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Studien-Übersicht

4 beliebte pflanzliche Schlafmittel: Wie gut wirken sie?

Wir haben die Studien zu Baldrian, Lavendel, Passionsblume und Kamille unter die Lupe genommen. Erfahren Sie außerdem, was die Ärztliche Leitlinie bei Schlafstörungen empfiehlt  

Baldrian

Herkunft: Erste Berichte über die Pflanze stammen aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Im Mittelalter galt Baldrian als Allheilmittel gegen viele Krankheiten wie Regelschmerzen, Husten, Augenleiden oder sogar die Pest. In einem Bericht von 1478 heißt es auch: „Paldrian wasser jst gut fur daz gicht der es trinckt.“ Anwendung: Als getrocknete Wurzel, ätherisches Öl oder Tee Nachweise: Baldrian ist das am besten untersuchte pflanzliche Mittel gegen Schlafstörungen. Eine Übersichtsarbeit aus dem 2020 fand 23 Studien, in denen Baldrian eine schlaffördernde Wirkung zeigte (gegenüber einem Placebo) und 10 Studien, die keinen Effekt feststellten. Dieser Widerspruch liegt möglicherweise daran, in welche Form der Baldrian eingenommen wird: Direkt die Wurzel einzunehmen, scheint am stärksten zu wirken. Wird auch verwendet bei: Angstzuständen. Als Zutat in vielen Arzneimischungen sowie in Lebensmitteln, unter anderen, um Apfelgeschmack zu erzeugen. Shinjyo N et al. J Evid Based Integr Med. Jan-Dec 2020;25:2515690X20967323. https://doi.org/10.1177/2515690x20967323

Lavendel

Herkunft: Der Lavendel stammt aus dem Mittelmeerraum und kam mit Benediktinermönchen nach Mitteleuropa. In Deutschland gibt es einen größeren Anbau in der Nähe von Detmold – dort sieht es fast so aus wie in der Provence! Anwendung: Hauptsächlich als Öl, das aus den Blüten hergestellt wird, oder als wässriger Auszug. Auch die direkt getrockneten Blüten werden verwendet. Nachweise: Einige wenige Studien zeigen einen positiven Effekt, etwa wenn Lavendel während des Schlafs über ein Pflaster auf der Brust inhaliert wird. Arzneipflanze des Jahres 2020 Wird auch verwendet bei: Rheuma (Einreibung mit Öl), Magen-Darm-Beschwerden, Insektenabwehr. Als Zutat zum Essen und in Kosmetik und Düften. Smith Lillehei A et al. J Altern Complement Med. 2015 Jul 1; 21(7): 430–438. https://dx.doi.org/10.1089%2Facm.2014.0327

Passionsblume

Herkunft: Die über 530 Arten der Passionsblume stammen aus Süd- und Nordamerika. Als christliche Seefahrer die Blume erstmals sahen, sahen sie darin Symbole für die Leiden (Passion) von Jesus: Die die zehn Blütenblätter stehen für die Apostel ohne Judas und Petrus, der rote Nektarienkranz für die Dornenkrone, die fünf Staubblätter für die fünf Wunden. Anwendung: Verwendet werden alle Pflanzenteile außer der Wurzel, als Extrakt, Tee oder Tropfen. Nachweise: Es liegen kaum Studien vor, die die alleinige Wirkung der Passionsblume untersuchen. Wird auch verwendet bei: Rückenschmerzen, Herzbeschwerden, Magen-Darm. Essbare Früchte sind die Maracuja und Grenadillen.

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Kamille

Herkunft: Kamille ist seit dem Mittelalter als Naturheilmittel bekannt. In dem Kräuterkundebuch „Der deutsche Macer“ heißt es im 15. Jahrhundert: „Das selb hilffet gedruncken dem geswollen magen.“ Anwendung: Verwendet werden alle Pflanzenteile außer der Wurzel, als Extrakt, Tee oder Tropfen. Nachweise: Obwohl Kamille zu den beliebtesten Mitteln gegen Schlafprobleme gehört, liegen nur wenige Studien zur Wirksamkeit vor. Ein Vergleich mit einem Placebo zeigte in einer Studie von 2011 keinen Unterschied, trotz hoher Dosierung der Kamille. Wird auch verwendet bei: Kamille wird sehr breit eingesetzt, unter anderem bei Hautentzündungen, Halsschmerzen oder Magenproblemen. Zick SM et al. BMC Complement Altern Med. 2011; 11: 78. https://dx.doi.org/10.1186%2F1472-6882-11-78 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4523676/

Weitere Pflanzen wie Melisse oder Hopfen werden oft in Kräutermischungen verwendet, ihre alleinige Anwendung ist aber nicht überprüft.

[Erfahren Sie in unserem Interview mit dem Anästhesisten und Schlafexperten Martin Schlott, warum auch ein Tagebuch gegen Schlaflosigkeit helfen kann.] 

Mit Psychotherapie gegen nächtliches Grübeln

Bei anhaltenden Schlafproblemen sollte man sich an einen Arzt wenden. Zum Thema „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ gibt es sogar eine eigene ärztliche Leitlinie, also eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), auch als gut verständliche Fassung für Patienten. Darin wird als Therapie der Wahl zuerst eine Psychotherapie empfohlen, für deren Wirksamkeit gegen Schlafstörungen es gute Belege gibt.

Keine Angst: Sie müssen dabei nicht ihre ganze Kindheit bearbeiten! Die Therapie konzentriert sich nur auf die Schlafstörungen und vermittelt Techniken, um beispielsweise nächtliches Grübeln zu stoppen. Die gute Nachricht: „Die Wirksamkeit hält auch lange nach Therapieende an.“ Nur, wenn das nicht hilft, sollten Medikamente gegen Schlafstörungen zum Einsatz kommen – und immer nur kurz, da sie teilweise abhängig machen können.

Autorin: Heike Dierbach

[Auch interssant: Der Schlafforscher Info Fietze von der Charité fordert im Interview mit pflegen-online für Pflegekräfte den Powernap während der Arbeit.]  

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