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Berufskleidung

6 beliebte Arbeitsschuhe im Orthopäden-Check

Was taugen Birkenstock, Crocs, Sneaker & Co.? Sind sie für Pflegekräfte geeignet? Wir fragten die Orthopädin Yvonne Kollrack, Autorin des Buches „Warum wir unsere Füße auf Händen tragen sollten“

„Es ist unheimlich beeindruckend, was unsere Füße leisten“, sagt Yvonne Kollrack, Fachärztin für Chirurgie, Orthopädie/Unfallchirurgie und Sportmedizin aus Berlin. „Im Krankenhaus und in Pflegeheimen laufen Pflegekräfte mehrere Kilometer pro Schicht.“ Bis zu acht Kilometer können es sein. Die Wahl der Arbeitsschuhe ist also alles andere als nebensächlich - auch weil Pflegekräfte

  • im Notfall schnell laufen müssen
  • Stabilität brauchen, um andere zu stützen etwa, wenn sie einen Patienten aus dem Bett in den Rollstuhl umsetzen. Das stellt besondere Anforderungen an den Arbeitsschuh
  • es in Krankenhäusern oft mit feuchten Böden zu tun haben, weil mehrmals am Tag gewischt wird.

Voriges Jahr (2020) sind der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) 5.495 Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen allein aus der Altenpflege und Behindertenpflege gemeldet worden. Die BGW verweist deshalb immer wieder auf ihre acht Kriterien für sichere Arbeitsschuhe.

BGW-Checkliste: 8 Kriterien für sichere Arbeitsschuhe

Arbeitsschuhe in Pflegeberufen, so die Experten der BGW, sollten

  • vorn geschlossen sein
  • mit einer geschlossenen, festen Fersenkappe versehen sein
  • eine gut profilierte, großflächige Auftrittssohle haben
  • sich in der Spannweite regulieren lassen
  • eine leichte Dämpfung im Fersenbereich haben
  • ein bequemes Fußbett haben
  • einen flachen Absatz haben
  • aus wasserabweisendem, strapazierfähigem und pflegeleichtem Material bestehen.

„Im Alltag ist es aber so, dass man häufiger Schuhe sieht, die dem nicht ganz so entsprechen“, sagt Yvonne Kollrack. Sie sieht Pflegefachkräfte mit Abroll-Schuhen, mit Birkenstocks, Crocs und Freizeitschuhen. „Alle haben ihre Vor- und Nachteile“, sagt sie.

[Lesen Sie mehr über die 8 Kriterien der BGW in unserem Artikel 8 Tipps für den perfekten Arbeitsschuh]   

1. Crocs

„Eigentlich eine Plastikhülle mit Löchern, aber immerhin oft mit Fersenriemen, sodass sie nicht ganz vom Fuß rutschen“, urteilt Yvonne Kollrack. In puncto Hygiene seien sie gut, weil sie abwaschbar sind. Allerdings könne durch die Löcher Flüssigkeit von oben eindringen. Also kein guter Arbeitsschuh fürs Krankenhaus, wenn der Umgang mit Blut, Erbrochenem und anderen Körperflüssigkeiten zum Arbeitsalltag gehört.

Über Crocs im Krankenhaus wird seit Jahren diskutiert. So moniert der Hamburger Orthopäde Jürgen Walpert, dass der vordere Fußteil bei der klassischen Crocs-Variante zwar geschlossen sei, aber nicht dem Fuß anpassbar, weil Klettverschluss oder Schnürsenkel fehlt. Problematisch sei auch das Material aus knallbuntem Kunststoff, das kein gutes Fußklima schaffe. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel Warum Crocs nicht in die Pflege gehören

2. Abroll-Schuhe

Abroll-Schuhe haben eine wiegeförmige Sohle. Beim Gehen sollen sie wie ein Trainingsgerät für Gelenke, Muskeln und Rücken wirken. Sie sind so konzipiert, dass die Trägerin oder der Träger durch Ausbalancieren das Gleichgewicht schulen und die Muskulatur stärken können. „Aber gerade das will ich als Pflegefachkraft nicht. Wenn ich mich darauf konzentrieren muss, selbst erstmal fest zu stehen, wie will ich dann jemanden den Halt geben, den er braucht?“, fragt Yvonne Kollrack.

3. Birkenstock und ähnliche Gesundheitsschuhe

Birkenstock und Gesundheitsschuhe anderer Marken haben ein Fußbett aus relativ hartem Kork. Yvonne Kollrack: „Hier ist der Fuß nicht weich gebettet und er kann sich gegebenenfalls dem vorgefertigten Fußbett nicht gut anpassen.“ Bei manchen Modellen könne man den Schuh in der Weite nicht verstellen. Auf der anderen Seite ließen sie vorne Platz für die Zehen, das Material sei gut abschwaschbar und es gebe sie auch geschlossen.

4. Pflegeschuhe

„Was oft als Pflegeschuh beworben wird, ist oftmals mehr Effekthascherei, als dass es die Voraussetzung an einen Arbeitsschuh erfüllt. Also Augen auf beim Kauf“, rät Orthopädin Kollrack. Erfülle der Pflegeschuh aber wichtige BGW-Kriterien und sei preislich nicht abwegig hoch, könne man ihn jedoch kaufen.

5. Sneaker

Sport- und Freizeitschuhe können durchaus eine Alternative sein. Optimal wäre ein Leder-Sneaker, weil er die Hygienestandards erfüllt, atmungsaktiv ist und schnürbar, also in der Weite gut anpassbar und bequem. Aber echtes Leder sei teuer (und für veganer natürlich keine Option). Normale Sneaker sind preislich erschwinglich. Auch sie sind atmungsaktiv und schnürbar, aber nicht abwaschbar, könnten aber – je nach Modell – auch mal in der Waschmaschine gewaschen werden.

6. Holz-Clogs

Für Yvonne Kollrack sind die auf Station zum Glück seltenen Holz-Clogs das absolute No-Go. Sie seien laut, hätten durch den erhöhten Absatz keinen Dämpfschutz und hinten oft kein Riemchen. „Die Füße haben in den Schuhen keinen guten Halt.“ Ein Umknicken sei damit programmiert. „Sie genügen nicht den einfachsten Ansprüchen, weder den persönlichen des Fußes noch arbeitschutzrechtlichen.“

Yvonne Kollrack: Den perfekten Arbeitsschuh gibt es nicht

„Wer einen guten Arbeitsschuh möchte, muss Kompromisse eingehen“, sagt Yvonne Kollrack. „Alle von der BWG aufgestellten Kriterien in einem Schuh vereinigt - das gibt es nicht.“ Man müsse Prioritäten setzen.

Wo arbeiten Sie? Die Frage ist entscheidend

Für Fachkräfte im OP stehen etwa die Hygiene und die Rutschfestigkeit im Vordergrund. Das gelte zwar auch für Pflegekräfte auf Station. Aber: „Unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte sind die Bequemlichkeit und ein gutes Gefühl für den Fuß hier ausschlaggebend“, sagt Yvonne Kollrack.

Auf Station ist Bequemlichkeit ein wichtiges Kriterium

Zudem empfiehlt sie, eigene Einlagen mit einer anschmiegsamen Innensohle zu nutzen. „Wichtig ist ein bequemes Fußbett, denn man muss ja 8,5 Stunden in diesen Schuhen verbringen.“

Orthopädin Kollrack: Zwei Paar Schuhe im Wechsel tragen!

Zudem sollten Pflegefachkräfte mindestens zwei Paar Schuhe zum Wechseln haben. „Das stimuliert verschiedene Muskelgruppen, weil man durch das Wechseln des Fußbettes und die wechselnde Belastung die Muskeln an der Wade und an der unteren Extremität anders belastet.“ Die Füße würden dadurch entlastet und Muskelpartien nicht einseitig belastet. Zudem können die Schuhe so wechselweise auslüften.

So entspannen Sie Ihre Füße nach der Arbeit

„Grundsätzlich sollte man den Füßen mehr Aufmerksamkeit schenken“, sagt Yvonne Kollrack. Die Orthopädin empfiehlt ein einfaches Training: „Die schönste Übung ist eigentlich, sich auf die Zehenspitzen zu stellen und auf die Ferse abzurollen, also so eine Art Schaukel-Bewegung zu machen.“ Diese Übung dehne Zehen und die Achillessehne. Man könne auch einfach die Füße kreisen lassen, rechtsherum, linksherum und beide in die entgegengesetzte Richtung – um die Gelenke zu entspannen. Diese Übung könnte wunderbar in der Arbeitspause gemacht werden – oder am Abend zu Hause vor dem Fernseher. Und wer in der Wohnung barfuß läuft, statt in Hausschuhen, kräftigt Bänder und Muskeln.

Was bei Fuß- und Gelenkschmerzen hilft

„Hat man das Gefühl, dass Füße und Gelenke schmerzen, wirkt ein Eisbad mit Eiswürfen Wunder“, sagt sie. Die Kälte als lokales und physikalisches Mittel habe die Wirkung, dass Schmerzen und Schwellungen reduziert werden. „So kann man beginnende Entzündungen durch Überlastung vorbeugen.“ Eine Anwendungsdauer von mehr als drei Minuten entspanne zudem die Muskeln. „Was Balletttänzern nach einem Auftritt und Fußballspielerinnen nach einem Spiel hilft, ist auch gut für Pflegfachkräfte nach einem harten Arbeitstag.“

Über Yvonne Kollrack

Die Fachärztin für Chirurgie, Orthopädie/Unfallchirurgie und Sportmedizin erklärt in ihrem aktuellen Buch von 2020 Warum wir unsere Füße auf Händen tragen sollten die komplexe Anatomie der Füße und erläutert die Entstehung, Therapiemöglichkeiten und Vorbeugung häufiger Krankheitsbilder. Bisher hat sie im St. Gertrauden-Krankenhau in Berlin gearbeitet, im August wird sie leitende Oberärztin einer orthopädischen Rehabilitationsklinik in Bad Wiessee am Tegernsee.

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Foto: privat Yvonne Kollrack, Fachärztin für Chirurgie, Orthopädie/Unfallchirurgie und Sportmedizin.
Foto: jens schuenemann jps-berlin.de

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