Es gibt in Deutschland deutlich weniger Pflegepersonal als bisher
angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die am 18. Januar in
Berlin vom Deutschen Pflegerat vorgestellt wurde. Während die
Gesundheitspersonalrechnung des Statistischen Bundesamtes für 2009 insgesamt ca.
1,5 Mio. Beschäftigte in Pflegeberufen ausweist, kommt die Studie zu dem Ergebnis,
dass die tatsächliche Zahl lediglich bei ca. 1,2 Mio. lag.
Die Angaben der Gesundheitspersonalrechnung basieren zu einem wesentlichen Teil
auf der Hochrechnung von Daten des Mikrozensus, einer 1 %-Haushaltsstichprobe.
Dieses Vorgehen sei zu ungenau und führe offenbar zu einer Überschätzung des
tatsächlichen Personalbestandes insgesamt um ca. 25 %, so der Autor der Studie,
Professor Michael Simon von der Fachhochschule Hannover. Bei der Zahl der
dreijährig ausgebildeten Pflegefachkräfte liege das Statistische Bundesamt sogar um
fast 50 % über dem tatsächlichen Wert. In seiner Studie hat Simon die Daten amtlicher
Teilstatistiken analysiert, die deutlich zuverlässigere Angaben enthalten, da sie auf
Vollerhebungen aller Einrichtungen basieren.
Die Analyse der Daten amtlicher Statistiken ergab zudem, dass es 1999-2009 zwar
einen Beschäftigungszuwachs in der Pflege gab, dieser aber vor allem auf eine starke
Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen ist. Während die Zahl der
Beschäftigten in Pflegeberufen um ca. 200.000 oder 23 % stieg, nahm die Zahl der
Teilzeitbeschäftigten um 210.000 oder 60 % zu. Mittlerweile sind mehr als 50 % aller
Pflegekräfte nur teilzeitbeschäftigt.
Der starke Anstieg der Teilzeitbeschäftigung in der Pflege ist laut Studie nicht primär
auf familiäre Gründe der Pflegekräfte zurückzuführen. Hauptgrund sei vielmehr, dass
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen frei werdende Stellen in den letzten Jahren
zunehmend nur noch als Teilzeitstellen ausschreiben. So kann Personal flexibler
eingesetzt und können Personalkosten gespart werden. Zudem führt die gestiegene
Arbeitsbelastung in Krankenhäusern offenbar dazu, dass zunehmend mehr
Pflegekräfte ihre Arbeitszeit aus gesundheitlichen Gründen reduzieren.
Die Studie „Beschäftigte und Beschäftigungsstrukturen in Pflegeberufen – Eine
Analyse der Jahre 1999 bis 2009“ steht zum Download bereit unter
www.deutscher-pflegerat.de (Rubrik: Aktuelles).
Quelle: Deutscher Pflegerat e.V. (
www.deutscher-pflegerat.de)