Pflegekritiker zum Botschafter der Heim-Mitwirkung ernannt
„Alle können etwas tun, um die Situation in Heimen zu verbessern"

(18.01.2008)
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Bremer „Ehrenamtliche in der Heim-Mitwirkung“ mit
Pflegekritiker Claus Fussek (v.l.n.r.: Gerhard Vit,
Magda Maibaum, Claus Fussek, Reinhard Leopold)
© Foto: www.heim-mitwirkung.de
Beim 60. Münchener Pflege-Stammtisch wurde Anfang Januar der bekannte Pflegekritiker Claus Fussek für seinen herausragenden persönlichen Einsatz für behinderte und pflege- bedürftige Menschen von den Bremer „Ehren- amtlichen in der Heim-Mitwirkung" geehrt. Sie ernannten ihn auf der sehr gut besuchten Veranstal- tung im Münchener Löwenbräukeller zum ganz besonderen „Botschafter der Heim-Mitwirkung".

Den Jubiläums-Pflegestammtisch hatte Fusseks Team ganz dem Thema Angehörige von Heimbewohnern gewidmet: „Angehörigenbeirat - ein selbstverständlicher Beitrag zur Qualitätssicherung im Pflegeheim". Hierzu hatten sie drei Referenten eingeladen: Brigitte Bührlen, die seit Jahren engagierte Mitkämpferin des Pflegestammtisches ist. Reinhard Leopold aus Bremen, als einer der vielen engagierten Bürger, die sich ehrenamtlich um die Interessenvertretung von Heimbewohnern kümmern. Gerd Peter, der als Geschäftsführer des größten Münchener Heimbetreibers „Münchenstift" einen geradezu revolutionären Transparensansatz seines Unternehmens vertritt.

„Die beste Heimaufsicht ist die Öffentlichkeit, sind engagierte, motivierte und kritische Angehörige", so war es in der Einladungsschrift zum Pflegestammtisch zu lesen. Reinhard Leopold, der mit drei „Heim-MitWirker" zu der Jubiläumsveranstaltung aus Bremen angereist war, bestätigte die Wichtigkeit von öffentlichem Interesse und bürgerlichem Engagement in diesem Bereich. Er forderte: „Wir müssen aufhören zu jammern! Alle sind gefordert, die vorhandenen Schätze zu heben." Jeder könne seinen Teil dazu beitragen.

Er und seine Mitstreiter engagieren sich beispielsweise seit 2002 als Unterstützer von Heimbewohner-Beiräten sowie als Heimbewohner-Fürsprecher und in anderen Projekten. Er betonte, daß Alle etwas tun können, um die Situation in Heimen zu verbessern - und sei es nur durch regelmäßige Besuche von Heimbewohnern. „Je weniger soziale Kontrollen stattfinden, desto schwerer sind Pflegemängel", zitierte er aus einer Studie. Eine von einer ganzen Reihe struktureller Ursachen von Pflegemängeln, zitierte er weiter, sei unter anderem auch die mangelnde soziale Integration und Kontrolle durch Familie, Öffentlichkeit, Pflegeeinrichtungen und staatlichen Institutionen.

Pflegemängel stehen meist auch im Zusammenhang mit Personalmangel und Arbeitsüberlastung, bezog er sich auf Erkenntnisse wissenschaftlicher Untersuchungen. Diese lägen zwar vor, blieben aber bisher ohne entscheidende Konsequenzen. „Angehörige und andere Interessenvertreter von Heimbewohnern sollten auf die Pflegekräfte zugehen, sie bei vermuteten Überlastungen ansprechen und sie gegebenenfalls gegenüber ihren Arbeitgebern unterstützen", so seine Forderung. „Geht es den Pflegekräften schlecht, kann es den Pflegebedürftigen nicht gut gehen!"

In diesem Zusammenhang ging er auch auf den zunehmenden Einsatz von Leiharbeitskräften, Auszubildenden, Praktikanten sowie von Angehörigen und Ehrenamtlichen ein. Es müsse endlich ein rücksichtsloser Mißbrauch von Hilfskräften, der zum Abbau von regulären versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen führt, unterbunden werden. Dabei sei auch der Gesetzgeber gefordert die Dinge so anzugehen, daß nachgewiesener Mißbrauch konsequent geahndet wird. Mitarbeiter, die derlei Fakten zur Anzeige bringen, müßten arbeitsrechtlich besser geschützt werden.

Das permanente Beklagen der vorhandenen Mängel in den Heimen ändere nichts an der beklagenswerten Situation. Jeder unserer Gesellschaft ist vielleicht selbst einmal als Pflegebedürftiger betroffen. Jeder kann heute schon etwas dafür tun, daß es ihm später einmal besser geht. Er schloß sein Referat mit dem Satz von Jean Molière: „Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun".

Quelle: Ehrenamtliche in der Heim-Mitwirkung (www.heim-mitwirkung.de)




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