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Weit verbreitet, aber von der KRINKO nicht empfohlen: Venenkatheter mit Zuspritzport, der sich leicht öffnet.  

Sepsis-Gefahr

3 häufige Fehler im Umgang mit peripheren Venenkathetern

Dass ein zentraler Venenkatheter (ZVK) ein Risikofaktor für eine Sepsis ist, leuchtet ein. Doch auch periphere Venenkatheter sind eine Gefahr, warnt Prof. Christine Geffers von Institut für Hygiene der Charité

Eine Sepsis durch eine periphervenöse Venenverweilkanüle (PVK)? Vielleicht wird das Sepsis-Risiko durch eine „Braunüle" deswegen tendenziell unterschätzt, weil das Anlegen vergleichsweise einfach ist. Zwar sind Sepsis-Fälle durch eine PVK seltener als bei einem Zentralen Venenkatheter – aber längst nicht die absolute Ausnahme: Von 100 Sepsis-Fällen durch Gefäßkatheter entsteht gut jede 5. Sepsis („Blutvergiftung“) durch einen peripheren Venenkatheter.

Laut den aktuellen Daten des STATIONS-KISS (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System) entsteht 1 Sepsis pro 10.000 Liegetage peripherer Venenkatheter (PVK). Und pro 10.000 PVK-Liegetagen kommt es zu 6 Infektionen an der Einstichstelle. "Das ist wahrscheinlich untererfasst, weil die Diagnose gar nicht so einfach ist", sagt Prof. Christine Geffers von Institut für Hygiene an der Berliner Charité. „Um eine Infektion diagnostizieren zu können, muss an der Einstichstelle schon Eiter zu sehen sein. Aber die periphere Verweilkanüle wird häufig entfernt, bevor es zu eitern beginnt, weil die Einstichstelle schon gerötet oder schmerzhaft ist."

7 von 10 Krankenhaus-Patienten erhalten peripheren Venenkatheter

Bis zu 70 Prozent aller stationär behandelten Patienten bekommen mindestens einmal einen peripheren Venenkatheter während ihres Klinik-Aufenthalts. Damit sich der Venenkatheter – häufig auch einfach als „Braunüle“ bezeichnet - nicht zu einer Sepsis-Gefahr auswächst, sollte das Pflegepersonal ein paar Dinge beachten. Es hilft dabei sich in Erinnerung zu rufen, dass die Bakterien, die eine Sepsis auslösen, auf verschiedenen Wegen ins Blut gelangen können:

  • von der Haut der Patienten an der Einstichstelle und von der Haut des Pflegepersonals
  • durch falsches Handhaben der PVK
  • durch Hygienefehler beim Verbandwechsel.

Bei der Versorgung mit einer PVK beobachtet Hygiene-Expertin Geffers drei Hauptfehler:

Fehler Nr. 1: Venenkatheter liegt zu lange

Ein dritter Fehler ist in Geffers Augen, dass PVK zu lange liegen. "Wenn ein Katheter 24 Stunden nicht benutzt wurde, dann kann er gezogen werden", sagt die Hygiene-Medizinern. "Ein abgestöpselter Katheter muss immer das Zeichen sein, zwingend die Indikation zu überprüfen, und die PVK zu entfernen, wenn die Indikation nicht fortbesteht." Dass viele periphere Zugänge nicht rechtzeitig gezogen werden, sei ein zentrales Problem, sagt Wolfgang Fahrendorf, Sepsis-Experte beim US-Konzern 3M. „Würde darauf mehr geachtet, wäre das ein enormer Gewinn.“

Fehler Nr. 2: Der falsche Venenkatheter-Typ

„Ein Riesenfehler ist, dass periphere Verweilkanülen zur Anwendung kommen, die oben einen Zuspritzport haben. Es verbietet sich eigentlich, solche PVK zu benutzen", urteilt Professor Geffers und bezieht sich dabei auf die Vorgabe der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) von 2017 (ein Venenkatheter mit Zupsritzport ist oben auf dem Foto zu sehen).

Laut KRINKO ist der Venenkatheter sicher zu verschließen, wenn er nicht benutzt wird und der Stopfen muss nach dem einmaligen Gebrauch entsorgt werden. Bei einem Zuspritzport ist der Stopfen aber nicht verschraubt, sondern nur aufgesteckt. "Wenn er einmal benutzt wurde, müsste die PVK im Grunde gezogen werden. Das ist den Patienten schlecht zuzumuten", erläutert Geffers.

Venenkatheter mit Zuspritzport: Patient kann hängen bleiben

„Außerdem können Patienten mit dem Katheter irgendwo hängen bleiben und die PVK kann sich öffnen. Das bedeutet: Sie haben einen offenen Zugang zum Gefäß." Dass periphere Venenkatheter mit Zuspritzport trotzdem gerne benutzt werden, liegt nach Geffers Erfahrung daran, dass dieser PVK-Typ sich beim Vorschieben ins Blutgefäß gut halten und führen lässt. Ein Grund, warum dieser risikoreiche PVK-Typ überhaupt in Kliniken vorrätig ist: Die Einkäufer bestellen PVK mit Zuspritzport, weil sie die Gefahren nicht kennen. Ein Punkt, der sich ändern ließe.

Fehler Nr. 3: Das falsche Desinfektionsmittel

„Ein verbreiteter Fehler ist auch, dass das falsche Desinfektionsmittel benutzt wird", sagt Geffers. Vor dem Gebrauch sollten Pflegekräfte überprüfen, dass das Desinfektionsmittel eine anhaltende Wirkung hat. Alkohol allein desinfiziert nur wenige Sekunden. Geffers: „Der Alkohol sollte mit Chlorhexidin oder Octenidin oder Jod kombiniert sein, um eine fortdauernde Desinfektionswirkung zu besitzen. Wobei Jod von den drei Wirkstoffen die schlechteste Wirkung hat."

Bitte keine Mandrins mehr benutzen!

Apropos Abstöpseln: Wenn ein peripherer Venenkatheter zwischenzeitlich ruht, muss er steril verschlossen werden. Dazu empfiehlt Hygiene-Fachfrau Geffers einen sterilen Kombi-Stopfen. Von Mandrins als Verschluss rät die KRINKO ab. Durch den langen Plastik-Dorn bestehe die Gefahr, beim Einführen von außen Erreger einzuführen, erläutert Geffers.

„Aber genauso gravierend ist, dass sich die Hersteller von peripheren Venenkathetern große Mühe geben, möglichst weiche Plastikschläuche zu entwickeln, damit die Gefäße von innen nicht zu sehr gereizt werden und sich keine Thromben bilden oder Entzündungen entstehen. Ein Mandrin ist aber aus Hartplastik und versteift quasi das weiche Plastikröhrchen. Damit wird der gefäßverträgliche Effekt zunichte gemacht."

Peripheren Venenkatheter täglich kontrollieren

Anders als früher gibt die KRINKO keine Empfehlung mehr für die Wechselfrequenz des Venenkatheters. Vielmehr gilt, dass der Zugang nur so lange liegen sollte, wie es absolut notwendig ist. „Die Indikation muss täglich überprüft werden", sagt Geffers.

Gibt es Rötungen oder Schwellungen?

Ebenfalls täglich sollten Pflegekräfte die Einstichstelle und Lage des peripheren Venenkatheters überprüfen, um eine Infektion rechtzeitig zu erkennen und eine Sepsis zu verhindern. Dabei ist es wichtig, auf Rötungen und Schwellungen zu achten. "Auch ein verhärteter Strang am Gefäß und Schmerzen des Patienten können auf eine Entzündung hindeuten", betont Geffers.

Ist der Verband verschmutzt?  

Wenn ein Gazeverband die Einschätzung per Augenschein unmöglich macht, sollte die Pflegekraft die Einstichstelle palpieren – allerdings erst nachdem sie sich sorgfältig die Hände desinfiziert hat! Bei dem Verdacht auf eine Infektion muss die PVK gewechselt werden. Das gilt auch, wenn das Fixierungspflaster oder der Verband verschmutzt oder feucht sind oder sich ablösen.

PVK anlegen – der ideale Ablauf im Überblick

1. Hände desinfizieren vor dem Kontakt mit dem Patienten. 2. Haut an der Einstichstelle desinfizieren mit einem remanenten Antiseptikum auf alkoholischer Basis. 3. Hände direkt vor dem Anlegen der PVK desinfizieren und dann Untersuchungshandschuhe zum Eigenschutz anziehen. 4. Desinfizierte Einstichstelle nicht mehr palpieren. Einmalhandschuhe sind nicht steril! 5. Einstichstelle steril abdecken.

Autorin: Martina Janning

Foto: ©LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

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