Konfliktmanagement

Ärger mit Reinigungskräften? 7 Regeln für mehr Harmonie

Pflegekraft und Reinigungskraft kommen sich oft in die Quere. Besonders im Pflegeheim. Die Bremer Heimstifung hat für die klassischen Reibungspunkte Lösungen gefunden.

Inhaltsverzeichnis

Reinigungskräfte? Die putzen ja nur ... So darf man Jörg Werninger nicht kommen. Der Manager ist für die rund 200 Reinigungskräfte in den 36 Häuser der Bremer Heimstiftung verantwortlich. Er möchte, dass die Pflegekräfte die Reinigungskräfte wertschätzen. Schließlich können sie die Pflegekräfte auf wertvolle Weise unterstützen. Denn sie arbeiten täglich in den Zimmern der Bewohner. Die Kommunikation der Bewohner mit den Reinigungskräften sei oft entspannter und lockerer als die mit den Pflegekräften, weil es um die Reinigung des Zimmers geht und nicht um den Bewohner selbst. Die Bewohner teilen Reinigungskräften manchmal sogar mehr mit als den Pflegekräften.

So wundert es nicht, dass die Reinigungskraft manches Mal bemerkt, wenn mit einem Bewohner etwas nicht stimmt. Liegt etwa ein Bewohner zur Frühstückszeit noch im Bett, oder rührt er ein Getränk nicht an, alarmiert die Reinigungskraft die Kollegen von der Pflege.

Nicht zuletzt durch ihre Flexibilität kann die Reinigungskraft der Pflegekraft Gutes tun. Obwohl auch sie einen eng getakteten Arbeitstag hat, kann die Reinigungskraft manchmal flexibel reagieren und ihre Arbeit anpassen oder umstellen. Ein Beispiel: Die Bewohner haben das Recht, lange auszuschlafen. Die Pfleger informieren in solchen Fällen die Reinigungskräfte, welche Bewohnerzimmer sie am besten später oder am Ende reinigen, damit diese länger ungestört schlafen können.

Dies sind laut Werninger kollegiale Verhaltensweisen, die in einem gut eingespielten Team auch funktionieren. Für andere neuralgische Punkte hat die Bremer Kontor GmbH - Tochtergesellschaft des größten Trägers für Altenpflege in Bremen - Regeln aufgestellt. Jörg WErninger berichtet.

Regel Nr. 1: Bei der Morgen-Besprechung sitzen Reinigung und Pflege mit am Tisch.

Gute Kommunikation ist gefragt. Das konkrete Bindeglied zwischen Reinigung, Hauswirtschaft und Pflege sind bei uns die Vorarbeiter, die auch an den morgendlichen Besprechungen teilnehmen. Hier erfahren alle, was gerade geschehen und was aktuell zu bedenken ist. Ist ein Bewohner verstorben? Gibt es eine neu aufgetretene Infektion im Haus? Hat ein Mitarbeiter etwa MRSA-Keime festgestellt? Muss das Team besondere Maßnahmen treffen? Diese und andere Informationen tauschen die Mitarbeiter in der Besprechung aus und geben sie anschließend an ihr Team weiter.

Regel Nr. 2: Gemeinsam gegen ansteckende Keime

Wenn Keime aufgetreten sind, ändert das Reinigungsteam beispielsweise die Reihenfolge, in der es die Zimmer der Bewohner reinigt. Das Zimmer des Bewohners, in dem die Keime aufgetreten sind, reinigen sie dann zum Schluss, damit die Keime nicht in weitere Zimmer gelangen. Durch die Weitergabe der Informationen wissen die Pflege-Kollegen, was sie erwartet und können sich darauf einstellen. Allerdings hängen die Pfleger im Falle von Keimen auch schon die Schutzanzüge in oder vor den Zimmern auf, so dass die Reinigungskräfte wissen, dass sie diese hier tragen müssen.

Regel Nr. 3: Gemeinsam für das richtige Putzmittel

Auch beim Einsatz von Putzmitteln arbeiten Reinigungskräfte und Pflegekräfte zusammen. In der Regel setzen die Reinigungskräfte Putzmittel mit Duftstoffen ein, die einen guten, frischen Geruch in den Zimmern und im Wohnbereich verbreiten sollen. In den Fällen, in denen Bewohner jedoch eine Allergie gegen bestimmte Duftstoffe haben oder diese anderweitig nicht vertragen, vereinbaren Pflege und Reinigung gemeinsam, dass die Reinigungskräfte in diesem Fall Neutralreiniger einsetzen.

Regel Nr. 4: Optimale Lösungen bei der Desinfektion der Zimmer

Desinfektion ist ein großes Thema - gerade im Herbst. Wenn es draußen kälter wird, desinfizieren die Reinigungskräfte in größerem Umgang Handläufe, Türklinken und natürlich auch die WCs in den öffentlichen Bereichen. Was die Desinfektion in den Zimmern der Bewohner betrifft, tauschen sich auch hier Reinigungs- und Pflegekräfte aus, um gemeinsam die optimale Lösung zu finden. Pflegekräfte informieren und befragen zudem die Bewohner über die geplanten Desinfektionen.

Regel Nr. 5: Hand in Hand, wenn ein Malheur geschieht

Wenn es zu Notfällen im Bereich der Verdauung und Ausscheidung bei den Bewohnern kommt, arbeiten Pflegeteam und Reinigungsteam in der Regel Hand in Hand. Der Informationsfluss zwischen beiden Teams ist hier entscheidend, er geht auf jeden Fall in beide Richtungen. Eventuell sind hier zuerst die Pflegekräfte gefordert, wenn sie das Malheur entdecken. Sie informieren dann sofort das Reinigungsteam, das später zum Beispiel den Fußboden oder das Mobiliar gründlich reinigt.

Regel Nr. 6: Absprachen für das Abziehen und Beziehen der Betten

Eine gute gemeinsame Regelung haben wir gefunden, wenn es darum geht, wer die Betten abzieht beziehungsweise frisch bezieht. Bei uns entscheiden die Pflegekräfte, wann es Zeit ist, das Bett neu zu beziehen. Sie übernehmen den ersten Teil der Arbeit, indem sie die Bettwäsche abziehen. Das abgezogene Bett ist dann das Signal für die Reinigungskräfte, die für den zweiten Teil der Arbeit zuständig sind und das Bett neu mit frischer Bettwäsche beziehen.

Regel Nr. 7: Was tun, wenn Reinigungs- und Pflegeteams zusammenprallen?

Diese Regel ist eine Art Vorfahrtsregel. Wenn zufällig beide Teams in einem Zimmer aufeinandertreffen, hat die Pflege immer Vorrang. Die Pflegekraft setzt also ihre Arbeit fort, während die Reinigungskraft ein Zimmer weiterzieht. Regel festgelegt, Konflikt gebannt.

Protokoll: Michael Handwerk

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