Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach bietet mit der Sporthochschule Köln regelmäßiges Training für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen an
Kraft- und Ausdauertraining mit alten Menschen wird von Sportwissenschaftlern und Gerontologen schon seit längerer Zeit empfohlen, weil es das Herz-Kreislauf-System stärkt, die Sauerstoffaufnahme des Blutes verbessert und den Verlauf von alterstypischen Erkrankungen positiv beeinflussen kann. Regelmäßiges Training stabilisiert zudem Knochenbau und Muskulatur - und beugt so Stürzen vor. Die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach hat als Träger von sechs städtischen Altenheimen ihr Bewegungsangebot systematisch ausgebaut und fest in das Programm für die Bewohner der städtischen Altenheime integriert. So sind Fitnessräume eingerichtet worden, in denen eine Diplomsportlehrerin regelmäßig Bewegungseinheiten anbietet.
Dass Kraft, Koordination und ein gutes Körpergefühl ein Stück Lebensqualität in den Alltag zurückbringen, erfahren die Bewohner in den Altenheimen der Sozial-Holding seitdem sozusagen am eigenen Leib. Aber auch die behandelnden Ärzte und das Pflegepersonal stellen positive Effekte fest. Besonders beliebt und effektiv ist das Zirkeltraining an speziellen Fitnessgeräten, das Diplomsportlehrerin Marina Logvin seit Dezember 2009 dreimal pro Woche anbietet.
Ermutigt von den positiven Erfahrungen mit Sportangeboten im stationären Bereich, hat die Sozial-Holding jetzt gemeinsam mit dem Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie der Deutschen Sporthochschule Köln ein niederschwelliges ambulantes Angebot gestartet: Aufbauend auf die erfolgreiche Arbeit im Projekt "fit für 100" hat die Sporthochschule Köln unter dem Titel "NADiA - Neue Aktionsräume für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen" ein Konzept entwickelt, das sowohl Demenzkranken als auch pflegenden Angehörigen die Gelegenheit bietet, ihr körperliches Leistungsvermögen und Wohlbefinden zu verbessern.
Es wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und den Pflegekassen gefördert und von den Kölner Sportwissenschaftlern um Professor Dr. Heinz Mechling wissenschaftlich begleitet. Bis zu zehn Paare, jeweils ein Demenzkranker mit seinem pflegenden Angehörigen, werden in dem Forschungsvorhaben über sechs Monate zweimal pro Woche eine Stunde lang trainiert und dabei insgesamt dreimal anhand von standardisierten Tests auf ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit untersucht.
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Irene Mäurer (Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Mönchengladbach) und Frank Nieder (Sporthochschule Köln)
© Foto: Sozial-Holding |
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Projektleiter Frank Nieder ist vom Erfolg des Programms überzeugt: "Unsere Pilotstudie hat gezeigt, dass sich bei demenziell erkrankten Menschen durch das Bewegungs- programm die Beinkraft und die Handgriffstärke signifikant verbessert. Auch einfache Alltagsaufgaben wie Aufstehen, Gehen, Umdrehen und Setzen meistern die Probanden wieder besser." Wenn die Alltagskompetenz und Selbständigkeit steigt, führt die auch zu einer Entlastung der pflegenden Angehörigen. Dazu Helmut Wallrafen-Dreisow, Geschäftsführer der Sozial-Holding: "Pflegende Familienmitglieder oder Partner erleben meist leidvoll, dass ihre dementen Angehörigen nach und nach viele Alltagskompetenzen verlieren. Im Projekt NADiA sollen sie sehen, dass es auch Verbesserungen geben kann."
Zudem hat das gemeinsame Training auch eine soziale Komponente. Das Bewegungsprogramm bietet ihnen die Gelegenheit, wieder gemeinsam etwas zu unternehmen und sich ein Stück Lebensqualität (zurück) zu erobern. Das gemeinsame Training soll Spaß machen, die Gemeinschaft in der Trainingsgruppe fördern und das oft belastete Betreuungsverhältnis stärken.
Das Projekt "NADiA" ist in Mönchengladbach Ende Februar mit einem Informationsnachmittag für potentielle Probanden an den Start gegangen, die im April mit dem sechsmonatigen Trainingsprogramm beginnen sollen. Nach Abschluss des Forschungsvorhabens plant die Sozial-Holding die Gründung von mehreren wohnortnahen und offenen Trainingsgruppen für Hochbetagte Menschen.
Quelle:
Helmut Wallrafen-Dreisow,
Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH (
www.sozial-holding.de)