Pflege und Praxis

8 Tipps für den perfekten Arbeitsschuh

Schuhe für den Pflegeberuf müssen sicher, robust und bequem sein, aber nicht teuer. Oft reicht schon ein Jogging-Schuh.

Inhaltsverzeichnis

Der Pflegeberuf ist ein Knochenjob. Schweres Tragen, Heben und Schieben gehen auf Rücken und Gelenke. Hinzu kommt: Man ist den ganzen Tag auf den Beinen und damit auf den Füßen. Dem passenden Berufsschuh kommt damit eine zentrale Bedeutung zu. Hinzu kommt: Eine Auswertung der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) von Unfallanzeigen in der Pflege hat einen besonderen Schwerpunkt bei Sturzunfällen durch Ausrutschen und Stolpern ergeben. Um Stürzen, Rückenschmerzen und ganz allgemein Beschwerden im Muskel- und Skelettapparat vorzubeugen hat die (BGW) eine Checkliste für sichere Arbeitsschuhe in Pflegeberufen zusammengestellt. Sie stimmt grundsätzlich mit dem überein, was auch Orthopäden empfehlen.

 

Arbeitsschuhe müssen geschlossen sein

Im Pflegealltag hat man es mit Sekreten wie Blut und Schleim zu tun, und beim Duschen und Waschen der Pflegebedürftigen werden die Schuhe rasch nass. Deshalb müssen die Schuhe vorn und hinten geschlossen sein.

Am besten ein Schnürschuh

Ein Schnürschuh sei zudem besser als ein Slipper oder einer mit Klettverschluss, weil er individueller schließt und mehr Halt gibt, sagt Jürgen Walpert, Orthopäde an der Klinik Fleetsiel in Hamburg. Auch von den vielen Angeboten, die lediglich vorn eine geschlossene Kappe und hinten ein Riemchen haben, hält Walpert nichts: „Das gibt zu wenig Halt.“ Auch die BGW rät zu einer festen Fersenkappe.

 

Weil sie zu wenig Halt geben sind auch Crocs, Clogs und MBT-Abrollschuhe umstritten. Tanja Kostuj, Leitende Oberärztin der Abteilung Orthopädie am St. Josef-Hospital in Bochum, schwört ebenso auf geschlossene Schuhsysteme, macht allerdings eine Ausnahme: „An sehr heißen Tagen kann ich auf Stationen mit recht fitten Patienten auch mal eine offene Sandale tragen. Das ist dann besser, als wenn man zu viel schwitzt.“

 

Auf rutschfeste Sohle achten

Um Stürze zu vermeiden ist eine gut profilierte, großflächige Auftrittsohle wichtig. Außerdem empfiehlt Kostuj, alle sechs Monate „zu prüfen, ob Sie sich und Ihren Füßen ein paar neue Arbeitsschuhe gönnen“. Insbesondere wenn die Sohle schief oder abgelaufen ist, sollte man an eine Neuanschaffung denken.

 

Schweißbildung vermeiden

Am besten tragen Pflegekräfte zwei Paar Schuhe im Wechsel, weil ein Schuh fast einen ganzen Tag braucht, um wirklich durchzutrocknen. Niemals sollte er übrigens in die Waschmaschine, warnt die BGW.

 

Auch die richtigen Socken tragen zu einem guten, hygienischen Schuhklima bei: Sie sollten aus Mikrofaser oder Wolle bestehen und keine oder nur wenig Baumwolle enthalten.

 

Beim Schuh-Kauf empfiehlt sich, außerdem zu achten auf:

  • eine regulierbare Spannweite
  • ein bequemes Fußbett
  • eine dämpfende Sohle
  • ein flacher Absatz

 

Sport- und Freizeitschuhe oft gut geeignet

Wer im Internet unter dem Stichwort „Pflegeschuhe“ oder „Arbeitsschuhe Pflege“ googelt, wird von Anbietern überrannt. Die Palette an expliziten „Pflegeschuhen“ ist riesig, genauso wie die Preisspanne. Dabei betont die BGW, dass es auch zahlreiche Sport- und Freizeitschuhe für den Außenbereich gibt, die die genannten Anforderungen erfüllen. Tanja Kostuj appelliert an den „gesunden Menschenverstand“ bei der richtigen Wahl des Schuhs und auch was seine Lebenszeit betrifft: „Wie lange ein Schuh hält, hängt vom Typ ab. Aber man sollte bedenken, dass Laufschuhe auch nur ein paar Monate halten. Ein Jahr Lebenszeit ist realistisch. Hat man einen starken Schweißfuß oder kommt viel Sekret auf den Schuh, kann sie auch kürzer sein“, sagt die Orthopädin.

Preis nicht entscheidend

Keinesfalls hänge die Qualität eines Schuhs aber vom Preis ab, betont Kostuj. „Ein 150-Euro-Schuh ist nicht besser als einer für 39 Euro.“ Grundsätzlich sieht auch der Hamburger Orthopäde Walpert keinen Zusammenhang zwischen Preis und Qualität. Nur von besonders billigen Exemplaren rät er ab. Auch Jogging-Schuhe seien völlig okay. „Viele Ärzte tragen mittlerweile Joggingschuhe."

Birkenstock & Co. nicht generell gesund

Früher galten mal Birkenstocksandalen als besonders gesund. Davon ist man aber weitgehend abgekommen, zumindest gelten die sogenannten Gesundheitssandalen mit vorgeformtem Fußbett nicht mehr als generell gesund.“ Das sieht auch Jürgen Walpert so. Der Facharzt für Orthopädie an der Klinik Fleetsiel in Hamburg moniert, dass bei den „Gesundheits-Klassikern“ von Birkenstock oder Berkemann der gesunde Fuß ein vorgefertigtes Fußbett bekomme, das er aber eigentlich gar nicht brauche. Deshalb lasse ihn das Label „Gesundheitsschuhe“ in diesem Zusammenhang auch immer „zusammenzucken“. Wer einen Problemfuß habe, brauche individuelle Einlagen, kein genormtes Fußbett.

 

Zu Hause barfuß laufen

Die übliche Empfehlung, dreimal am Tag den Schuh zu wechseln aus orthopädischen Gründen, sei in der Pflege nicht praktikabel, sagt Walpert. Da sollte man lieber nach Feierabend mal in Flipflops schlüpfen, um sein Fußgewölbe zu trainieren, oder gleich barfuß laufen, wie Kollegin Kostuj es am liebsten in den eigenen vier Wänden tut. „Früher war ich immer ein entschiedener Gegner von Flipflops“, sagt Walpert. „Aber inzwischen weiß man, dass sie dem Fuß – in Maßen getragen - durchaus gut tun können.“ Auch hier sollte es allerdings nicht die ganz billige Schlappe sein, warnt der Orthopäde: „Wenn man die Sohle einmal ganz umbiegen kann, so dass Zehen- und Fersenbereich sich berühren, ist das zu viel des Guten.“

Autorin: Birgitta vom Lehn

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