Pflegemethodik "Humanitude" stellt die Beziehung zum Menschen in den Vordergrund
In der französisch sprechenden Welt bahnt die Pflegemethodik "Humanitude" (Menschsein) nach Gineste/Marescotti derzeit den Weg zu einer neuen Dimension in der Pflege. Im Unterschied zu allen hierzulande bekannten Modellen und Konzepten, stellt Humanitude die Beziehung zum Menschen in den Vordergrund.
Bevor Pflegehandlungen erfolgen, muss eine Vertrauensbasis auf der Beziehungsebene hergestellt werden, über eine bestimmte Art von Blickkontakt, Ansprache und Berührung. Diese Methodik eignet sich besonders bei Menschen mit Demenz, welche auf die herkömmliche Art der Kommunikation von den Pflegenden nicht erreicht werden können. Die Erfolge sind dermaßen verblüffend, dass in der französischen Presse und im Fernsehen regelmäßig darüber berichtet wird und die Nachfrage von Einrichtungen und Pflegediensten aktuell kaum bewältigt werden kann. Neben der Sprachbarriere ist dies der Hauptgrund, warum "Humanitude" in Deutschland noch nahezu unbekannt ist.
Yves Gineste hat gemeinsam mit seiner Ehefrau Rosette Marescotti Methoden entwickelt, mit denen man Patienten/Bewohner zurückholen kann aus ihrer Isolation, so dass sie wieder teilnehmen am Leben, lachen und weinen können. Gineste/Marescotti wollten sich nicht mit einer Realität abfinden, in der ein Großteil pflegebedürftiger, alter Menschen stumm und abwesend nur noch herumsitzt oder im Bett verbringt. Sie suchten und fanden einen Weg, an diese Menschen heranzukommen. Damit legten sie zugleich den Grundstein zu einem insgesamt neuen Pflegeverständnis, für das "Humanitude" die wissenschaftliche Basis bietet.
Studien belegen eine bis zu 95%ige Verringerung krankhafter Unruhe bei Menschen mit Demenz, den friedlichen Ablauf kritischer Pflegeakte (waschen, essen, anziehen), Verringerung der Bewegungslosigkeit, Verhütung von Bettlägerigkeit und die Aufrechterhaltung einer Kommunikation bis zu letzt. Rund 400 Einrichtungen und Pflegedienste in Frankreich, Kanada, Belgien, Luxemburg und der Schweiz arbeiten inzwischen nach dieser Methodik. An Instituten, genannt IGM, (Institut Gineste-Marescotti) werden Pflegefachkräfte zu IGM-TrainerInnen ausgebildet, die die Schulungen des Personals durchführen.
In Deutschland setzt sich der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. dafür ein, dass Humanitude bekannt wird. So konnten wir Yves Gineste für einen Vortrag auf dem Dementia Fair Congress (DFC) gewinnen, der am 22. und 23. April in Nürnberg stattfindet.
Nähere Informationen über das zuwendungsorientierte Pflegekonzept von Gineste/Marescotti sowie den Vortrag finden Sie im Internet unter
www.pflege-shv.de/GM_Gineste-Marescotti.htmund unter
www.faircongress.de/hamburg/index.php?option=
com_content&task=view&id=422
Quelle: Adelheid von Stösser; Pflege-Selbsthilfeverband
www.pflege-shv.de