Corona

11 RKI-Empfehlungen zu Corona, die Sie kennen sollten

Reicht für mich als Pflegekraft eine Stoffmaske als Schutzausrüstung? Was ist, wenn ich zur Risikogruppe gehöre? Die wichtigsten Passagen aus den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts im Überblick (aktualisiert am 10. November 2020)

Inhaltsverzeichnis

[Dieser Artikel erschien zuerst im Mai 2020 und wurde am 10. November 2020 aktualisiert]

Vielen Pflegekräften sind die Empfehlungen des RKI sicherlich bekannt. Aber längst nicht allen. Die pflegen-online-Redaktion erreichen immer wieder Fragen etwa zur Schutzausrüstung. Wir geben dann meistens die RKI-Empfehlungen weiter. Warum? Weil sie zwar Empfehlungen genannt werden, letztlich aber als verbindlich gelten - sprich, Behörden ziehen sie heran, wenn zum Beispiel der Verdacht besteht, dass Mitarbeiter sich infiziert haben, weil der Arbeitgeber ihnen nicht ausreichend Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt hat.

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1. Welche Schutzausrüstung (Atemschutzmaske, Schutzkittel et cetera) empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) grundsätzlich für Pflegekräfte, Ärzte und anderes medizinisches Personal?

Im Umgang mit dem SARS-CoV-2-Virus ist vorzugehen wie bei anderen hoch ansteckenden Infektionskrankheiten (siehe Bundesgesundheitsblatt 58, 1151-1170, vom 28.9.2015, https://doi.org/10.1007/s00103-015-2234-2), die sich durch Tröpfchen und Tröpfchenkerne (Aerosole) wie

  • beim Husten, Niesen; bei lautem Sprechen, Rufen, Singen,
  • über kontaminierte Oberflächen im klinischen Umfeld,
  • über unreine Hände (siehe Punkt 7) und
  • bei Maßnahmen mit hoher Aerosolbildung (zum Beispiel in der Bronchoskopie, Zahnmedizin oder bei Intubation) verbreiten können.

Auf Nicht-COVID-19-Stationen ist für Mitarbeiter und Patienten ein mehrlagiger und dicht anliegender, medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) angezeigt (erweiterte Basishygiene primär für den Fremdschutz). Entscheidend ist, dass es sich hierbei um CE-zertifizierte Produkte mit vierstelligem Code handelt, da auch gefälschte Produkte in Umlauf sind (Anmerkung: M.K.). Dabei ist es wichtig,

  • trotzdem die Husten- und Nies-Etikette einzuhalten, weil feine Tröpfchen (Aerosole) auch durch den mehrlagigen MNS austreten können (primärer Fremdschutz und auch zum Eigenschutz).
  • den Mund-Nasen-Schutz nach jeder Schicht zu wechseln und nach jeder Durchfeuchtung, da er dann seine Schutzfunktion verliert.
  • den Mund-Nasen-Schutz nicht anzufassen (vor dem Aufsetzen und vor dem Abnehmen – wenn der MNS weiterverwendet wird – stets die Hände gründlich waschen, sowie nach der Entsorgung, siehe Abfallentsorgung).
  • möglichst nicht auf Stoffmasken auszuweichen. Experten warnen eindringlich vor dem falschen Gebrauch von Stoffmasken. Einlagige und mehrlagige Stoffmasken (und nicht richtig angelegte FFP2- und FFP3-Masken) könnten falsche Sicherheiten herstellen.

Vermehrungsfähige Viren sind in Aerosolen auch noch nach drei Stunden nachweisbar. Das RKI empfiehlt einen regelmäßigen Luftaustausch, zum Beispiel über RLT-Luftfilteranlagen. Cave: Im Praxisalltag ist regelmäßiges Lüften bei besonders vulnerablen Patienten und Bewohnern auch eine Quelle für mögliche Pneumonien, insbesondere in den kühleren Monaten.

2. Welche Schutzausrüstung ist bei der Pflege von Covid-19-Patienten die richtige?

Sind Patienten mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, benötigt eine Pflegekraft und jede andere Person am Bett, zum Beispiel Angehörige und Reinigungspersonal, eine vollständige, persönliche Schutzausrüstung. Dazu gehören:

  • Schutzkittel, bei patientennahen Pflegetätigkeiten, wie der Körperpflege, mit zusätzlicher Einwegschürze (Praxis auf COVID-19-Stationen)
  • Einweghandschuhe
  • Schutzbrille (oder Visier und dicht anliegender MNS)
  • dicht anliegende Atemschutzmaske besonders bei patientennahen Tätigkeiten mindestens FFP2, bei erwartbarer respiratorischer Exposition (Husten, et cetera) FFP3-Masken

Im Kontakt mit SARS-CoV-2-Infizierten sind medizinische FFP2- und FFP3-Masken unverzichtbar, denn nur diese haben wirkliche Schutzwirkung (gemäß der Biostoffverordnung in Verbindung mit der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe 250). Man unterscheidet

  • FFP2-Maske mit Filter und mit 95-prozentigem Schutz vor festen und flüssigen Partikeln
  • FFP3-Maske mit mindestens 99-prozentigem Schutz vor Tröpfchen-Aerosolen, Viren und anderen Erregern
  • FFP3-Maske mit Respirator, speziell für Bronchoskopie und Beatmungssituationen. Diese Atemschutzmasken mit Ausatemventil sind bei immunsuppressiven Patienten kontraindiziert und zum Drittschutz nicht geeignet.

Mehr zur Sicherheit von Atemschutzmasken finden sie in den Empfehlungen der BAuA zum Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2.

3. Was passiert, wenn nicht genügend Schutzausrüstung lieferbar ist?

Für den Fall von (nationalen) Lieferengpässen hat das Robert Koch-Institut eine gesonderte Empfehlung zur Wiederverwendung von MNS und FFP-Masken herausgegeben. Dort wird detailliert beschrieben, was zu beachten ist, wenn Sie die Schutzmasken wiederverwenden. In der RKI-Empfehlung wird deutlich, dass speziell geschultes Personal genaue Anleitung geben soll, wie MNS korrekt aufbereitet werden sollen, bevor sie wiederverwertet werden können

Ganz wichtig: Lieferengpässe sind kein akzeptabler Grund, Personal weniger gut zu schützen, als vom RKI gefordert.

4. Wie sollte das Personal organisiert werden?

Das RKI rät zur Arbeit in kleinen festen Teams und mit fester Zuordnungen des medizinischen Personals zu einer Station oder einem Bereich. Auch sollte das medizinische Personal nach Möglichkeit Patienten fest zugeordnet werden, um die Zahl der Kontakte im Falle einer Ansteckung so gering wie möglich zu halten. Von einem Wechsel des Personals zwischen den Stationen, rät das RKI dringend ab. Es empfiehlt, den Kontakt des medizinischen Personals untereinander so gering wie möglich zu halten – auch in den Pausen und privat. Abstandsregeln, Atemschutz, Niesetikette und Händehygiene gelten auch hier.

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5. Wie sollten Kliniken räumlich organisiert sein?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt eine systematische SARS-CoV-2-Testung bereits bei der Patientenaufnahme und durch die Rettungsleitstellen, um nosokomialen Infektionen zuvorzukommen. Grundsätzlich sollen Patienten sorgfältig drei unterschiedlichen Bereichen zugeordnet werden: :

  1. Es sollte ein COVID-19-Krankenhaus für schwere und kritische Fälle oder eine deutlich abgetrennte COVID-19-Abteilung (kritischen Bereich) mit separatem Zugang geben, einer Schleuse (semikritischer Bereich) und einem sauberen Bereich für Personal und Zulieferer. Das Personal ist hier besonders geschult.
  2. Daneben empfiehlt das RKI einen Bereich für Verdachtsfälle, das heißt Patienten mit typischen Symptomen und noch ohne PCR-Testergebnis sowie für Personen aus besonderen Risikogebieten. Patienten sollten auf Verdachtsstationen keinen Kontakt untereinander haben.
  3. Nicht-COVID-19-Bereich.

Die Bereiche werden in Kooperation mit dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt eingerichtet.

Auch im Bereich der Diagnostik, sollte eine räumliche oder zeitliche Trennung nach diesen drei Kriterien eingerichtet und durchgehalten werden. Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung erhalten dann die Termine in der Diagnostik erst gegen Ende der Sprechstundenzeit. – Auch in der ambulanten Pflege lassen sich die Touren nach diesen drei Kriterien aufteilen

6. Was tun, wenn ich mich nur ein wenig schlapp fühle?

Selbstbeobachtung ist jetzt oberstes Gebot. Das RKI ruft das Personal dazu auf, eigene Krankheitssymptome konsequent zu beobachten, um nosokomiale Infektionen zu reduzieren. Wer im Gesundheitswesen tätig ist und Symptome zeigt, wie Husten (vorkommend bei 55 % der Corona-Infektionen), Fieber (39 %), Schnupfen (28 %), Halsschmerzen (23 %) oder Atemnot (3 %), sollte dringend zu Hause bleiben und umgehend abklären lassen, ob eine Corona-Infektion vorliegt.

Der Krankheitsverlauf nach einer SARS-CoV-2-Infektion zeigt sich unspezifisch und variiert stark. Laut RKI können auch unspezifische Symptome Hinweis auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 sein: Kopf- und Gliederschmerzen, „Körperschmerzen“, Appetitlosigkeit, Geruchs- und Geschmacksverlust, Gewichtsverlust, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie und Somnolenz bis hin zu Schwindel und Bluthochdruck. Nicht bei jedem Menschen müssen Fiebersymptome auftreten. Symptome können auch ganz ausbleiben

7. Wie desinfiziere ich richtig?

Desinfektionsmittel sollen jeweils viruzide Wirksamkeit aufweisen, qualitativ hochwertig und unbedenklich sein (siehe Epidemiologisches Bulletin 19/20: „Händedesinfektion unter den Bedingungen der SARS-Co-V-2- Pandemie“, ab Seite 13). Auch die konsequente und korrekte Anwendung ist wichtig, damit Resistenzen vermieden und die Wirksamkeit gewährleistet ist.

Im stationären und ambulanten Bereich ist der gezielte und gründliche Einsatz von Händedesinfektionsmitteln unerlässlich. Die 5 Momente der Händehygiene gemäß der WHO-Guideline sind eine wesentliche Grundregel in der Arbeit von Pflegekräften. Bei der Händedesinfektion (nicht anders beim Händewaschen) ist die Einwirkzeit von 30 Sekunden, die Menge (etwa drei Hübe aus Desinfektionsspendern, beziehungsweise 3 Milliliter) und die gründliche Befeuchtung und Einreibung

  • der Handinnenflächen inklusive Handlinien,
  • der Fingerkuppen und Nagelfalze,
  • der Fingerzwischenräume,
  • des Handrückens,
  • des Daumens sowie
  • der Handgelenke und Unterarme

mit Desinfektionsmittel angezeigt (siehe auch Anleitung unter https://www.plum-deutschland.de/wissenswertes/wissenswertes-ueber-handhygiene)

Das RKI empfiehlt den sorgfältigen Einsatz von Flächendesinfektionsmitteln bei der täglichen Wischdesinfektion aller Flächen, die in Handkontakt kommen. Besondere Gefahrenquellen für Schmierinfektionen sind: Türklinken und Griffe aller Art, Smartphones und Diensthandys, Nachttische, Plastikoberflächen, Finger und Hände mit Augen-, Mund- oder generell Gesichtskontakt. Das Virus kann je nach Oberfläche fünf Minuten bis zu sieben Tage – bei sehr glatten Oberflächen – infektiös bleiben. Mehr Informationen des RKI finden Sie dazu unter Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen.

Sehr wichtig außerdem: Medizinprodukte, wie Blutdruckmanschetten, EKG-Verkabelungen et cetera müssen patientenbezogen oder nach jedem Gebrauch desinfiziert werden.

8. Wie entsorge ich Abfall von SARS-CoV-2-Patienten?

Einweghandschuhe, Einwegschürzen und Einwegkittel werden in einem geschlossenen Behälter in der Schleuse oder noch im Patientenzimmer entsorgt. Persönliche Schutzausrüstung wird vor dem Betreten und nach dem Verlassen des Quarantänezimmers in einer Schleuse oder einem Vorzimmer hygienisch an- und abgelegt (Tipp: mit Namen versehen, um Verwechslungen und damit Ansteckung von Kollegen zu vermeiden).

Geschirr von COVID-19-Patienten wird in geschlossenen Behältern transportiert, Textilien in ein desinfizierendes Wäschereinigungsverfahren gegeben. Matratzen sollen möglichst mit wischdesinfizierbaren Bezügen versehen sein.

9. Was empfiehlt das RKI, wenn ich zur Risikogruppe gehöre?

Zur Risikogruppe zählen laut Robert Koch-Institut, Mitarbeiter

  • ab 50 Jahren (Risiko ansteigend)
  • mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel Hypertonie, koronarer Herzerkrankung
  • mit pulmonalen Vorerkrankungen wie Asthma, chronischer Bronchitis oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung COPD
  • mit Diabetes mellitus
  • mit chronischen Lebererkrankungen
  • mit Nierenerkrankungen und bei Dialyse
  • mit Krebserkrankungen (und Vorerkrankungen) sowie
  • nach Organtransplantation
  • mit Immundefizienz und/oder mit hochdosierter Cortison-Therapie
  • mit ausgeprägter Adipositas
  • mit nachgewiesener heterozygoter Faktor V-Leiden Mutation (4-fache Thromboseneigung)

Eine schwache Evidenz gibt es für Raucher. Auch Männer haben statistisch ein höheres Risiko.

Pflegekräfte, Ärzte und andere im medizinischen Bereich tätige Personen, die aufgrund von bestehenden Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen kritischen Krankheitsverlauf nach SARS-CoV-2-Exposition haben, sollten möglichst nicht dort arbeiten (oder Touren in der ambulanten Pflege übernehmen), wo Patienten mit Verdacht auf COVID-19 (Verdachtsstationen) oder nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion (COVID-19-Stationen) versorgt werden.

Auch junge Menschen und Personen ohne Grunderkrankungen können einen schweren, unter anderem neurologischen, Krankheitsverlauf mit langwieriger Rehabilitationsphase haben und an COVID-19 versterben, daher sollte nach Möglichkeit jede Infektion vermieden werden.

10. Was müssen schwangere Mitarbeiterinnen beachten?

Eine erhöhte Empfänglichkeit für eine SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft kann nicht valide ausgeschlossen werden, da sich der Körper immunologisch und hormonell auf die „anderen Umstände“ einstellt. Eine direkte Übertragbarkeit des neuartigen Coronavirus einer SARS-CoV-2-positiven Mutter auf das ungeborene Kind ist bislang nicht nachgewiesen worden. Studien aus China zur Folge können mögliche Komplikationen im Rahmen der Geburt für Mutter und Kind (etwa Atemnot der Mutter, transciente Tachypnoe des Neugeborenen) oder eine Neugeborenen-Infektion bei einer mütterlichen SARS-CoV-2-Pneumonie nicht ausgeschlossen werden.

11. Stimmt es, dass ich im Ernstfall mit einer SARS-CoV-2-Infektion zur Arbeit herangezogen werden könnte?

In der RKI-Empfehlung Optionen zum Management von Kontaktpersonen unter medizinischem Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern bei Personalmangel wird darauf hingewiesen, dass positiv getestetes medizinisches Personal nur „in absoluten Ausnahmefällen“ in „der Versorgung NUR von COVID-19-Patientinnen und Patienten denkbar“ ist (siehe auch „COVID-19: Entlassungskriterien aus der Isolierung“). Das ist dann der Fall, wenn zum Beispiel relevanter Personalmangel vorliegt und das Gesundheitsamt die häusliche Quarantäne unter strengen Auflagen aufhebt. So gilt die Aufhebung der Quarantäne ausschließlich für die Arbeitssituation und den Weg zur Arbeit, nicht aber für den Privatbereich. Solche Einsätze von Pflegekräften sind seit Beginn der SARS-Cov-2-Pandemie immer wieder vorgekommen, so zuletzt in Mellrichstadt (Bayern).

[Lesen Sie dazu auch unseren Artikel Erstmals arbeiten Pflegekräfte mit Corona-Infektion]

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