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Tarifverhandlungen öffentlicher Dienst

10 Prozent mehr Gehalt für Intensivpflegekräfte

Aber auch alle anderen Pflegekräfte im öffentlichen Dienst profitieren von den Tarifverhandlungen - sie verdienen bald bis zu 8,8 Prozent mehr

Mit der Einigung der Tarifpartner im öffentlichen Dienst am 25. Oktober steigen die Gehälter und Zulagen für Pflegekräfte in den nächsten zwei Jahren deutlich. Nach Mitteilung der Gewerkschaft Verdi sieht der Tarifabschluss für Pflegekräfte in der niedrigsten Entgeltgruppe ein Plus von 4,5 Prozent vor. In der höchsten Tarifgruppe sind es 3,2 Prozent. Mit allen Zulagen und je nach Besoldungsgruppe kann eine Pflegefachkraft damit bis zu 8,85 % mehr verdienen. Noch mehr erhalten die Intensiv-Pflegekräfte: Hier kann die Erhöhung bis zu 10, 05 % betragen. Der Tarifabschluss gilt bis Ende 2022.

[Sie interessieren sich für die besondere Arbeitssituation in der Intensivpflge oder fragen sich, warum es zu wenige Intensivpflegekräfte gibt? Dann lesen Sie unser Interview mit Tilmann Müller-Wolff von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)]     

Die erste Gehaltsanhebung für Pflegefachkräfte gibt es zum 1. April 2021 mit 1,4 Prozent, mindestens aber 50 Euro. Am 1. April 2022 gibt es dann weitere 1,8 Prozent mehr. Auszubildende sollen monatlich 25 Euro mehr erhalten.

Drei neue Zulagen für alle Pflegekräfte

Dazu wurden drei Zulagen neu vereinbart:

  • die bisherige monatliche Intensivzulage wird auf 100 Euro erhöht (bisher 46,05 Euro)
  • die Wechselschichtzulage steigt von 105 auf 155 Euro
  • neu ist die Pflegezulage: Ab März 2021 werden 70 Euro gezahlt, 2022 dann 120 Euro. Damit kann zum Beispiel eine Pflegefachkraft im Krankenhaus (Tarifgruppe 7) mit allen Zulagen im Jahr 2022 bis zu 300 Euro mehr verdienen.

Altenpflege wird so gut vergütet wie Krankenpflege

Betreuungseinrichtungen wie Altenheime werden künftig mit den kommunalen Krankenhäusern gleichgestellt. Die neue Pflegezulage in Heimen wird sogar um 25 Euro erhöht. Allerdings gibt es nicht viele Pflegeheime in kommunaler Trägerschaft.

Außerdem sollen alle Tarifbeschäftigten noch dieses Jahr eine einmalige Corona-Prämie erhalten. Sie ist nach Entgeltgruppen gestaffelt und beträgt 600 Euro für die Gruppe 1-8, für die mittlere Gruppe (9-12) 400 Euro und 300 Euro für die oberen Gehaltsgruppen (13-15). Auszubildende erhalten 225 Euro (Bund 200 Euro).

DBfK und Pflegekammer fordern 4.000 Euro Einstiegsgehalt

Während die Arbeitgeberseite betont, „der Tarifabschluss bewege sich an der Grenze des finanziell Verkraftbaren“ (Innenminister Horst Seehofer, CSU), spricht Verdi-Verhandlungsführer Frank Werneke von einem „respektablen Abschluss mit deutlichen Verbesserungen im Bereich Pflege und Gesundheit“. Dagegen kritisiert die Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Christel Bienstein, es sei „wieder nicht gelungen, den Heilberuf Pflege leistungsgerecht zu vergüten“. Immerhin sei nun die Gleichstellung von Pflege-Gehältern in Krankenhäusern und Pflegeheimen erreicht. Doch für die Tarifsteigerungen wäre noch Luft nach oben gewesen. Der DBfK und auch die Pflegekammer Rheinland-Pfalz fordern schon seit über einem Jahr ein Grundgehalt von 4.000 Euro beim Berufseinstieg egal, ob in Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege.

Autor: Johannes Kornacher

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