Kündigung & Co.

Abmahnung - und was nun?

Bei einer Abmahnung heißt es: durchatmen, genau überlegen, Unterstützung suchen. Denn durch falsche Reaktion kann man sich erst recht ins Aus schießen.

Inhaltsverzeichnis

Im Fußball hat man dafür die gelbe Karte erfunden, im Arbeitsalltag heißt die gelbe Karte „Abmahnung“. Eine Abmahnung gilt immer als Schuss vor den Bug: Der Arbeitgeber will dem Arbeitnehmer damit unmissverständlich zeigen, dass ihm etwas an seiner Arbeitsweise oder -haltung missfällt – ob grundlos oder begründet, ist zu klären.

Checkliste: Geben Sie Anlass zur Abmahnung?

Gründe für eine Abmahnung können sehr vielfältig sein, etwa:

  • Rauchen während der Arbeitszeit, ohne sich „auszustempeln“

  • öfters zu spät zur Arbeit zu kommen, obwohl keine Gleitzeit vereinbart ist

  • Fehlen wegen Krankheit, aber ohne Mitteilung oder Attest

  • Arbeitsverweigerung

  • Störung des Betriebsfriedens, etwa aufgrund rassistischer Äußerungen, Streitsucht oder inakzeptabler Eingriffe in die Arbeitsabläufe zum Schaden des Betriebs

  • unentschuldigtes Fehlen (auch fristlose Kündigung möglich!)

  • verhaltensbedingte Abmahnung: private Internetnutzung, Beleidigung, Diebstahl, Mobbing, grobe Unfreundlichkeit

Kündigung: Manchmal reicht eine einzige Abmahnung

Die Anzahl der Abmahnungen, die zur Kündigung führen können, ist nicht festgeschrieben. Doch Arbeitnehmer sollten auf der Hut sein: Arbeitgeber, die einem Mitarbeiter Abmahnungen schicken, tun dies nicht ohne Absicht. Ob ein oder mehrere Abmahnungen für eine Kündigung ausreichen, hängt auch von der Schwere der Vergehen ab. In jedem Fall sollten Arbeitnehmer schon bei Erhalt der ersten gelben Karte die rote im Kopf haben und sich rechtzeitig nach rechtlicher und – falls nötig – auch psychischer Unterstützung umsehen.

Fachanwalt Herbert Kaupert im Interview

Nicolai Kranz, geschäftsführende Gesellschafter der Jobdating-Plattform Gigwork, und Herbert Kaupert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bonn, beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Abmahnung:

pflegen-online: Gibt es Warnhinweise, die auf eine Abmahnung hindeuten oder trifft es den Arbeitnehmer aus heiterem Himmel?

Herbert Kaupert: In der Regel trifft eine Abmahnung einen Arbeitnehmer aus heiterem Himmel. Anders ist es nur, wenn der Arbeitnehmer weiß, dass er einen bedeutenden Fehler gemacht hat.

Wie häufig sind Abmahnungen überhaupt, wie groß ist ihre Relevanz?

Abmahnungen werden in Arbeitsverhältnissen regelmäßig ausgesprochen. Insbesondere in Fällen, in denen der Arbeitgeber den Arbeitnehmer gerne loswerden möchte, wird jede Gelegenheit ergriffen, eine Abmahnung zu erteilen.

Wen erwischt es am häufigsten: Männer, Frauen, Teilzeitkräfte, Jüngere, Ältere, Chefs, Sachbearbeiter?

Da gibt es keine besondere Auffälligkeit. Abmahnungen werden auf allen hierarchischen Stufen ausgesprochen.

Wie reagiert der Abgemahnte angemessen?

Er sollte zunächst von einem Fachanwalt prüfen lassen, ob die Abmahnung überhaupt zutreffend ist. Ergibt sich aus der Abmahnung kein eindeutiger und konkret beschriebener Verstoß gegen arbeitsrechtliche Pflichten oder fehlt es an einer eindeutigen Warnung, was im Wiederholungsfall als Sanktion droht, ist die Abmahnung bereits unwirksam. In einem solchen Fall sollte der Arbeitnehmer am besten gar nicht reagieren.

Welche arbeitsrechtlichen Möglichkeiten hat er, sich gegen die Abmahnung zu wehren?

Grundsätzlich kann der Arbeitnehmer eine Klage auf Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte erheben. Hiervon ist jedoch grundsätzlich aus folgenden Gründen abzuraten: Ergibt das Klageerfahren, dass die Abmahnung berechtigt ist, hat man nicht gewonnen. Im Gegenteil: Der Arbeitgeber fühlt sich bestätigt und wird bei einem weiteren Verstoß möglicherweise kündigen. Ist die Abmahnung aus formellen Gründen unwirksam, kann der Arbeitgeber eine neue korrekte Abmahnung aussprechen, wodurch sich die Situation für den Arbeitnehmer verschlechtert.

Treffen die Gründe für die Abmahnung inhaltlich nicht zu, so sollte der Arbeitnehmer den Einwand lieber zunächst für sich behalten und erst später erheben, falls es tatsächlich zu einem Kündigungsrechtsstreit kommt, bei dem der Arbeitgeber sich dann auf diese Abmahnung bezieht.

Mein Rat ist daher: Ist der Vorwurf aus der Abmahnung unzutreffend, sollte in der Regel eine Stellungnahme an den Arbeitgeber verfasst werden mit der Aufforderung, diese zur Akte zu nehmen.

Können persönliche Umstände wie Krankheit oder Kinder eine Abmahnung unwirksam werden lassen?

Abgemahnt kann man nur werden, wenn man schuldhaft eine arbeitsvertragliche Verpflichtung verletzt hat. Konnte man etwa nicht zur Arbeit kommen, weil die Kinder plötzlich eine Betreuung brauchten oder eine Krankheit war die Ursache, ist eine Abmahnung unwirksam.

Wo kann sich jemand, der abgemahnt wurde, Beistand holen? Vielleicht bei Freunden, der Familie oder der Gewerkschaft?

Es empfiehlt sich, den Rat eines Fachanwalts für Arbeitsrecht einzuholen oder eines Mediators beziehungsweise Konfliktberaters. Um mit der belastenden Situation am Arbeitsplatz fertig zu werden, ist es zudem ratsam, sich professioneller Hilfe eines Therapeuten zu bedienen, der den Arbeitnehmer in dieser schwierigen Situation coachen kann. Gegebenenfalls kann auch der Betriebs- oder Personalrat des Unternehmens helfen.

Wann genau kann ein Mediator beziehungsweise Konfliktberater helfen?

Ein Mediator ist vermittelnd und allparteilich tätig. Er ist eben nicht den persönlichen und rechtlichen Anliegen einer Partei zugewandt. Ein Konflikt kann aber auch von einer Partei aus eigener Kraft entschärft oder sogar gelöst werden. Hier hilft eine einseitige Konfliktberatung weiter. In einem strukturierten Gespräch wird gemeinsam herausgefunden, warum die Kommunikation nicht funktioniert und was die Partei selbst dazu beitragen kann, um eine Lösung des Konflikts zu erreichen.

Wie verbreitet ist der Einsatz von Mediatoren in Betrieben?

Die innerbetriebliche Einschaltung von Mediatoren oder Konfliktberatern ist in Deutschland zwar noch nicht sehr verbreitet. In Zeiten des Fachkräftemangels sind Unternehmer aber gut beraten, solche innovativen Elemente der Deeskalation anzubieten, um rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden und das rare Personal ans Unternehmen zu binden. Die Arbeitgeberattraktivität steigt nachweislich, wenn Unternehmen für Konflikte und andere Probleme im Umfeld des beruflichen Alltags konkrete institutionalisierte Ansprechpartner benennen.

Welche Konsequenzen hat eine Abmahnung für weitere Bewerbungen?

Die Abmahnung kann für weitere Bewerbungen eine negative Rolle spielen, insbesondere im öffentlichen Dienst, wo in der Regel die Personalakte weitergereicht wird. In der Privatwirtschaft spielt eine Abmahnung normalerweise keine Rolle bei Bewerbungen.

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