Thomas Güttner:

Qualitätsmanagement als kontinuierlicher Verbesserungsprozess
Anwendung des PDCA-Zyklus in der Pflege


(18.09.2006)

Qualitätsmanagement ist mehr ist als die Anwendung einzelner Maßnahmen der Qualitätssicherung wie sie beispielsweise seit 1996 durch den MDK überprüft werden. Vielmehr ist QM im Sinne eines umfassenden Ansatzes eine Grundhaltung und ein Führungskonzept, das auf einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) ausgerichtet ist.

Diese Veränderung zum Besseren wird japanisch auch als „Kaizen“ verstanden und ist nicht als Technik oder Methode zu verstehen, die nach Bedarf zur Lösung aktueller Probleme eingesetzt wird, sondern ist ein nie endender Kreislauf. Diese Grundhaltung lässt sich mit einem veränderten PDCA-Zyklus darstellen, indem die Beziehung des Managements zu den Mitabeitern deutlich wird. PDCA steht dabei zunächst für:
  • Plan: Erarbeite einen Plan für eine Veränderung bzw. Verbesserung
  • Do: Führe den Plan in kleinen Maßstäben aus
  • Check: Wie erfolgreich waren die Maßnahmen? Was ging schief?
  • Act: Was haben wir gelernt? Wie können die Verbesserungen selbst verbessert (angepasst) werden?
 pdca
Abb. 1: Verbesserter PDCA-Zyklus (Angelehnt an Imai)

Dieser Verbesserungskreislauf bezieht sich auf der Makroebene auf das Management, dieses legt Strategie, Politik und den Plan fest, wonach gearbeitet wird („P“ im großen Kreislauf). Die Mitarbeiter, die diesen Masterplan umsetzen, sind aber auf der Handlungsebene (Mikroebene) selbst Teil eines Verbesserungskreislaufes, indem sie die Vorgaben in konkrete Ziele und Maßnahmen umsetzen („D“ im großen Kreislauf des Managements, heißt PDCA-Zyklus für den Mitarbeiter). Kontrolliert ein Beauftragter des Managements (z.B. der QM-Beauftragte oder ein Qualitätszirkel) dann die Umsetzung, lassen sich Stärken und Verbesserungsbereiche identifizieren, die dann wiederum die Vorgaben des Managements beeinflussen. Beeinflussen meint dabei, dass „…neue Standards nur deshalb ergriffen werden, um als Herausforderung zu wirken, um hinterfragt zu werden, und um von neuen und noch besseren Standards abgelöst zu werden.“ 1

Die enorme Kraft, die von einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess ausgeht, fordert aber auch von der gesamten Organisation eine ständige Bereitschaft zur Verbesserung, ist anstrengend und zeitweise auch frustrierend, weil man nie fertig wird.

Die Einfachheit des auf W. Edward Deming zurückgehenden PDCA-Zyklus erhält durch die neue Anleitung zur Prüfung der Qualität in der ambulanten und stationären Pflege neue Bedeutung. Seit Anfang des Jahres reicht es nicht mehr wie bisher aus lediglich einzelne Maßnahmen der Qualitätssicherung (wie Pflegevisiten, Pflegekonzept) o. Ä. nachzuweisen, sondern es wird auf Grundlage des PQsG ein auf Weiterentwicklung ausgerichtetes und systematisches QM-System gefordert. Auch ohne die Etablierung von QM-Systemen nach der DIN EN ISO 9000:2000 oder dem EFQM-Modell ist es für kleinere Pflegedienste und Einrichtungen durch die Durchdringung der Organisation mit dem PDCA-Zyklus möglich, ein angemessenes System aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Ausgangspunkt kann dabei die Selbstüberprüfung nach der neuen MDK-Anleitung sein. Die erhaltene Momentaufnahme bezüglich des Erfüllungsgrades der Anforderungen sollte durch eine Tabellenkalkulation grafisch dargestellt werden und zeigt so auf, wo sich die Einrichtung oder der Pflegedienst noch weiterentwickeln muss. Wenn der Qualitätszirkel bzw. die Leitungskräfte den erhaltenen Verbesserungsplan dann mit Zielen und Maßnahmen versehen, ist eine Qualitätsplanung entstanden.

Dieser Planungsschritt des Managements wird als „Do“ im modifizierten PDCA-Zyklus zum eigenständigen Qualitätskreislauf für die künftigen Sitzungen eines Qualitätszirkels. Die Vorgehensweise dort wird protokolliert und die Einrichtung bzw. der Pflegedienst erhält bereits mit diesem verhältnismäßig geringen Aufwand den Grundstein für ein auf Weiterentwicklung ausgerichtetes und systematisches Qualitätsmanagelement-System.

Die Bearbeitung durch einen fest installierten Qualitätszirkel, dem etwa 6-8 Personen (Mitarbeiter und Leitungskräfte) angehören, für etwa 2-4 Stunden pro Monat sichert von Anfang an eine starke Mitarbeiterbeteiligung, da diese direkt in die Vorgabenerstellung eingebunden sind und als Multiplikatoren die Ergebnisse in die Praxis tragen. Unter Verwendung geeigneter Vorlagen (z. B. zur Durchführung von Pflegevisiten oder für konzeptionelle Grundlagen) kann die Planung sehr zügig umgesetzt werden, da die Vorschläge lediglich an die Besonderheiten der eigenen Leitungserbringung anzupassen sind.

Mit dem festem Willen der Leitungskräfte zum Qualitätsmanagement wird die Arbeit in Qualitätszirkeln schnell zum Selbstläufer, das heißt, es kommt durch die regelmäßige und systematische Bearbeitung begleitend zu einer Sensibilität und häufig zu einer „Bewusstseinsveränderungen“ durch das Tun allein. Eine jährliche Überprüfung der Umsetzung des Gesamtplanes und die Bearbeitung weiterer Verbesserungsbereiche, die der Qualitätszirkel auch durch zusätzliche Mitarbeiter- und Bewohner-/ Patientenbefragungen erhält, sichert eine stetige Qualitätsverbesserung.

Der PDCA-Zyklus ist als Handlungskonzept auf das Management, die Qualitätszirkelarbeit und auf die Umsetzung und Dokumentation des Pflegeprozesses anwendbar. Und da das vierstufige Modell leicht zu vermitteln ist, ist es sehr geeignet, um gerade Trägern kleinerer Einrichtungen und Diensten, die keine Zertifizierung o. Ä. anstreben, dabei zu unterstützen, trotzdem ein Managementmodell aufzubauen, das die erfolgreiche MDK-Prüfung zum Nebeneffekt des Qualitätskreises werden lässt

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1 Imai. M.: Kaizen: Der Schlüssel zum Erfolg der Japaner im Wettbewerb. Ullstein 1994. S.89

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Mehr Informationen zum Thema finden Sie in

„Die neue MDK-Prüfanleitung“
Qualitätsprüfung und Qualitätssicherung in der ambulanten und stationären Pflege auf CD-ROM
von Thomas Güttner

www.fachbuch-schaper.de/die-neue-mdk-pruefanleitung.html





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