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Pflege als Beruf

8 Gründe, warum Kaffeetrinken gesund ist   

Pflegekräfte trinken ständig Kaffee – stimmt das? Und wenn schon: Wir haben Studien gefunden, die Kaffeekonsum in einem guten Licht dastehen lassen – ob Depression, Karies oder Herzinfarkt 

"Gehen Sie doch mal nachmittags in ein Krankenhaus und besuchen Sie einen Angehörigen, dann sehen Sie das Schwesternzimmer, an dem ein Schild hängt mit der Aufschrift `Übergabe´. Wenn Sie die Tür öffnen, sehen Sie, wie sie Kaffee saufen", zitiert der Spiegel 2014 den Helios-Gründer Lutz Mario Helmig.

Helmig, zu dem Zeitpunkt längst bei Helios ausgeschieden, hat mit seinem Zitat einen für die Branche ungewöhnlich heftigen Shitstorm provoziert. Vermutlich mit voller Absicht. Er dürfte mit seinem Vorwurf des Herumsitzens ziemlich allein dastehen. Doch, dass Pflegekräfte leidenschaftlich gern Kaffee trinken, scheint vielen Zeitgenossen eine Binsenweisheit.

Und ganz so falsch liegen sie damit nicht: Eine aktuelle britische Studie, in der rund 10.000 Angehörige verschiedenster Berufsgruppen nach ihrem Kaffeekonsum befragt wurden, brachte den Pflegekräften den 5. Platz in der Kaffeetrinker-Hitparade ein. Auf Platz 1 – natürlich – Journalisten.

Das ist kein Grund zur Sorge: Kaffee trinken ist gesund. Pflegekräfte, die viel Kaffee trinken, tun viel Gutes für ihre Gesundheit. Was in den letzten Jahren eine Vielzahl von Studien belegt. Zuletzt hat die „New York Times“ im Juni 2021 in einem umfangreichen Report die Kaffee-Studien unter die Lupe genommen und kam zu diesem Ergebnis: „Kaffeetrinken verringert das Risiko für viele Arten von Krankheiten, einschließlich Parkinson, Melanom, Prostatakrebs und sogar Selbstmord.“

1. Krebs

Eine Metastudie der Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) kam 2016 zu dem Ergebnis, dass es keine Belege für eine krebserregende Wirkung von Kaffee gibt. Und widerlegte damit eine eigene Metastudie zwanzig Jahre zuvor, die genau das Gegenteil behauptete. Mehr noch: Kaffeetrinken senke das Risiko an Leber- oder Gebärmutterkrebs zu erkranken, so nun die neue Studie.

Dass auch das Risiko an Bauchspeicheldrüsenkrebs und Prostatakrebs zu erkranken, durch Kaffeegenuss gemindert werden kann, dafür liefern zwei chinesische Metastudien Hinweise. Und Wissenschaftler des Karolinska Instituts in Stockholm fanden heraus, dass Kaffee das Risiko für Brustkrebs senken kann.

2. Leberzirrhose 

Für regelmäßige Kaffeetrinker ist das Risiko einer Leberzirrhose um 55 Prozent geringer, Leberkrebs tritt zu 40 Prozent seltener auf – so das Ergebnis einer Langzeitstudie eines Wissenschaftler-Teams der britischen Universitäten Southampton und Edinburgh.

3. Herzinsuffizienz

Zwei Studien konnten belegen, dass jede Tasse das Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz im Laufe der Jahrzehnte um 5 bis 12 Prozent senkt. Brasilianische Wissenschaftler kamen gar zu diesem Ergebnis:

  • 1 Tasse Kaffee pro Tag verringert den Kalkscore der Herzkranzgefäße – mit dem Kalkscore wird der Verlust der Elastizität der Herzkranzgefäße gemessen – um 15 Prozent
  • 2 Tassen pro Tag reduzieren den Kalkscore um 27 Prozent,
  • 3 Tassen pro Tag reduzieren ihn sogar um 67 Prozent.

Vorsicht allerdings vor entkoffeinierten Kaffee: Da scheint sich die Gefahr einer Herzinsuffizienz sogar leicht zu erhöhen.

4. Diabetes

2019 haben Forscher der Universitäten in Göteborg und Umeå herausgefunden, dass zwei Tassen frisch gebrühter Filterkaffee ausreichen, um das Diabetes-Risiko bis zu 60 Prozent zurückgeht. Grund: Kaffee kurbelt den Stoffwechsel an und unterstützt damit die Fettverbrennung.

5. Depression

Eine Harvard-Studie zeigt, dass Frauen, die vier oder mehr Tassen Kaffee am Tag trinken, ein bis zu 20 Prozent geringeres Risiko haben, an einer Depression zu erkranken.

6. Alzheimer

Eine Studie der Universität Toronto aus dem letzten Jahr belegt, dass Kaffeetrinken Menschen mit einer genetischen Alzheimer-Prädisposition vor dem Ausbruch der Krankheit schützen kann. Und: Je dunkler die Röstung, umso größer der Schutz.

Außerdem zeigt eine aktuelle Untersuchung der portugiesischen Universität Minho: Es braucht drei Tassen Kaffee, um dem Gehirn im Alltag oder im Job einen produktiven Extra-Kick zu verpassen. So sind ausgiebige Koffein-Trinker fokussierter im Job und verfügen über ein besseres Erinnerungsvermögen. Gerade für Pflegekräfte kein schlechter Effekt.

7. Karies

Forscher der Universität von Ancona fanden heraus, dass mehrere Inhaltsstoffe des Kaffees Karies verursachende Bakterien töten und helfen, die Entstehung von schädlichen Plaque zu verhindern. Logisch: nur bei ungesüßtem Kaffeegenuss.

8. Erektionsstörungen

Drei Tassen Kaffee pro Tag schützen wahrscheinlich vor Erektionsproblemen. Männer, die täglich Koffein von 171 bis 303 Milligramm zu sich nehmen, leiden seltener unter erektiler Dysfunktion - so das Ergebnis einer Studie von Forschern der University of Texas.

Die ideale Kaffee-Menge 

Natürlich: Auch Kaffee sollte man nicht literweise trinken. Die Dosis, ab der Koffein toxisch wirkt, ist jedoch sehr hoch. Ein Erwachsener müsste schon 75 bis 100 Tassen Kaffee trinken, um die tödliche Dosis von 10 bis 14 Gramm Koffein zu erreichen – und wenn möglichst noch schwarz. „Kaffee in Maßen ist Teil einer herzgesunden Ernährung“ meint auch die American Heart Association, warnt aber vor beliebten Kaffeemix-Getränken wie Latte Macchiato, die oft reich an Kalorien, zugesetztem Zucker und Fett sind, und die positiven Gesundheitseffekte des Kaffeetrinkens wieder aufheben.

Also: Wie viele Tassen Kaffee pro Tag pushen die Gesundheit? Der Ernährungsguru Bas Kast, Autor des Millionen-Buchsellers Der Ernährungskompass, hat diese Formel parat: „Bei Espresso maximal zwei pro Tag. Wenn es Filterkaffee ist, können es bis zu fünf sein.“

Quellen

Sie möchten tiefer ins Thema eintauchen? Hier die Liste mit den Quellen, die unser Autor Hans-Georg Sausse für seinen Beitrag zusammengestellt hat:

Aage Tverdal, Randi Selmer, Jacqueline M Cohen, Dag S Thelle, Coffee consumption and mortality from cardiovascular diseases and total mortality: Does the brewing method matter?, European Journal of Preventive Cardiology, Volume 27, Issue 18, 1 December 2020, Pages 1986–1993

Shi L, Brunius C, Johansson I, Bergdahl IA, Rolandsson O, van Guelpen B, Winkvist A, Hanhineva K, Landberg R. Plasma metabolite biomarkers of boiled and filtered coffee intake and their association with type 2 diabetes risk. J Intern Med. 2020 Apr;287(4):405-421. doi: 10.1111/joim.13009. Epub 2019 Dec 9. PMID: 31814205.

Ren, Yaqi et al. Cafestol and Kahweol: A Review on Their Bioactivities and Pharmacological Properties. International journal of molecular sciences vol. 20,17 4238. 30 Aug. 2019, doi:10.3390/ijms20174238

Lai, G., Weinstein, S., Albanes, D. et al. The association of coffee intake with liver cancer incidence and chronic liver disease mortality in male smokers. Br J Cancer 109, 1344–1351 (2013). https://doi.org/10.1038/bjc.2013.405

Klatsky AL, Armstrong MA. Alcohol, smoking, coffee, and cirrhosis. Am J Epidemiol. 1992 Nov 15;136(10):1248-57. doi: 10.1093/oxfordjournals.aje.a116433. PMID: 1476147.

Wijarnpreecha K, Thongprayoon C, Ungprasert P. Coffee consumption and risk of nonalcoholic fatty liver disease: a systematic review and meta-analysis. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2017 Feb;29(2):e8-e12. doi: 10.1097/MEG.0000000000000776. PMID: 27824642.

Mancini RS, Wang Y, Weaver DF. Phenylindanes in Brewed Coffee Inhibit Amyloid-Beta and Tau Aggregation. Front Neurosci. 2018 Oct 12;12:735. doi: 10.3389/fnins.2018.00735. PMID: 30369868; PMCID: PMC6194148.

Autor: Hans-Georg Sausse

Foto: christa dodoo - unsplash

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