Berlin. Mit der „KV Initiative Pflegeheim“, an der sich alle 17 Kassenärztlichen
Vereinigungen (KVen) in Deutschland beteiligen, besteht erstmals ein bundesweites
Konzept für eine ganzheitliche, fachübergreifende medizinische Versorgung in Alten- und
Pflegeheimen. Die KVen Bayerns, Berlin und Hessen stellten das Konzept am 9. September gemeinsam
mit weiteren Partnern aus dem Gesundheitswesen im Rahmen einer Pressekonferenz in
Berlin vor.
Ziel der Initiative ist es, „miteinander und voneinander zu lernen, Synergieeffekte
zu nutzen und so innovative, zukunftsweisende Modelle umzusetzen“, wie der Initiator, Bereichsvorstand
Hausärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Dr. Gabriel
Schmidt, erklärte. Die konkrete Umsetzung des Rahmenkonzepts wird in den Bundesländern
zwischen Kostenträgern, Pflegeinrichtungen, Ärzten und KVen vereinbart und ist jeweils an
die regionalen Gegebenheiten angepasst.
Gemeinsam mit Schmidt präsentierte Gerhard Potuschek, Landesgeschäftsführer der
BARMER GEK in Bayern, das in Bayern im Jahr 2006 eingeführte Modell der Geriatrischen
Praxisverbünde. Dabei betreuen feste Ansprechpartner aus dem haus- und fachärztlichen
Bereich gemeinsam ihre Patienten in den Heimen und stellen über Visit- und Bereitschaftsdienste
eine umfassende Versorgung sicher. In Bayern gibt es derzeit 33 solcher Praxisverbünde
in über 80 Pflegeheimen. Vorteil gegenüber dem viel diskutierten Modell des fest angestellten
„Arzt im Heim“, so Potuschek: „Unsere Versicherten haben beim Modell des Geriatrischen
Praxisverbunds auch weiterhin die freie Arztwahl. Sie können sich auf ihren vertrauten
Hausarzt und gleichzeitig auf die Betreuung durch qualifizierte Fachärzte verlassen.
Diese Vertrautheit und Konstanz in der ärztlichen Versorgung gibt besonders älteren Menschen
ein gutes, sicheres Gefühl.“
Einen ähnlichen Weg beschreitet man in Berlin mit dem Projekt „Die Pflege mit dem Plus“,
das die Vorstandsvorsitzende der KV Berlin, Dr. Angelika Prehn, erläuterte. Dieses biete seit
über zwölf Jahren eine ganzheitliche Rund-um-die-Uhr-Betreuung und intensive Pflege von
chronisch kranken, multimorbiden und psychisch kranken Menschen in Pflegeeinrichtungen. Gemeinsame Visiten und Fallbesprechungen garantierten einen engen Kontakt zwischen
den Ärzten und dem Pflegepersonal. Für die Patienten könnten so auch oft belastende Krankenhauseinweisungen
vermieden werden. „Die Anzahl der Krankenhauseinweisungen in den
teilnehmenden Einrichtungen ist deutlich niedriger als bei nicht teilnehmenden Pflegeeinrichtungen“,
wie Prehn erklärte.
In Hessen setzt man insbesondere auf den Abschluss spezieller Selektivverträge mit den
Krankenkassen, um so auch entsprechende Anreize für eine strukturierte und abgestimmte
haus- und fachärztliche Versorgung in den Pflegeheimen zu schaffen. Laut dem stellvertretenden
Vorstandsvorsitzenden der KV Hessen, Dr. Gerd W. Zimmermann, ist der im Juli
2010 mit der AOK vereinbarte Vertrag zur Optimierung der psychiatrischen Versorgung in Altenpflegeheimen
dabei wegweisend. Auch hier sind die Vermeidung stationärer Aufenthalte
und der Ausbau ambulanter Versorgungsangebote zwei der wesentlichen Ziele. Innovative
Versorgungskonzepte wie dieses seien nur umsetzbar, so Zimmermann, wenn die Krankenkassen
diese auch mit den notwendigen finanziellen Ressourcen ausstatteten.
Aus Sicht der Pflegeheime nahm Herbert Mauel, der Geschäftsführer des Bundesverbandes
privater sozialer Dienste (bpa), zu der Initiative der KVen Stellung: „Der bpa begrüßt die KV
Initiative Pflegeheim und möchte mit seinen deutschlandweit 220.000 stationären Pflegeplätzen
zu ihrer bestmöglichen Umsetzung beitragen, um durch die Stärkung der Kooperation
zwischen Hausärzten und Pflegeheimen eine Verbesserung der medizinischen Versorgung
zu erreichen.“ Er machte deutlich, dass bereits heute gerade im Bereich der ambulanten
hausärztlichen Versorgung ein sehr gutes Niveau in den Pflegeheimen herrsche. Für eine
weitere Optimierung seien allerdings eine verstärkte Einbindung fachärztlicher Expertise sowie
eine enge Verzahnung und verbindliche Absprachen mit den Pflegefachkräften in den
Heimen notwendig.
Gemeinsame Presseinformation
der BARMER GEK, des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste
sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen Bayerns, Berlin und Hessen
Quelle: bpa - Bundesverband privater Anbieter Sozialer Dienste e.V. (
www.bpa.de)