Aktvierung und Betreuung

10 Tipps für gelungene Weihnachten in Klinik und Heim

Weihnachten muss für Patienten und Bewohner nicht traurig sein. Wie engagierte Pflegekräfte Station und Wohnbereich in eine wärmende Weihnachtswelt verwandeln

Inhaltsverzeichnis

Zuwendung heißt das Zauberwort. „Streicheleinheiten“, nennt es Heidrun Vögele, die im HNO-Bereich der Heidelberger Kopfklinik an der Uniklinik Heidelberg als Krankenschwester arbeitet. Wenn die Pfleger neben den Medikamenten auch menschliche Wärme verabreichen, muss kein Patient oder Bewohner Weihnachten in Einsamkeit oder tiefer Trauer versinken.

1. Tipp: Weihnachtsmarkt im Foyer

Heidrun Vögele weiß zudem, wie wichtig und wohltuend eine festliche Atmosphäre für die Patienten ist. So lädt im Foyer der Heidelberger Kopfklinik jedes Jahr ein kleiner Weihnachtsmarkt mit richtigen Marktständen zum Verweilen ein. Schöne Dekorationen und Lichter verbreiten Wärme auf den Stationen und im gesamten Haus.

2. Tipp: Gänsebraten und Schokoweihnachtsmann

„Außerdem dürfen die Patienten an den Weihnachtstagen ein richtiges Festessen genießen, etwa Gänsebraten oder Ente – und auf dem Tablett liegt ein Schokoweihnachtsmann“, berichtet die geborene Thüringerin. „So signalisieren wir den Patienten unsere Wertschätzung.“

3. Tipp: Adventskränze basteln und Kekse backen

Über schönen Weihnachtsschmuck können sich auch die Bewohner im Hamburger Pflegeheim Haus Flottbek-Nienstedten freuen. Und sie dürfen, sofern sie dazu in der Lage sind, bei der Herstellung von Adventskränzen oder beim Plätzchenbacken auch selbst Hand anlegen. Angebote für die Bewohner und Angebote mit den Bewohnern, so nennt Pflegedienstleiter Joachim Dauber sein Konzept.

4. Tipp: Bratapfelessen und Lichterfahrt in der Dämmerung

Wichtig auch: Die weihnachtliche Aktivitäten auf den Gesundheitszustand der Bewohner abstimmen. „Bei unseren 120 Bewohnern reicht das Spektrum vom rüstigen Senior bis zum stark eingeschränkten oder dementen Bewohner“, erläutert der Pflegedienstleiter. Man hört den Stolz in seiner Stimme, als er einige der weihnachtlichen Angebote nennt: Das reicht vom Bratapfel-Essen mit Punsch zu Beginn der Adventszeit über eine Lichterfahrt in der Dämmerung mit Bus und PKW durch die Hamburger Elbvororte bis zu einer Andacht am Heiligabend.

5. Tipp: Patienten, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte feiern am RKU gemeinsam

Feierlich wird es auch für die Patienten des Querschnittgelähmtenzentrums Ulms am RKU, die gemeinsam mit den Pflegekräften und Ärzten der Abteilung sowie ihren Angehörigen an einer kleinen Weihnachtsfeier teilnehmen können. An der musikalischen Begleitung beteiligt sich auch Dr. Yorck-Bernhard Kalke, Sektionsleiter. Dazu gibt es eine Weihnachtsgeschichte und die ein oder andere Leckerei.

Patienten, die nicht an der Feier teilnehmen können freuen sich auf eine besondere Weihnachts-Visite und erhalten so auf diesem Weg ihr Geschenk: einen Kalender für das neue Jahr, der für die Botschaft „auch mit Querschnittlähmung geht es weiter“ steht.

6. Tipp: Heiligabend zählt gerade für Demenzkranke das Gruppengefühl

Wichtig für demenzkranke Bewohner sei es, sich in einer Gruppe aufgehoben zu fühlen, betont der Psychologe Martin Hamborg, der an den Kieler Servicehäusern der AWO arbeitet. Dies kann die Gruppe der Bewohner sein, aber auch die Familie, die ins Pflegeheim kommt, um dort gemeinsam zu feiern – die Zimmer in den AWO-Einrichtungen sind groß genug dafür, sagt Hamborg.

7. Tipp: Für sehr Pflegebedürftige ist weniger mehr

Fragt man nach Angeboten, die nicht so gut funktioniert haben, nennt Dauber die Großweihnachtsfeiern für alle Bewohner. Er hält es für sinnvoller, wenn die rüstigen und die weniger beweglichen Bewohner getrennt feiern.

„Für die pflegebedürftigeren Menschen ist weniger eindeutig mehr“, sagt Dauber. „Einer Spieluhr mit einem Weihnachtslied zu lauschen oder den Duft einer Orange zu spüren kann dagegen sehr genussvoll sein.“

8. Tipp: Akzeptieren Sie frühen Aufbruch oder Rückzug

Wenn Heimbewohner an den Feiertagen das Heim verlassen und Angehörige besuchen, kann es passieren, dass sie bald wieder zurück wollen. Das sollte die Gastgeber sind kränken, so Psychologe Hamborg.

9. Tipp: Reden Sie über alte Zeiten

Ein weiterer Ratschlag von ihm: Rufen Sie unbedingt Ihre Verwandten im Pflegeheim an oder kommen Sie zu Besuch. Aber akzeptieren Sie es auch, wenn Menschen sich zurückziehen wollen oder um Verstorbene trauern. Allerdings kann ein Gespräch über die alten Zeiten die Trauernden auch wieder aufheitern.

10. Tipp: Wie Mitarbeiter in Stimmung kommen

Für Stationsleitungen und Wohnbereichsleitungen lohnt es sich auch, die Mitarbeiter in den Blick zu nehmen: Mit unwilligen oder genervten Pflegern und Pflegerinnen müssen es Patienten oder Bewohner an den Festtagen keineswegs zu tun haben. „Wir erstellen unsere Personalplanung für Weihnachten und Silvester ein Jahr im Voraus, damit es keine Diskussionen und böse Überraschungen gibt“, sagt etwa Helene Maucher, Pflegedirektorin an den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU ).

Nicht ungewöhnlich ist, dass Pfleger entweder Weihnachten oder um den Jahreswechsel herum frei nehmen können – und nicht wenige feiern lieber ausgiebig Silvester als Weihnachten. Das bestätigt auch Heidrun Vögele, die im Hals-Nasen-Ohren-Bereich an der Heidelberger Kopfklinik als Krankenschwester arbeitet. „Die Personalsituation ist gut, wir haben an den Feiertagen sogar mehr Zeit für die Patienten als sonst“, so die erfahrene Fachkraft.

Autor: Michael Handwerk

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