Fussball-WM

7 Gründe, warum die WM gut für die Pflege ist

Eine Krankenschwester, ein Altenpfleger und ein Psychiater berichten, was während der Fußball-WM mit Pflegekräften, Patienten und Bewohnern passiert.

Inhaltsverzeichnis

Spielt die Fußball-Weltmeisterschaft eine Rolle in deutschen Kliniken und Heimen? Wird dort gemeinsam gefiebert, hebt sie die Stimmung, sorgt sie für ein neues Gemeinschaftsgefühl? Jeannine Fasold bejaht all das vehement. Sie arbeitet als Kinderkrankenschwester in einer orthopädischen Fachklinik in in Mittelfranken.

Die WM belebt die Station

„Schon wochenlang vorher fiebern die Kinder unserer Station auf die WM hin. Die Flaggen der einzelnen Teilnehmerländer werden auf der Station aufgehängt, Motto-Tage veranstaltet, Tipps abgegeben. Egal ob Junge oder Mädchen, Patient mit oder ohne Behinderung: Die WM belebt auf jeden Fall ganz erheblich die Station!“

Das Betriebsklima verbessert sich

Auch Psychiater Georg Schürgers (Foto unten), der an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg zu Motivation und Begeisterung in Unternehmen forscht, schreibt dem Fußball und der WM positive Effekte zu. „Da laufen Identifikationsprozesse ab, wenn die ganze Nation am Bildschirm sitzt und ein interessantes Thema verfolgt, das sie endlich mal nicht runterzieht. Gerade bei den vielen schlechten Nachrichten täglich hat das etwas Verbindendes im positiven Sinn, das tatsächlich das Betriebsklima verbessern kann.“

Jeder ist Fan, ob mit oder ohne Rollstuhl

Fasold staunt zudem, wie gut sich viele Kinder mit dem Fußball auskennen. Gerade bei Menschen mit Behinderungen sei Fußball ein großes Thema. „Das ist auch im Stadion so: Jeder ist eben Fan, egal ob mit oder ohne Rollstuhl. Es sitzen dort alle im selben Boot. Das zieht sich durch alle Gruppen. Fußball verbindet viel mehr als andere Sportarten. Das ist im Krankenhaus genauso.“

Das etwas andere Wir-Gefühl

Das sieht auch Schürgers so: Die Euphorie, die das ganze Land bei der WM 2006 gepackt habe, sei etwas anderes gewesen als das kollektive Boris-Becker-Fieber in den 80er-Jahren. „Tennis ist doch eher ein Narzisstensport. Fußball vermittelt dagegen ein anderes Wir-Gefühl, und das kann sich tatsächlich auf ein gutes Team in Klinik oder Heim übertragen. Kleine Events, hochemotional besetzt, sind ebenfalls positiv fürs Betriebsklima.“

Das gilt auch für die Altenpflege: Auch dort übertragt sich die lockere, euphorische Stimmung aufs Arbeitsklima, bestätigt der Altenpfleger und Blogger Dennis Zöphel (PflegeTube) aus Düsseldorf. „Das ist nicht anders als damals zur Schulzeit, als man die ganze WM-Zeit über mitfieberte“, so Zöphel. Gemeinsames Fußballgucken oder Tippgemeinschaften seien daher eine gute Sache, sagt der Psychiater.

Fußball lenkt ab und entlastet

Überdies habe es einen „entlastenden Effekt“, wenn die Aufmerksamkeit auf etwas Spannendes gelenkt werde. Schön sei eben, sagt Schürgers, dass diese Effekte bei einer Fußball-WM nicht nur die „Hardliner“ betreffen, die sich auch sonst immer für Fußball interessieren, sondern auch viele eigentlich Fußballuninteressierte, die sich durch das Großereignis WM mitreißen lassen. „Insofern hat die WM auch einen Gender-Aspekt: Viele Frauen, die sich normalerweise gar nicht für Fußball interessieren, lassen sich nun trotzdem begeistern und machen mit, etwa beim Public Viewing.“

WM schafft engere Verbindung zu Bewohnern

Und man bekommt sogar einen besseren Draht zum Patienten, wenn man ihn auf den Fußball anspreche. „Vieles lässt sich in der Grundpflege leichter machen, wenn ich meine Patienten auf den Fußball anspreche. Nicht nur Jungen, auch Mädchen lassen sich da mitziehen.“ Im Pflegeheim, gibt Zöphel zu bedenken, sei das natürlich auch eine Frage der kognitiven Möglichkeiten. Demenzkranke bekämen davon meist nicht mehr so viel mit. „Aber viele ältere Männer haben doch einen engen Bezug zum Fußball, viele haben selbst auch mal gespielt. Dann hat man ein gemeinsames Thema zwischen Bewohnern und Pflegern, das ist sehr schön.“

Mancher kommt wieder schneller auf die Beine

Die Krankenschwester Jeannine Fasold hat außerdem beobachtet, dass Kinder, die selbst gern Sport treiben, nach einer Operation schneller wieder fit werden als andere: Sie freuen sich darauf, bald wieder ihren geliebten Sport ausüben zu dürfen. „Das Gleiche gilt fürs Fernsehen: Wenn sie wissen, dass nach einer Operation ein spannendes Fußballspiel läuft, auf das sie sich freuen können, dann sind sie nachher viel schneller wieder fit.“ Fasold spricht der Fußball-WM damit sogar eine therapeutische Wirkung zu. Diese hat die Weltmeisterschaft in gewisser Weise sogar für die Pflege, meint Zöphel: „Die WM lockert den tristen Alltag bei allen Problemen, die wir in der Pflege natürlich weiterhin haben, etwas auf.“

Autorin: Birgitta vom Lehn

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