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Altenpflege

5 Dinge, die Pflegehilfskräfte unbedingt können müssen

Im Pflegeheim werden häufig angelernte Hilfskräfte eingesetzt – meist ohne pflegerische Erfahrungen und Kenntnisse. Was müssen sie wissen und können, um einsatzfähig zu sein?

Hilfskräfte gehören in Pflegeheimen fest mit zum Team. Sie kommen aus anderen Berufen oder haben keinen Berufsabschluss und werden quasi vom Fleck weg in der Pflege eingesetzt. „Die meisten von ihnen haben keinerlei Qualifikation oder höchstens einen 6-Wochen-Kurs absolviert“, sagt Heike Jurgschat-Geer, Beraterin im Gesundheitswesen. Zwar gibt es auch einjährig qualifizierte Helferinnen, doch diese sind in der Minderzahl. „Nach heimrechtlichen Vorgaben zählen einjährig Qualifizierte nicht als Fachkraft und dürfen auch keine Medikamente stellen.“ Von daher hat es in der Praxis bislang formal keinen großen Unterschied gemacht, ob und wie gut Hilfskräfte qualifiziert sind.

Das wird sich mit dem neuen Personalbemessungsverfahren ändern. Ab Juli 2023 wird in jedem Pflegeheim individuell ermittelt, wie der Personalmix aussehen soll – abhängig vom Pflegebedarf der Bewohner. Dann wird für jedes Team die Anzahl genau festgelegt von

  • Pflegefachkräften
  • einjährig qualifizierten Pflegefachassistenten
  • angelernten Hilfskräften

„Angelernte Hilfskräfte sind dann eher für den Service und einfachere Pflegemaßnahmen zuständig, und die einjährig qualifizierten Pflegepersonen für die Pflege von bedürftigeren Bewohnern“, erläutert Heike Jurgschat-Geer, die viele Pflegeeinrichtungen berät. „Die Pflegefachpersonen erheben den Pflegebedarf und sie planen und evaluieren die Pflege.“ Diese Aufgaben sind ihnen per Gesetz vorbehalten. Die pflegerischen Aufgaben können die examinierten Pflegekräfte dann teilweise an Hilfs- und Assistenzkräfte delegieren.

In der Regel bringen Pflegehilfskräfte keinerlei Erfahrung in der Pflege mit. Deshalb müssen Pflegedienstleitungen und Wohnbereichsleitungen eine sehr gute Anleitung und ein verantwortlicher Einsatz der Hilfskräfte sicherstellen. Damit eine sichere Pflege der Bewohner gewährleistet ist, sollten die Hilfskräfte so schnell wie möglich die folgenden Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben:

1. Gute Patientenbeobachtung

Hilfskräfte müssen Veränderungen vom Normalzustand erkennen und einschätzen können. „Sie müssen gut beobachten können und wahrnehmen, wenn ein Patient oder Bewohner plötzlich kaltschweißig ist, hektisch atmet oder eine auffällige Gesichtsfarbe hat“, sagt der Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin Kay Röpke, der mehrere Jahre Pflegehelferinnen ausgebildet und auch Bücher zum Thema geschrieben hat. „Sie müssen erkennen, wenn Organe wie Herz oder Lunge nicht ordnungsgemäß funktionieren und richtig darauf reagieren, also eine Fachkraft oder auch den Notarzt rufen.“

Auch sollten sie sich mit grundlegenden Komplikationen auskennen, die im Pflegeheim auftreten können wie Dekubitus oder Mangelernährung. „Sie sollten zum Beispiel darauf achten, ob Bewohner ausreichend trinken und essen, ob sie verwirrt sind oder gangunsicher“, sagt Kay Röpke. Für eine sichere Pflege ist es sinnvoll, dass auch die Hilfskräfte an den Inhouse-Schulungen für Pflegefachpersonen teilnehmen, zum Beispiel zur Dekubitusprophylaxe, Sturzprävention oder Reanimation.

2. Den eigenen Aufgabenbereich kennen

Wichtig ist weiterhin, dass klar definiert und besprochen ist, welche Aufgaben die Hilfskräfte übernehmen sollen und was von ihnen erwartet wird. Dafür sollten sie möglichst eine feste Ansprechperson haben. Diese kann dann auch nach einer gewissen Zeit einschätzen kann, welche Aufgaben der Hilfskraft zuzutrauen sind, ohne sie zu überfordern. „Aus juristischer Sicht dürfen angelernte Hilfskräfte keine medizinische Behandlungspflege übernehmen und keine Medikamente stellen“, sagt die Beraterin Heike Jurgschat-Geer. Ansonsten dürfen sie – unter Anleitung einer Pflegefachperson – zumindest formal alle pflegerischen Aufgaben übernehmen.

Welche das sind, liegt im Ermessen der Pflegefachperson. Sie muss zum Beispiel einschätzen können, welche Bewohner von einer Hilfskraft und welche ausschließlich von einer Pflegefachperson unterstützt werden können. „Hier gibt es keine grundsätzliche Antwort, ob sich die Körperpflege, das Essenanreichen oder die Mundpflege delegieren lässt. Es kommt immer auf den Bewohner und die Hilfskraft an“, sagt der Intensivpfleger Kay Röpke. Die Pflegefachperson muss sich auch davon überzeugen, dass die Hilfskraft in der Lage ist, die Aufgabe sicher auszuführen.

Pflegehilfskräfte haben dabei ein Verweigerungsrecht. Das heißt: Werden ihnen Aufgaben übertragen, die sie nicht übernehmen dürfen oder denen sie sich nicht gewachsen fühlen, haben sie das Recht und die Pflicht, diese abzulehnen. „Viele Hilfskräfte wissen das aber nicht. Es ist daher wichtig, dass ihnen dieses Wissen vermittelt wird“, sagt Kay Röpke.

3. Basismaßnahmen der Hygiene

Hilfskräfte sollten sich mit den wichtigsten Hygienemaßnahmen auskennen. Sie sollten wissen, wie und in welchen Situationen sie sich korrekt die Hände desinfizieren, wann sie Schutzkleidung tragen sollten und wie sie Gegenstände und Flächen säubern. „Damit schützen sie die pflegebedürftigen Bewohner, aber auch sich selbst“, sagt Kay Röpke. Auch sollten sie in der Lage sein, Anzeichen einer Infektion zu erkennen, zum Beispiel Atemprobleme, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Schmerzen beim Wasserlassen, erhöhte Temperatur oder Fieber, übelriechende und/oder eitrige Wunde sowie generelle Infektionszeichen wie Rötung, Schwellung, Erwärmung, Schmerz, Bewegungseinschränkung.

Alle Pflegehilfskräfte müssen die typischen Pflichtschulungen im Gesundheitswesen absolvieren: Hygiene, Brandschutz, Arbeitsschutz und Notfallmanagement. Andere verpflichtende Schulungen sind für Hilfskräfte nicht vorgesehen.

4. Verhalten in Notfallsituationen

Da es im Pflegeheim leicht zu Notfällen kommen kann, sollten Hilfskräfte mit den wichtigsten Maßnahmen der Ersten Hilfe vertraut sein: Wie sieht das allgemeine Vorgehen im Notfall aus? Wie wird ein Notruf getätigt? Was mache ich, wenn ich einen bewusstlosen Bewohner vorfinde? Wie wird eine Reanimation durchgeführt? „Hilfskräfte müssen keine Profis in Erster Hilfe sein, aber sie sollten das können, was auch von Laien erwartet wird“, sagt Kay Röpke. Dass Pflegefach- und auch Hilfskräfte regelmäßig in Erster Hilfe geschult werden, müssen Pflegeheime auch dem MDK gegenüber nachweisen.

5. Sichere Informationsweitergabe

Ein wichtiger Punkt ist, dass die Hilfskraft ihre Beobachtungen an eine Pflegefachperson weitergibt. Wenn Auffälligkeiten auftreten, zum Beispiel eine Rötung am Steiß, ist die Hilfskraft oft die erste, die diese bemerkt. Hier sind auch die Pflegefachpersonen gefordert, diese Informationen einzufordern. „Sie müssen die Pflegehilfskräfte eng begleiten und gut anleiten“, sagt Kay Röpke. Dazu gehört auch, sie zu ermutigen, ihre Beobachtungen – so banal diese auch erscheinen mögen – weiterzugeben. „Lieber einmal zu viel Bescheid geben als einmal zu wenig.“

Auch sollten die Pflegefachpersonen sich vergewissern, dass alle Maßnahmen so durchgeführt wurden, wie sie geplant wurden. „Dafür muss die Fachkraft wissen, dass diese Begleitung und Kontrolle zu ihren Aufgaben gehört“, sagt Heike Jurgschat-Geer. Das gilt nicht nur bei aufwendigen Maßnahmen, sondern bei alltäglichen Dingen wie Essenreichen, Positionieren, Toilettengängen. „Es muss selbstverständlich sein, dass die Pflegefachperson mit draufschaut und eine individuelle Rückmeldung oder auch kollegiale Tipps gibt. Nur dann können Hilfskräfte sich kontinuierlich weiterentwickeln und zu einer sicheren Pflege beitragen.“

Autorin: Brigitte Teigeler

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