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Social Media

750.000 Klicks bei Tik-Tok für einen Wäscheautomaten

Viele Krankenhäuser und Pflegeheime setzen auf Social Media. Aber nur wenige sind vermutlich so erfolgreich wie das Evangelische Krankenhaus Oldenburg (EKO) – dafür gibt es einige Gründe, ein wesentlicher lautet: Vertrauen

Henny Selig liebt ihren Job, die Stadt Oldenburg, ihre Kolleginnen und Kollegen. Die Pflegefachkraft arbeitet auf der Stroke Unit im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg (EKO). Außerdem bespielt sie in Abstimmung im der Krankenhausleitung einen Krankenhaus-eigenen Kanal auf der Social Media-Plattform TikTok. „Ich möchte einfach das Arbeiten und Leben in einem Krankenhaus in seiner ganzen Komplexität zeigen. Wir stehen zu unserer Arbeit und haben nichts zu verstecken“, sagt sie. Sie versteht „ihr“ Krankenhaus als Ort des Gesundens und nicht der Krankheit, und genau das möchte sie der Welt mitteilen.

EKO hat 320.000 Facebook-Follower

Dass das Krankenhaus auf Social Media setzt, ist nicht neu: „Wir bespielen schon seit längerem Plattformen wie Facebook oder YouTube, um beispielsweise auch Live-Events anbieten zu können. Dafür gibt es extra eingerichtete Stellen in der Öffentlichkeitsarbeit“, erläutert der Chef der Kommunikationsabteilung Maik Günther. Aktuell zähle Facebook 3.500 Follower, Instagram rund 2.200. Von Printmedien nehme das EKO immer mehr Abstand, aus ökologischen, aber auch aus ökonomischen Gründen. Ein entscheidender Vorteil von Social Media ist auch die Reichweite, die gerade für die Akquise von Fachkräften nicht unwichtig ist. Das Krankenhaus hat Henny Selig sogar ein Extra-Stunden-Kontingent dafür eingeräumt.

Ein eigener Kanal auf der chinesischen Plattform TikTok ist das neueste Projekt, und es schlug schnell ein: Nach nur drei Monaten abonnierten rund 2.500 Follower den Kanal, der das Alltagsleben im Krankenhaus widerspiegelt. „Ich bin selbst auf TikTok unterwegs – wie so viele andere Menschen aus der Pflege – so kam mir die Idee dazu“, erzählt Henny Selig. Anfangs waren die Kollegen noch skeptisch, teilweise sogar misstrauisch. „Die Vorbehalte wichen aber relativ schnell nach den ersten Videos“, berichtet Henny Selig. Und diese Videos aus dem EKO gehen mitunter viral, wie etwa das Video, das die Funktionsweise des Wäscheautomaten des Krankenhauses thematisiert: Es wurde in kurzer Zeit von rund 750.000 Nutzern angeklickt.

Warum nur kommt der Wäscheautomat so gut auf TikTok an?  

„Da war ich selbst überrascht“, freut sich die Pflegefachkraft. Warum das Video so gut ankommt kann sie sich auch nicht recht erklären. Doch Überraschungen dieser Art sind nicht ungewöhnlich auf TikTok: Es passiert immer wieder, dass Videos, die eigentlich einschlagen müssten, unbeachtet bleiben, während andere, eigentlich belanglose Themen viral gehen.

Die Themen der TikTok-Videos des EKO handeln zumeist vom Alltag des Krankenhauses und seinen Akteuren, von Beiläufigkeiten, mal witzig, mal nachdenklich oder ernst – den Alltag zu zeigen, scheint bei den Jungen besser anzukommen als Werbe-Clips, Broschüren und raffinierte Websites. „Wir planen auch einen Post über unsere Leichenhalle, denn auch das gehört zum Krankenhaus-Alltag. Da wird aber noch viel über die Herangehensweise nachgedacht, nicht zuletzt, um die Pietät zu wahren.“

Für TikTok muss man schnell sprechen können

Einfach sei die Produktion eines Videos nicht, meint Henny Selig. Denn um auf der schnelllebigen Plattform wahrgenommen zu werden, dürfen die Videos nur wenigen Sekunden lang sein – und in diese gilt es dann die reichhaltige Information zu pressen. „Aber ich beherrsche das schnelle Sprechen“, sagt Henny Selig. Planung ist auch nötig: So wird regelmäßig ein Wochenplan mit möglichen Themen geschrieben, die die Social-Media-Experten dann eigenverantwortlich umsetzen. „Wichtig ist da Vertrauen in die Mitarbeiter“, erläutert Maik Günther. Denn für die normalen Genehmigungsverfahren durch die Geschäftsführung sind soziale Medien einfach zu schnell. Fragen zum Datenschutz sind natürlich im Vorfeld geklärt.

Entscheidend für den Erfolg eines Social-Media-Auftritts ist auch, dass die Kanäle betreut werden, praktisch 24 Stunden an sieben Tagen die Woche, auch, um auf etwaige Kritik schnell reagieren zu können. Zu 97 Prozent käme jedoch positive Resonanz, und eine echten „Shitstorm“ habe man bisher noch nicht erlebt. „Fest steht jedoch, dass man Social Media nicht einfach nebenbei machen kann“, sagt Maik Günther. Das müsse regelmäßig von dafür stundenweise freigestellten Mitarbeitern betreut werden, denn auch Faktoren wie die schnelle Interaktion seien entscheidend für den Erfolg. Immerhin: Bundesweit habe es das EKO unter den deutschen Krankenhäusern unter die Top 5 in Social-Media-Resonanz gebracht. Wer sich den TikTok-Auftritt anschauen möchte, muss nur den Kanal „evkrankenhaus“ aufsuchen oder einfach hier klicken.

Autor: Sven Hunger-Weiland

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