faktor Sicherheit punkten

Punkten könne man gegenüber den Eidgenossen auch mit „Entwicklungsmöglichkeiten und Sicherheit, stabilem Teamgefüge und flachen Hierarchien“, erzählt Luisa Denz. So trage man „Sorge dafür, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehört fühlen“. Ein Vorteil sei auch, dass das Klinikum in Waldshut über eine eigene Pflegefachschule verfüge. „Wir schätzen uns glücklich, dass wir über 80 Prozent unserer ausgebildeten Kräfte in den laufenden Betrieb übernehmen.“

Autorin: Birgitta vom Lehn

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