Olpe/ Wuppertal – Die Angebote der Kinderhospizarbeit entsprechen überwiegend
den Bedürfnissen von lebensverkürzend erkrankten Kindern und ihren Familien.
Allerdings gibt es in mehreren Bereichen noch Verbesserungsbedarf. Das ist das
Ergebnis der ersten umfassenden Studie zur Qualität der Kinderhospizarbeit in
Deutschland. Ein Forscherteam um Prof. Sven Jennessen (Hochschule für
Angewandte Wissenschaft und Kunst, Hildesheim/Holzminden/Göttingen) hatte drei
Jahre lang mehr als 600 betroffene Eltern, erkrankte Kinder, Jugendliche und
Mitarbeiter von ambulanten und stationären Einrichtungen befragt. Die Untersuchung
wurde in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhospizverein e.V. vorgenommen und
am 10. Juni in Wuppertal vor Beginn einer Fachtagung vorgestellt.
Ein Problem sei die Kommunikation zum Thema Sterben, Tod und Trauer sowohl in
den ambulanten als auch in den stationären Kinderhospizeinrichtungen, berichteten
Eltern und Jugendliche in der Befragung. So sagten fast 28 Prozent der Eltern, dass
sie am häufigsten mit anderen Müttern und Vätern über diese Themen sprachen.
Von Seiten der Mitarbeiter gebe es zwar eine offene, aber eher passive Haltung.
„Das erschwert die Kommunikation über existentielle Themen, die in einem
ambulanten Dienst oder einem stationären Kinderhospizpiz selbstverständlich sein
sollten“, so Petra Stuttkewitz vom Vorstand des Deutschen Kinderhospizverein. e.V.
Dennoch wünschen sich 95 Prozent der befragten Eltern, dass auch nach dem Tod
ihres Kindes die persönlichen Kontakte zu den Mitarbeitern bestehen bleiben.
Die Pflege der lebensverkürzend erkrankten Kinder in Kinderhospizen sei
empathisch, sensibel und bedürfnisorientiert. Ein erstaunliches Ergebnis der
Untersuchung sei es, dass nach Ansicht der Eltern allerdings die
sonderpädagogischen und therapeutischen Angebote für die erkrankten Kinder und
Jugendlichen zu wünschen übrig lassen. Während die Geschwister oftmals aus
vielen kreativen Vorschlägen auswählen könnten, gebe es für die erkrankten Kinder
häufig lediglich standardisierte Angebote. Ein Grund dafür sei, dass es an
sonderpädagogischer Kompetenz mangele, um auch außerhalb der Pflege
anregende und interessante Aktivitäten für die erkrankten Kinder und Jugendlichen
zu gestalten.
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Kinderhospizarbeit ist weiblich. Auf allen Ebenen
und in allen sämtlichen Angebotsbereichen wird Kinderhospizarbeit maßgeblich von
Frauen gestaltet. Auch die ehrenamtlichen Begleiter sind fast ausschließlich Frauen.
Die betroffenen Kinder, ihre Geschwister und Eltern sind jedoch zur Hälfte männlich.
„Es ist daher erforderlich, mehr professionelle und ehrenamtliche Männer für die
Kinderhospizarbeit zu gewinnen, um auch die Jungen und Jugendlichen
angemessen zu begleiten“, sagte Prof. Jennessen. „Das ist umso wichtiger, weil
auch die Bedeutung der Jugendhospizarbeit in den kommenden Jahren weiter
zunehmen wird. Wir müssen mehr Männer vor allem aus sozialen Berufen für die
Kinderhospizarbeit gewinnen. Denn sie haben einen anderen Zugang zu den
speziellen Interessen von männlichen Jugendlichen und sind die Voraussetzung für
eine gendersensible Pflege“, forderte Jennessen.
Die gewonnenen Erkenntnisse sind für die Weiterentwicklung der Kinderhospizarbeit
sehr wichtig. Denn es geht unter anderem um Qualitätsleitlinien, die
Personalentwicklung und darum, wie der Bedarf in Zukunft aussieht.
Weitere Informationen zum
Projekt gibt es im Internet unter:
www.uni-oldenburg.de/Kinderhospizprojekt
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse können Sie
hier einsehen (pdf-Datei).
Text: Pressemeldung des Deutschen Kinderhospizvereins e.V.:
www.deutscher-kinderhospizverein.de
Der Deutsche Kinderhospizverein e.V. wurde im Februar 1990 von betroffenen
Familien gegründet, um das Thema schwerstkranke und sterbende Kinder aus
einem Tabubereich herauszuholen und das erste deutsche Kinderhospiz in Olpe auf
den Weg zu bringen. Der bundesweit aktive Verein betreibt inzwischen 16 ambulante
Kinderhospizdienste, einen davon in Kooperation mit einem anderen Träger. Unter
seinem Dach bietet die Deutsche Kinderhospizakademie jährlich 50 Seminar-,
Begegnungs-, Tagungsangebote und Weiterbildungen an.
In Deutschland leben etwa 22 000 Kinder und Jugendliche mit einer
lebensverkürzenden Krankheit. Etwa 1 500 von ihnen sterben pro Jahr an
unheilbaren Krankheiten, davon 500 an Krebs.
Quelle: Medienbüro Heiner Brock (
www.heinerbrock.de)