Rückenschmerzen

7 Übungen, die bei Pflegekräften besonders gut wirken

Es muss nicht gleich das Fitnessstudio sein. Mit kleinen Übungen während der Arbeit und den richtigen Tricks beim Heben können Sie eine Menge erreichen.

Inhaltsverzeichnis

Unsere Wirbelsäule ist gebaut für Bewegungen in alle Richtungen. „Deshalb ist es wichtig, zu variieren“, sagt Michael Richter, Leiter der Physiotherapie im Rückenzentrum am Michel. „Die eine perfekte Haltung gibt es nicht, gesund ist ein ständiger Wechsel.

Zauberformel fürs Heben

Man kann zum Beispiel aus den Knien heben und dabei den Rücken gerade halten. Oder man hebt aus der Hüfte, das heißt, Po raus und Rücken gerade.“ Im Grunde schadet rückenschonendes Heben und Tragen der Wirbelsäule nicht. Wichtig sei aber, so Richter, lange einseitige Arbeitshaltungen zu vermeiden und zwischen statischer und dynamischer Muskelarbeit zu wechseln. Unterstützen lässt sich das mit kleinen Übungen, die sich für Kurzpausen eignen:

  • Strecken Sie sich immer mal wieder und schieben Sie das Becken dabei nach vorne.
  • Stellen Sie sich aufrecht hin und lassen Sie erst den Kopf, dann den Oberkörper entspannt sinken, bis Sie mit beiden Händen Ihre Zehenspitzen berühren. Dadurch dehnen Sie den Rücken.
  • Kreisen Sie mit den Schultern nach vorne und dann nach hinten, um Verspannungen zu lockern.
  • Wenn Sie bei einer Tätigkeit länger stehen, tut die Fußwippe gut: Stellen Sie sich dazu hüftbreit hin und die Füße parallel zueinander. Rollen Sie sich langsam von den Fersen auf die Fußballen und wieder zurück. Machen Sie diese Übung eine Minute lang, sie fördert die Durchblutung in den Beinen.
  • Stellen Sie sich danach in Schrittstellung vor den Tisch und stützen Sie sich mit den Unterarmen darauf ab. Dehnen Sie kurz die Waden, indem Sie das vordere Bein leicht im Knie beugen und das hintere Bein strecken.

Entspannungsübungen, die den Rücken entlasten

Zu Hause helfen zusätzlich gezielte Entspannungsübungen zur Rückenentlastung:

  • Legen Sie sich dafür in Rückenlage und lagern Sie Ihre Beine auf einen Stuhl, dass sie eine 90-Grad-Beugung bilden. Wenn Sie in dieser Position etwa zehn Minuten entspannt liegen, entlasten Sie Ihre Muskulatur und die Bandscheiben.
  • Bleiben Sie in der Rückenlage, die Arme liegen neben dem Körper, die Handflächen zeigen nach oben. Die Beine sind aufgestellt. Kippen Sie die Beine nun langsam auf die eine Seite, den Kopf drehen Sie dabei zur anderen Seite. Bleiben Sie einige Sekunden so liegen und wechseln Sie dann die Seite.

Gehen Sie häufiger in die Knie

Es hilft außerdem sehr, wenn Sie sich selbst bei der Arbeit beobachten und versuchen, andauernde ungünstige Körperhaltungen zu vermeiden. Denn bei einseitigen Körperhaltungen sind die Muskeln zu lange angespannt und werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Wiederholen sich diese statischen Haltungen häufig oder dauern sie länger an, werden Schmerzstoffe ausgeschüttet, die eine zusätzliche Anspannung auslösen. Eine typische ungünstige Körperhaltung in der Pflege ist der gebeugte Oberkörper im Stehen oder beim Bücken, wenn Sie etwa einem Bewohner vom Bett in den Rollstuhl helfen. Gehen Sie in solchen Situationen in die Knie, wenn immer es möglich ist.

Sitzen Sie gerade vor dem Bildschirm

Eine Fehlstellung oder Vorerkrankung im Bereich der Wirbelsäule sowie Übergewicht begünstigen Rückenbeschwerden zusätzlich. Und auch psychische Faktoren spielen eine Rolle: So entstehen Nackenschmerzen oft durch Stress. Sind wir angespannt, ziehen wir unbewusst die Schultern hoch, was zu einer verspannten Muskulatur im Halsbereich führt. Deshalb: Prüfen Sie, ob Sie Stress im Alltag reduzieren können, etwa durch interprofessionelle Absprachen, straffere Abläufe oder ein besseres Zeitmanagement. Achten Sie darauf, Schulter- und Nackenbereich zu entlasten: Sitzen Sie bei der Dokumentation am Computer gerade vor dem Bildschirm. Der Abstand des Oberkörpers zur Tastatur sollte möglichst gering sein. Sie müssen dann nicht die Arme nach vorne strecken und entlasten so Nacken und Schultern.

Bei Schmerzen: Nicht liegen – spazieren gehen!

Meistens, in ungefähr acht von zehn Fällen, sind Rückenschmerzen unspezifisch. Das heißt, es steckt keine klar bestimmbare Ursache dahinter wie ein Bandscheibenvorfall, eine Infektion, ein Trauma oder ein Tumor. Im Prinzip sind diese Schmerzen ungefährlich und gehen in der Regel von allein wieder weg. Nur die wenigsten dauern länger als sechs Wochen. „Wenn die Beschwerden aber nach einigen Tagen nicht weniger werden oder Kraftverlust und Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen auftreten, sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen“, empfiehlt Physiotherapeut Richter. Typisch sind Schmerzen im unteren Rücken und im Schulter-Nacken-Bereich. Schmerzmittel oder Medikamente zur Muskelentspannung können die Beschwerden deutlich verringern, eine langfristige Lösung sind sie aber nicht. „Bei akuten Rückenschmerzen, die auch mit Verspannungen einhergehen können, ist es wichtig, nicht lange im Bett zu liegen, das verschlimmert den Zustand nur“, so der Physiotherapeut. Vielmehr sei körperliche Aktivität das A und O. „Wer beim Gehen beschwerdefrei ist, sollte täglich mehrere kleine Spaziergänge machen.“

Wärmflasche oder Coolpack?

Wärmeanwendungen, etwa mit Wärmflasche und Wärmepflaster oder ein heißes Bad tun dem verspannten Rücken ebenfalls gut. Doch manchmal können sie die Schmerzen auch verschlimmern, etwa wenn ein Entzündungsgeschehen die Ursache ist. Dann sind Kältepackungen ratsam: Sie wirken entzündungshemmend und können dadurch akute Beschwerden lindern. Wickeln Sie ein Kühlkissen oder Coolpack in ein Handtuch und legen sie es auf die Stelle, die am meisten weh tut.

Autorin: Julia Maier

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