Corona

11 RKI-Empfehlungen zu Corona, die Sie kennen sollten

Reicht für mich als Pflegekraft eine Stoffmaske als Schutzausrüstung? Was ist, wenn ich zur Risikogruppe gehöre? Die wichtigsten Passagen aus den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts im Überblick

Inhaltsverzeichnis

Vielen Pflegekräften sind die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sicherlich bekannt. Aber längst nicht allen. Die pflegen-online-Redaktion erreichen immer wieder Fragen etwa zur Schutzausrüstung. Wir geben dann meistens die RKI-Empfehlungen weiter. Warum? Weil sie zwar Empfehlungen genannt werden, letztlich aber als verbindlich gelten - sprich, Behörden ziehen sie heran, wenn zum Beispiel der Verdacht besteht, dass Mitarbeiter sich infiziert haben, weil der Arbeitgeber ihnen nicht ausreichend Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt hat.

1. Welche Schutzausrüstung (Atemschutzmaske, Schutzkittel et cetera) empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) grundsätzlich für Pflegekräfte, Ärzte und anderes medizinisches Personal?

Auf Nicht-COVID-19-Stationen ist für Mitarbeiter und Patienten (soweit sie es tolerieren) ein mehrlagiger und dicht anliegender, medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) angezeigt. Dabei ist es wichtig,

  • weiterhin die Husten- und Nies-Etikette einzuhalten, weil feine Tröpfchen auch durch den Mund-Nasen-Schutz austreten können
  • den Mund-Nasen-Schutz nach jeder Schicht zu wechseln
  • den MNS sofort zu wechseln, sollte er durchfeuchtet sein, denn dann verliert er seine Schutzfunktion
  • den Mund-Nasen-Schutz nicht anzufassen
  • möglichst nicht auf Stoffmasken auszuweichen. Experten warnen eindringlich vor dem falschen Gebrauch von Stoffmasken. Einfache Stoffmasken könnten falsche Sicherheiten herstellen.

2. Welche Schutzausrüstung ist bei der Pflege von Covid-19-Patienten die richtige?

Sind Patienten mit dem neuen Coronavirus infiziert, brauchen Pflegekräfte eine vollständige Schutzausrüstung. Das bedeutet:

  • Schutzkittel
  • Einweghandschuhe
  • Visier oder Schutzbrille
  • dicht anliegende Atemschutzmaske

Im Kontakt mit SARS-CoV-2-Infizierten sind medizinische FFP2- und FFP3-Masken geboten – nur diese haben wirkliche Schutzwirkung. Man unterscheidet

  • FFP2-Maske mit Filter und mit 95-prozentigem Schutz vor festen und flüssigen Partikeln
  • FFP3-Maske mit mindestens 99-prozentigem Schutz vor Tröpfchen-Aerosolen, Viren und anderen Erregern
  • FFP3-Maske mit Respirator, speziell für Bronchoskopie und Beatmungssituationen. Allerdings sind diese Atemschutzmasken mit Ausatemventil bei immunsuppressiven Patienten kontraindiziert.

3. Was passiert, wenn nicht genügend Schutzausrüstung lieferbar ist?

Für den Fall von (nationalen) Lieferengpässen hat das Robert Koch-Institut eine gesonderte Empfehlung herausgegeben zur Wiederverwendung von MNS und FFP-Masken. Es wird detailliert beschrieben, was zu beachten ist, wenn Sie die Schutzmasken wiederverwenden. In der Empfehlung wird auch deutlich, dass die Wiederverwendung Ihnen genau gezeigt werden muss. Die bloße, erklärungslose Anweisung, die Masken häufiger zu verwenden, reicht nicht.

Ganz wichtig: Lieferengpässe sind kein akzeptabler Grund, Personal weniger gut zu schützen, als vom RKI gefordert. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel Was Corona für Pflegekräfte bedeutet, er enthält auch einen Abschnitt zu der Frage, was Pflegekräfte tun können, wenn sie sich nicht ausreichend von ihrem Arbeitgeber geschützt fühlen.

4. Wie sollte das Personal organisiert werden?

Das RKI rät zu einer festen Zuordnungen des medizinischen Personals zu einer Station oder einem Bereich und nach Möglichkeit auch zu festen Patienten. Auch empfiehlt es, die Arbeit in kleinen, festen Teams zu organisieren.

Von einem Wechsel des Personals zwischen den Stationen, rät das RKI ab. Es empfiehlt, den Kontakt des medizinischen Personals untereinander so gering wie möglich zu halten – auch in den Pausen und privat. Abstandsregel gelten auch hier.

5. Wie sollten Kliniken räumlich organisiert sein?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt eine systematische SARS-CoV-2-Testung bereits bei der Patientenaufnahme und durch die Rettungsleitstellen, um nosokomialen Infektionen zuvorzukommen. Grundsätzlich gilt es, Patienten sorgfältig drei unterschiedlichen Bereichen zuzuordnen:

  1. Es sollte ein COVID-19-Krankenhaus für schwere und kritische Fälle oder einen deutlich abgetrennten COVID-19-Bereich (kritischen Bereich) geben mit einem eigenen Zugang, einer Schleuse (semikritischer Bereich) und einem sauberen Bereich für Personal und Zulieferer. Das Personal ist hier besonders geschult.
  2. Bereich für Verdachtsfälle (Patienten mit typischen Symptomen und noch ohne PCR-Testergebnis sowie Personen aus besonderen Risikogebieten). Auf diesen Stationen sollten die Patienten untereinander möglichst keine Kontakt haben.
  3. Nicht-COVID-19-Bereich.

Die Krankenhäuser richten die Bereiche in Kooperation mit dem zuständigen Gesundheitsamt ein. Eine räumliche oder zeitliche Trennung nach diesen drei Kriterien sollte auch im Bereich der Diagnostik durchgehalten werden. Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung erhalten hier die Termine in der Diagnostik erst gegen Ende der Sprechstundenzeit. Auch in der ambulanten Pflege lassen sich die Touren nach diesen drei Kriterien aufteilen.

6. Was tun, wenn ich mich nur ein wenig schlapp fühle?

Selbstbeobachtung ist jetzt oberstes Gebot. Das RKI ruft das Personal auf, eigene Krankheitssymptome konsequent zu beobachten, um nosokomiale Infektionen zu reduzieren. Wer im Gesundheitswesen tätig ist und Symptome zeigt, wie Husten (vorkommend bei 55 % der Corona-Infektionen), Fieber (39 %), Schnupfen (28 %), Halsschmerzen (23 %) oder Atemnot (3 %), sollte zu Hause bleiben und eine Corona-Infektion schnell abklären.

Der Krankheitsverlauf nach einer SARS-CoV-2-Infektion zeigt sich unspezifisch und variiert stark. Laut RKI können auch unspezifische Symptome Hinweis auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 sein: Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Konjunktivitis, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie und Somnolenz bis hin zu Schwindel und Bluthochdruck. Nicht bei jedem Menschen müssen Fiebersymptome auftreten. Symptome können auch ganz ausbleiben.

7. Welches Händedesinfektionsmittel ist das richtige?

Im stationären und ambulanten Bereich ist der konsequente und gründliche Einsatz von Händedesinfektionsmitteln unerlässlich. Die 5 Momente der Händehygiene gemäß der WHO-Guideline sind für die meisten Pflegekräfte eine Selbstverständlichkeit.

Desinfektionsmittel sollen jeweils viruzide Wirksamkeit aufweisen, qualitativ hochwertig und unbedenklich sein (s. Epidemiologisches Bulletin 19/20: „Händedesinfektion unter den Bedingungen der SARS-Co-V-2- Pandemie“, ab Seite 13).

Außerdem empfiehlt das RKI den sorgfältigen Einsatz von Flächendesinfektionsmitteln bei der täglichen Wischdesinfektion aller Flächen, die in Handkontakt kommen. Besondere Gefahrenquellen für Schmierinfektionen sind: Türklinken und Griffe aller Art, Smartphones und Diensthandys, Nachttische, Plastikoberflächen, Finger und Hände mit Augen-, Mund- oder generell Gesichtskontakt.

Außerdem sehr wichtig: Medizinprodukte (Blutdruckmanschetten, EKG-Verkabelungen et cetera patientenbezogen gebrauchen und desinfizieren.

8. Wie entsorge ich Abfall von SARS-CoV-2-Patienten?

Einweghandschuhe und Einwegkittel werden in einem geschlossenen Behälter in der Schleuse oder noch im Patientenzimmer entsorgt.

Persönliche Schutzausrüstung wird vor dem Betreten und nach dem Verlassen des Quarantänezimmers in einer Schleuse oder einem Vorzimmer hygienisch an- und abgelegt (Tipp: eventuell mit Namen versehen, um Verwechslungen und damit Ansteckung von Kollegen zu vermeiden).

Geschirr von COVID-19-Patienten wird separat und in geschlossenen Behältern transportiert, Textilien in ein desinfizierendes Wäschereinigungsverfahren gegeben.

9. Was empfiehlt das RKI, wenn ich zur Risikogruppe gehöre?

Zur Risikogruppe zählen laut Robert Koch-Institut, Mitarbeiter

  • ab 50 Jahren
  • mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel Hypertonie, koronarer Herzerkrankung
  • mit pulmonalen Vorerkrankungen wie Asthma oder chronischer Bronchitis
  • mit Diabetes mellitus
  • mit Leber- und Nierenerkrankungen
  • mit Krebserkrankungen (und Vorerkrankungen) sowie
  • mit Immundefizienz und/oder mit hochdosierter Cortison-Therapie

Ein erhöhtes Risiko haben zudem Raucher und zu Adipositas neigende Menschen.

Pflegekräfte, Ärzte und anderes Gesundheitspersonal mit einem erhöhten Risiko für einen kritischen Krankheitsverlauf nach einer SARS-CoV-2-Exposition und mit Grunderkrankungen sollten möglichst nicht dort arbeiten (oder Touren in der ambulanten Pflege fahren), wo Patienten mit Verdacht auf oder nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion versorgt werden.

Nicht vergessen darf man aber: Es hat auch Menschen ohne Grunderkrankung und in jüngerem Alter gegeben, die an COVID-19 gestorben sind.

10. Was müssen schwangere Mitarbeiterinnen beachten?

Eine erhöhte Empfänglichkeit für eine SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft kann nicht valide ausgeschlossen werden, da sich der Körper immunologisch und hormonell auf die „anderen Umstände“ einstellt. Eine direkte Übertragbarkeit des neuartigen Coronavirus einer SARS-CoV-2-positiven Mutter auf das ungeborene Kind ist bislang nicht nachgewiesen worden. Nach neueren Studien aus China können mögliche Komplikationen im Rahmen der Geburt für Mutter und Kind (etwa Atemnot der Mutter, transciente Tachypnoe des Neugeborenen) oder eine Neugeborenen-Infektion bei einer mütterlichen SARS-CoV-2-Pneumonie nicht ausgeschlossen werden.

11. Stimmt es, dass ich im Ernstfall mit einer SARS-CoV-2-Infektion zur Arbeit herangezogen werden könnte?

Ja, in der Empfehlung Optionen zum Management von Kontaktpersonen unter medizinischem Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern bei Personalmangel gibt es tatsächlich ganz am Ende in einer Tabelle den Hinweis, dass bei relevantem Personalmangel denkbar ist, positiv getestetes Personal „in absoluten Ausnahmefällen in der Versorgung NUR von COVID-19-Patienten“ einzusetzen. Solch ein Fall ist bisher aber nicht aufgetreten (oder nicht öffentlich geworden).

(Stand: 15. Mai 2020)

Autorinnen: Melanie Klimmer/kig

Foto: SLK Kliniken

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