Die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach zu Plänen der Bundesregierung
Der Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH ist
der Meinung, „dass die Bundesregierung sich nun endgültig aus der
Gestaltung der Altenpflege verabschiedet hat“: "Nachdem
Bundesgesundheitsminister Rösler auf dem Hauptstadtkongress in Berlin es
in seiner Rede schaffte, die Auseinandersetzung mit der Pflege zu vermeiden,
(die Fachpresse berichtete) kommt nun die ehemalige Seniorenministerin und jetzige Bundesarbeitsministerin von der
Leyen mit Vorschlägen zur
Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen, die der bisherigen Politik ihres
eigenen Hauses widersprechen und die keine Lösungsansätze zur
Problematik der Personalsituation in der Altenpflege bieten.
Im Sommer 2008 warben die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit
Bundesgesundheitsministerin Schmidt und Bundesarbeitsminister
Scholz für die neuen -ausschließlich durch die Pflegekassen finanzierten-
„Betreuungskräfte für Menschen mit Demenz“. Bei 100,- Euro pro Dementem und
einer Vollzeitstelle bei 25 Menschen mit Demenz stehen damit den
Pflegeeinrichtungen zumindest pro Vollzeitstelle 2500,- Euro zur Verfügung.
Diese Betreuungskräfte müssen dann noch zusätzlich 160 Qualifizierungsstunden
nachweisen. Schon dieses Modell wurde zu Recht von vielen Experten
kritisiert, ist die Arbeit mit Menschen mit Demenz doch eine
Herausforderung, die grundlegende Qualifikationen erfordert.
Nun sollen Langzeitarbeitslose ohne jede Qualifizierung für 900,- Euro
brutto bei 30 Stunden in der Woche unter anderem in den Altenheimen
“vorlesen“.
“Zum einen diskreditiert dies die Arbeitslosen“ stellt Wallrafen-Dreisow
fest, sollen diese damit doch für einen Stundenlohn von 7,50 Euro arbeiten
kurz nachdem vom gleichen Ministerium die Einführung des Mindestlohns in der Pflege
gefeiert wurde. Die praktische Erfahrung zeigt eindrucksvoll, dass Arbeitslose ein großes Interesse an Bildung und Qualifizierung zeigen und Ihnen dies so vorenthalten wird.
Eine hinreichende Abstimmung mit der Bundesagentur für
Arbeit fand anscheinend auch nicht statt, kritisiert Heinrich Alt,
Vorstandsmitglied der Bundesagentur in einem Artikel in der Zeitschrift Soziale Arbeit vom April 2010 doch
ausführlich das „Konzept Bürgerarbeit“.
Nur am Rande sei hier auf die nicht auskömmliche Finanzierung der
Lohnkosten, die nur 3 Wochen Zeit zur Konzepterstellung für die ARGEn , die
fehlende Betreuung durch Sozialpädagogen und anderes mehr hingewiesen.
Wieder einmal zeigt sich, dass die Lösungen für die Altenpflege
ausschließlich in Lohndumping und Ignoranz der fachlichen Qualifikationen
liegen. Wen wundert es da, dass sich kaum noch junge Menschen mit höheren
Bildungsabschlüssen für den Beruf der Altenpflege interessieren. Die
steigende Zahl der nicht besetzten Pflegefachkraftstellen belegt dies
dramatisch!"
Die bloße Definition von Qualitätsstandards in der Altenpflege mit
ebenfalls umstrittenen „Transparenzberichten“ bieten da auch keine
Lösungen, sondern verdeutlichen, so Wallrafen-Dreisow „die Schere zwischen
Theorie und Praxis“ immer mehr.
Quelle:
Helmut Wallrafen-Dreisow,
Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH (
www.sozial-holding.de)