Vorstellungsgespräch

6 Fragen, die Sie unbedingt stellen sollten

Pflegefachkräfte sind begehrt. Das ist gut für die Bewerber: Sie können bei der Stellensuche selbstbewusst auftreten. Great-Place-to-Work-Botschafter Bernd Bogert erklärt, worauf es ankommt.

Inhaltsverzeichnis

Bernd Bogert ist Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste gGmbH in Hückelhoven-Brachelen. Er kennt die Sachzwänge der Träger, er weiß, ein außerordentliches Gehalt bei den meisten Altenpflegeheimen und Krankenhäusern nicht zu holen ist. Doch als Great-Place-to-Work-Botschafter steht für ihn fest: Das Recht der Menschen „auf ganz persönliches Glück“ gelte es im Betrieb anzuerkennen.

Gibt es Tarifgehalt, flexible Arbeitszeit, zusätzliche Sozialleistungen?

„Wir unterstützen die Menschen bei ihrem Streben nach diesem Glück. Sei es, dass wir hochflexibel bei den Arbeitszeiten sind, was gerade den doppelt- und dreifachbelasteten Müttern entgegenkommt, sei es, dass wir Gehälter nach Tarif zahlen. Auch bieten wir zusätzliche Sozialleistungen.“ Diese Punkte sollten Bewerber im Vorstellungsgespräch also ruhig im Blick haben und erfragen: Was ist, wenn ich mal nicht pünktlich zur Arbeit kommen kann, weil mein Kind verschlafen hat? Wie flexibel ist der Arbeitgeber? Kann ich mal früher kommen oder gehen? Gibt es eine Vertrauensarbeitszeit oder wird mit der Stechuhr gearbeitet? Hier offen Fragen zu stellen zeugt von Realitätssinn, Weitsicht und Verantwortungsbereitschaft. „Ein sehr guter Arbeitgeber unterscheidet sich durch unbürokratische Regelungen als Alleinstellungsmerkmal“, sagt auch Stefan Borgelt, Leiter Kundenberatung bei „Great Place to Work Deutschland“ in Köln.

Wird ein Studium oder eine Weiterbildung bezahlt?

Auch darf und muss der Bewerber fragen, wie es um Weiterbildung im Betrieb bestellt ist. Unterstützt die Einrichtung mich bei der gewünschten Ausbildung zur Pflegedienstleitung auch dann, wenn gerade keine Stelle im Unternehmen frei ist? Oder wird sie nur tätig, wenn sie gerade eine Stelle besetzen will? Unterstützt das Unternehmen auch ein berufsbegleitendes Studium der Pflegewissenschaft, ohne nach der konkreten und unmittelbaren Verwendung desselben zu fragen? „Im Bildungsmanagement nicht nur berufliche, sondern auch persönliche Weiterbildung zu fördern, ist ein wichtiger Schritt hin zur guten Arbeitsplatzkultur“, sagt Bogert. Darauf zu achten, könnte sich für den Bewerber also persönlich sehr lohnen.

Schwul, lesbisch, geschieden? Egal!

Ob ein Unternehmen respektvoll mit seinen Mitarbeitern umgeht, zeigt sich auch darin, ob es unerheblich ist, schwul, lesbisch, gepierct, geschieden oder sonst was zu sein. „Nicht trotz, sondern wegen unserer christlichen Ausrichtung arbeiten all diese Menschen bei uns“, sagt Borgert und zählt Respekt und Barmherzigkeit zu wesentlichen Faktoren eines guten, vertrauensvollen Arbeitsklimas. Gute Qualität in der Pflege hänge längst nicht davon ab, ob die Mitarbeiter das Abitur hätten oder nicht. Wichtiger sei vielmehr, dass sie „eine positive Haltung zu sich selbst und zu anderen“ mitbrächten. Umgekehrt darf aber auch der Bewerber auf eine respektvolle Haltung des Betriebs den Mitarbeitern gegenüber achten und gern danach fragen.

Dürfen Sie die Unternehmenskultur testen?

Weniger wichtig als das Gehalt sei den meisten Bewerbern die Qualität der Beziehungen am Arbeitsplatz, sagt Stefan Borgelt. Die Freude an der Arbeit mit Kollegen, die Wertschätzung der Arbeit, ein gesundes, faires, Betriebsklima ohne Mobbing sei vielen Bewerbern ein ganz zentrales Anliegen. Altenpflegeheime und Krankenhäuser sollten deshalb unbedingt ihre Unternehmenskultur vorstellen, und die Bewerber dürfen ruhig danach fragen. Manche Unternehmen geben den Bewerbern sogar die Möglichkeit, sich unbeobachtet von den Personalverantwortlichen mit künftigen Kollegen auszutauschen. „Extrem punkten“ kann, wer sich als Arbeitgeber positive Veränderungen für die Zukunft vorgenommen hat.

Gibt es Geld für Hund oder Sportschuhe?

Gesundheitsförderung ist ebenfalls ein Thema, mit dem ein Betrieb punkten kann und auf das der Bewerber achten darf. St. Gereon überweist jedem Mitarbeiter einmal im Jahr 120 Euro, wenn er sich nachweislich etwas gesundheitlich Gutes getan hat: Das kann die Anmeldung im Sportverein sein, eine Raucherentwöhnung, die Anschaffung neuer Laufschuhe oder auch die eines Hundes. Daneben gibt es betriebliche Entspannungsangebote wie Yoga, afrikanisches Trommeln, Rückenschule, Lauftreffe, Shiatsu, Zumba und geförderte Mitgliedschaften im Fitness-Studio. Gezielt nach solchen Möglichkeiten im Bewerbungsgespräch zu fragen, ist also durchaus ratsam.

Geht der Betrieb ehrlich mit Mitarbeiterbefragungen um?

„Kontraproduktiv hingegen ist, Mitarbeiterbefragungen mit unerwünschtem Ergebnis in der Schublade verschwinden zu lassen“, warnt Borgelt. Erfährt der Bewerber im Nachhinein davon, dass man ihm etwas vorgegaukelt oder verschwiegen hat, droht das Arbeitsverhältnis nachhaltig beschädigt zu werden. Insofern kann und sollte der Bewerber ruhig nach solchen Mitarbeiterbefragungen fragen. Das zeugt auch von hohem Interesse an und Engagement für ein gutes Arbeitsklima. „Gute Arbeitsverhältnisse bedeuten automatisch auch gute Pflege“, sagt Bernd Bogert. Daran sollte schließlich jeder Einrichtung gelegen sein.

St. Gereon – eine Einrichtung, die keine Werbung braucht

St. Gereon ist der größte Pflege-Ausbildungsbetrieb in Nordrhein-Westfalen. Auf 90 Pflegefachkräfte kommen hier 200 Auszubildende. Die Azubis bekommen pro Monat 1000 Euro, die Anfangsgehälter der ausgelernten Pflegekräfte liegen bei 2650 Euro plus Weihnachtsgeld. Praktisch alle Pflegefachkräfte wurden im Haus ausgebildet, der Ansturm auf die Ausbildungsplätze sei groß, sagt Bogert. „Wir sind in der Gegend ein Mythos. Wir brauchen gar keine Werbung zu machen, trotzdem bekommen wir jede Woche zwei bis drei Bewerbungen.“ Die angenehme Arbeitsplatzkultur in Brachelen scheint sich eben herumgesprochen zu haben.

Autorin: Birgitta vom Lehn

Foto: v.l.n.r.:Kath. Hochschule Freiburg/APS/Kath. Hoschule Mainz

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