Caritas nach 60 Prüfungen: Pflegenoten nur halbe Wahrheit / Gleiche Küche je nach Prüfer sehr gut oder mangelhaft
Münster (cpm). Dass an der Findung der Pflegenoten noch gearbeitet werden muss, zeigt sich im Detail an einem Beispiel im Kreis Steinfurt: Zwei direkt nebeneinanderliegende Altenheime, gleicher Träger, eine gemeinsame Leitung, gleiches Konzept. Das Essen kommt aus einer gemeinsamen Küche und erhält von dem einen MDK-Prüfer ein sehr gut, von dem anderen ein mangelhaft. Auch bei weiteren Prüfkriterien gibt es bei identischen Antworten diesen Notenspagat. Für die Caritas in der Diözese Münster zeigt sich nach der Prüfung von 60 der fast 190 katholischen Altenheime, dass "der Prüfkatalog mit heißer Nadel gestrickt ist und nur einen Teil der Qualität erfasst", erklärt Altenhilfe-Referent Hermann Depenbrock. Gegen unangemeldete Besuche und Benotungen an sich ist aus Sicht der Caritas nichts einzuwenden, aber im Detail muss noch "kräftig nachgebessert werden", fordert Hedwig Overhoff, zuständig für die 90 Sozialstationen des Verbandes in der Diözese.
Die bislang erreichte Durchschnittsnote aller 60 geprüften Einrichtungen von 2,8 befriedigt deshalb nicht, auch wenn die Bewohner eine "Eins mit leichtem Minus", exakt 1,17, vergeben. Natürlich gebe es im Einzelfall noch Verbesserungsbedarf. Insoweit die Prüfung dafür Hinweise gebe, würden diese gerne aufgegriffen. Aber ein Gutteil der insbesondere in den Bereichen Pflege und Betreuung demenzkranker Bewohner schlechteren Notendurchschnitte von 3,1 beziehungsweise 3,3 sei auf Fragen zurückzuführen, die wenig mit der Praxis zu tun hätten. Bewertet werde zudem zu wenig die tatsächliche Arbeit. Gute Noten gebe es nur, wenn sie schriftlich dokumentiert sei.
Problematisch sei das Verfahren auch bei der Beurteilung von Wohnformen, die vom stationären Altenheim abwichen, so Depenbrock: "Die Besonderheiten der Kurzzeitpflege oder von Hausgemeinschaften werden nicht berücksichtigt." Rechtliche Schritte empfiehlt der Diözesancaritasverband seinen Mitgliedseinrichtungen allerdings nur, wenn es offensichtliche und belegbare Fehler im Prüfverfahren gegeben hat.
Auf politischer Ebene will sich die Caritas allerdings dafür einsetzen, dass die Mängel im Prüfverfahren behoben werden, damit die tatsächliche Qualität für die Bewohner ermittelt werden kann. Zu kurz kommen für Hermann Depenbrock vor allem die Bereiche, die den Bewohnern wichtig sind und die sich in ihren guten Beurteilungen widerspiegeln: "Gute, tragfähige Beziehungen, eine annehmende Haltung der Mitarbeiter und eine insgesamt warmherzige Atmosphäre." Nur wenn das Gesamtbild richtig erfasst werde, könnten die im Internet veröffentlichten "Pflegenoten" alten Menschen und ihren Angehörigen Orientierung geben. "Auf keinen Fall können die sie persönliche Gespräche mit Leitung, Mitarbeitern und Bewohnern ersetzen", rät Overhoff bei der Suche zu einem Besuch der Einrichtungen. Dafür stünden die Caritas-Altenheime jederzeit offen und begrüssten diese Form der Auswahl.
Für den Bereich der ambulanten Dienste der Caritas liegen noch keine Ergebnisse vor. Mit den Prüfungen dort hat der MDK erst im Dezember begonnen. Die bislang vorliegenden zehn Transparenzberichte anderer Träger haben in Westfalen eine durchschnittliche Gesamtnote von 2,0 ergeben, im Rheinland von 2,65. In beiden Regionen sind die Patienten uneingeschränkt zufrieden und vergeben ein glattes "sehr gut".
Quelle: Caritasverband für die Diözese Münster e.V.
(
www.caritas-muenster.de)