Foto: Henrik_Lagercrantz/Unsplash

Expertenstandard

10 Dinge, die Pflegekräfte über Mundpflege wissen müssen

Erstmals gibt es einen Expertenstandard zur „Mundgesundheit“. Er berücksichtigt neue wissenschaftlichen Erkenntnisse und ist bindend: Der Medizinische Dienst (MD vormals MDK) prüft, ob Pflegekräfte ihn auch umsetzen        

„Erhaltung und Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ – so heißt ein neuer, erstmalig erschienener Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Wir haben die zehn wichtigsten Punkte zur Mundpflege zusammen gefasst:

  1. Eine fluoridhaltige Erwachsenen-Zahnpasta, eine Zahnbürste und ein Mundspülbecher gehören zur Ba- sis-Ausstattung für die Mundpflege bei Erwachsenen.
  2. Bei empfindlichem Zahnfleisch wird eine weiche Zahnbürste besser toleriert – sie sollte regelmäßig (spätestens alle vier Wochen oder bei starken Abnutzungserscheinungen) ausgetauscht werden.
  3. Zahnprothesen sollten – abgestimmt mit dem Zahnarzt und wenn dies vom betroffenen Menschen toleriert wird – über Nacht außerhalb vom Mund trocken gelagert werden.
  4. Zahnprothesen müssen nachts aber nicht unbedingt aus dem Mund herausgenommen, aber zur Nacht sorgfältig gereinigt werden.
  5. Zahnprothesen können unbedenklich mit Zahnpasta und Zahnbürste, noch besser mit einer speziel- len (harten) Zahnprothesenbürste geputzt werden.
  6. Wird Haftcreme für Zahnprothesen verwendet, kann diese mit Kompressen von der Prothese und auch von den Schleimhäuten entfernt werden.
  7. Reinigungstabletten, in warmem Wasser aufgelöst, können zusätzlich zur mechanischen Reinigung von Zahnprothesen genutzt werden: bei Menschen mit hoher Aspirationsgefahr beziehungsweise bei immunsupprimierten Menschen täglich, sonst jeden zweiten oder dritten Tag. Die Reinigung erfolgt für 10 bis 15 Minuten, danach die Prothese mit Wasser abspülen. Die chemische Reinigung mit der Tablette ersetzt nicht die mechanische Reinigung!
  8. Mit Kompressen lässt sich der Mund sehr gut auswischen oder auch befeuchten. Bei bezahnten Menschen gelingt das Auswischen ohne Verletzungsgefahr, indem die Kompresse um die Zahn- bürste gewickelt wird („Zuckerwatte spielen“).
  9. Es gilt, Aspiration bei der Mundpflege zu vermeiden und ergonomisch zu arbeiten. Wie es geht, zeigen der You-Tube-Kanal mund-pflege-3D und mund-pflege.net.
  10. Darauf achten, dass der Pflegebedürftige regelmäßig, am besten zweimal im Jahr, vom Zahnarzt gesehen wird (Bonusheft) – auch wenn subjektiv oder objektiv keine Probleme mit den Zähnen be- stehen und die tägliche Mundpflege gut gelingt.

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Lesetipp: Mundpflege-Website speziell für Pflegekräfte

Die Website mund-pflege.net basiert unter anderem auf dem Expertenstandard und richtet sich explizit an Pflegefachkräfte. Das Portal greift als Informations- und Schulungsplattform alle pflegerisch relevanten Fragen auf. Zu den Inhalten zählen anatomische Grundlagen, Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit sowie die verschiedenen Formen von Zahnersatz. Ein besonderes Merkmal ist die Vielzahl an Fallbeispielen von Auffälligkeiten im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich.

Neben Pflegemitteln und deren Anwendung zeigt die Plattform zudem Pflegeszenen zur ergonomischen Unterstützung der Mundpflege. Außerdem gibt es Information über spezielle Probleme wie Mundpflege bei Demenz, Mundtrockenheit oder Mukositis. Hinweise zu Notfallsituationen, zur Zahnarztsuche sowie zur Pflegeausbildung und Fortbildung runden das Angebot ab. Der Zugang ist auf allen digitalen Endgeräten kostenfrei möglich.

Autorin: Nicole Lindgens

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