Neben dem demografischen Wandel verstärken die unattraktiven Gehälter in den
östlichen Bundesländern den dortigen Mangel an Pflegefachkräften. Der Arbeitgeber
und BerufsVerband Privater Pflege e.V. (ABVP) fordert die Verantwortlichen der Politik
auf, insbesondere in der ambulanten Pflege Rahmenbedingungen zu schaffen, welche
eine bundesweite Angleichung der Gehälter in der Pflege ermöglichen. Dazu ist ein
mutiger und zielorientierter Schritt in der Vergütung der Häuslichen Krankenpflege
durch die Krankenkassen erforderlich. Die Landesmitgliederversammlung des ABVP
in Thüringen hat eine entsprechende Resolution verabschiedet und appelliert an die
Verantwortlichen der Kostenträger und der Politik, sich den verschärften Problemen
jetzt zu stellen.
„Wir müssen die gescheiterten Konzeptionen des regionalen Niedriglohns – jedenfalls in der
dafür ungeeigneten Pflegebranche - überwinden,“ erklärt Dirk Wiederhold, Vorsitzender des
ABVP e.V., „20 Jahre nach dem Mauerfall gibt es keine Gründe mehr, warum für die gleiche
Pflegequalität – bundesweit - nicht annähernd gleiche Vergütungen gezahlt werden. Wenn
die Vergütungen in Thüringen jetzt um 20 Prozent erhöht würden, hätte man das
durchschnittliche westliche Niveau noch immer nicht erreicht.“
Da eine Vergütungserhöhung im Bereich der Pflegeversicherung ausschließlich zu Lasten
der bereits in Anspruch genommenen Verbraucher gehen würde, seien zunächst die
Krankenversicherungen in der Pflicht. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, die Zukunft der
Pflege zu sichern. Die Pflegebedürftigen in den östlichen Bundesländern hätten den gleichen
Anspruch auf Versorgungsdichte und Versorgungsqualität.
„Die Aussicht auf jahrelange Schiedsverfahren und die damit verbundene Stagnation
zwangen die Verbände der Pflege, sich in Vergütungsverhandlungen immer wieder
unangemessene Kompromisse diktieren zu lassen. Die zwischenzeitlich von der
Rechtsprechung aufgelöste, starre Kopplung an die Grundlohnsummentwicklungsstatistik für
Arbeitnehmer, die im Osten oftmals sogar unterschritten wurde, hat zu einer zunehmenden
Spaltung der Vergütungen in Ost und West gesorgt,“ fasst Rudolf Pietsch (ABVPGeschäftsstelle
in Erfurt) die Verhandlungen der letzten Jahre zusammen. „Die Ärzte- oder
Arzneimittelvergütungsentwicklungen, welche einen viel größeren Anteil an den Kosten des
Gesundheitswesens haben, wurden durch diese Argumente der Krankenkassen sowieso nie
ernsthaft beschränkt. Wer die Pflege in Thüringen für die Zukunft sichern will, muss nun
Einfluss auf die Vergütungsrahmenbedingungen nehmen!“ so Pietsch. Eine Erhöhung der
Vergütungen um 20 Prozent wäre ein richtiger Schritt in die Gestaltung der Pflegezukunft.
Der Wortlaut der in Thüringen verabschiedeten Resolution ist beigefügt und kann auf der
Homepage des ABVP unter
www.abvp.de abgerufen werden.
Quelle: Arbeitgeber- und BerufsVerband Privater Pflege e.V. (
www.abvp.de)